Entstehen Hämorrhoiden durch Kälte, Sitzheizung und Co.?

29. Oktober 2018
8 Min.

Wenn Hämorrhoiden größer werden, können sie sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Deswegen sind sie immer noch ein Tabuthema, über das Betroffene nicht gerne sprechen. Vielleicht gibt es genau deswegen so viele Mythen rund um dieses Leiden. Doch werden schmerzende Hämorrhoiden wirklich durch Kälte ausgelöst? Oder ist etwa die Sitzheizung schuld? Erfahren Sie hier, was stimmt.

Frau mit Hämorrhoiden sitzt auf kalten Stein in den Bergen

Was sind Hämorrhoiden?

Zunächst einmal: Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Das sind Schwellkörper, die am Ausgang des Afters sitzen. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit dem äußeren und inneren Schließmuskel, den Darm abzudichten. Erst wenn sich die Hämorrhoiden durch verschiedene Ursachen (zum Beispiel durch Verstopfung) krankhaft vergrößern, kommt es zu Symptomen wie Jucken und Brennen am Anus. Experten sprechen dann von Hämorrhoidalleiden. Umgangssprachlich sagen viele Betroffene aber einfach sie haben Hämorrhoiden.

Durch Kälte oder Sitzheizung: Können vergrößerte Hämorrhoiden dadurch entstehen?

Wer auf kalten Unterflächen sitzt (zum Beispiel einen Stein oder dem Fußboden) kann dadurch schmerzende Hämorrhoiden bekommen beziehungsweise die Symptome vergrößerter Hämorrhoiden verschlimmern. So lautet zumindest eine weitverbreitete Annahme, die allerdings nicht wahr ist. Denn Hämorrhoiden entstehen nicht erst durch Kälte, sie sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Anatomie. Auch bereits vergrößerte Schwellkörper bleiben bei Kälteeinwirkung unverändert.

Ähnlich verhält es sich mit dem Einfluss von Wärme bei Hämorrhoiden. Eine Sitzheizung im Auto ist vor allem an kalten Wintertagen angenehm. Doch fürchten manche, die Sitzheizung könnte zu vergrößerten Hämorrhoiden führen. Auch das entspricht nicht der Wahrheit. Die Schwellkörper zeigen keine Reaktion bei Hitze oder Wärme. Deshalb gibt es Entwarnung: Hämorrhoiden werden weder durch Kälte, noch durch Sitzheizungen beeinflusst.

Fahrradsattel als Auslöser für Hämorrhoiden?

Grundsätzlich fördert Radfahren (auch mit sehr hartem Fahrradsattel) nicht die Entstehung neuer Hämorrhoiden oder deren Vergrößerung. Beim Aufkommen von Hämorrhoidalleiden spielt stattdessen die Belastung des Beckenbodens eine Rolle. Dies ist zum Beispiel bei starken Verstopfungen (aufgrund des erhöhten Drucks beim Pressen) oder in der Schwangerschaft (durch zusätzliches Gewicht) der Fall.

Wer Rad fährt, entlastet sogar den Beckenboden, was vorbeugend positiv auf Hämorrhoiden-Beschwerden wirken kann. Sie können sich aber nicht nur auf den Fahrradsattel schwingen, um bei Hämorrhoiden dem Beckenboden etwas Gutes zu tun beziehungsweise, um die Beckenboden-Muskulatur trainieren. Andere Sportarten sind ebenfalls förderlich. Dazu gehören:

  • Schwimmen
  • Wandern
  • Walken
  • Yoga
  • spezielle (Beckenboden-)Gymnastik

Durch regelmäßige Bewegung können Menschen nicht nur Hämorrhoidalleiden vorbeugen. Zu den allgemeinen positiven Effekten von Sport gehören eine Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems und der Immunabwehr.

Bitte beachten

Wer bereits unter stark-vergrößerten Hämorrhoiden leidet (und die Schwellkörper beispielsweise nässen und bluten), sollte, bevor er auf den Fahrradsattel steigt oder andere sportliche Aktivitäten ausübt, mit seinem Arzt Rücksprache halten. Durch die offenen Wunden kann es bei Reibung zu Entzündungen kommen.

Stimmt es? Nur ältere Leute leiden an Hämorrhoiden

Tatsächlich hat etwa die Hälfte der Menschen über 50 Jahren zumindest gelegentlich mit Hämorrhoidalleiden zu kämpfen.1 Ein möglicher Grund dafür soll die nachlassende Elastizität der Gefäßwände im Alter sein. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang noch nicht erwiesen.

Aber auch jüngere Erwachsene und in seltenen Fällen sogar Kinder können betroffen sein. Umso mehr Risikofaktoren Sie erfüllen, desto anfälliger sind sie. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Stress (kann Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Verstopfung auslösen)
  • ungesunde Ernährung (Fast Food und fettige Speisen)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • mangelnde Bewegung
  • genetische Veranlagung

Im Umkehrschluss bedeutet das Erfüllen vieler Risikofaktoren allerdings nicht, dass eine Person automatisch Hämorrhoidalleiden entwickelt. Lediglich die Wahrscheinlichkeit dafür ist erhöht.

Hämorrhoiden entstehen durch langes Sitzen

Wer in einem Büro arbeitet, kennt das Problem: Stundenlanges Sitzen hinter dem Schreibtisch. Bewegung kommt dabei zu kurz. Doch ist das die Ursache für schmerzhaft vergrößerte Hämorrhoiden? Nein – zumindest nicht direkt. Zwar ist langes Sitzen nicht förderlich, es ist aber auch nicht der Grund für Hämorrhoiden-Beschwerden. Häufig stehen Verstopfungen im Zusammenhang mit den vergrößerten Schwellkörpern. Darmträgheit ist ein möglicher Grund für die Verdauungsstörung, meist ausgelöst durch mangelnde körperliche Betätigung. So wirkt sich langes Sitzen zwar negativ auf die Verdauung aus und fördert Darmträgheit, was wiederum zu Hämorrhoidalleiden führen kann, ein direkter Auslöser ist es aber nicht.

Weitere Mythen: Hämorrhoiden durch mangelnde Hygiene und Analsex

Die Gründe für Hämorrhoidalleiden sind vielfältig. Doch unzureichende Körperpflege zählt genauso wie der Einfluss durch Kälte nicht zu den Gründen für vergrößerte Hämorrhoiden. Wer allerdings bereits unter Hämorrhoiden-Beschwerden leidet, sollte auf eine besonders gründliche Analpflege achten. Andernfalls können Entzündungen (begleitet von Blutungen und Schmerzen) entstehen.

Analsex ist ebenfalls keine Ursache für krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden. Allerdings gibt es bei bereits nässenden und blutenden Schwellkörpern das Risiko, dass es durch die Reibung beim Geschlechtsverkehr zu einer Entzündung kommt. Auch leicht vergrößerte Hämorrhoiden können ab und zu Sekret absondern. Menschen mit Hämorrhoiden-Beschwerden sollten sich daher von ihrem Arzt beraten lassen.

Hämorrhoidalleiden – Betroffene sind hilflos

Das stimmt nicht. Neben der Beratung und eventuellen Behandlung durch den Facharzt (in diesem Fall den Proktologen) sind Patienten in der Lage den Krankheitsverlauf zum Teil auch selbst in die Hand zu nehmen. Folgende Aspekte können eine Hämorrhoiden-Behandlung fördern:

  • gesunde Ernährung (reich an Ballaststoffen, arm an Fett)
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr (bei Erwachsenen mindestens 1,5 Liter am Tag2 , bei körperlicher Belastung und Hitze mehr)
  • reichlich Bewegung im Alltag (zum Beispiel die Treppe statt des Aufzugs nehmen)
  • Übergewicht abbauen (das zusätzliche Gewicht belastet den Beckenboden)
  • Verwendung von speziellen Salben (nach Absprache mit dem Arzt)

Wenn sich Betroffene unsicher sind, welche dieser Maßnahmen für sie geeignet sind, sollten sie sich an den behandelnden Mediziner wenden und beraten lassen. So sind Sie als Patient bestens informiert und erhalten die für Sie passende Therapie.

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