Entstehen Hämorrhoiden durch Kälte, Sitzheizung und Co.?

22. August 2019
10 Min.

Wenn Hämorrhoiden größer werden, können sie sehr schmerzhaft und unangenehm sein. Deswegen sind sie immer noch ein Tabuthema, über das Betroffene nicht gerne sprechen. Vielleicht gibt es genau deswegen so viele Mythen rund um das Enddarmleiden. Doch werden schmerzende Hämorrhoiden wirklich durch Kälte ausgelöst? Oder ist etwa die Sitzheizung schuld? Erfahren Sie, was stimmt.

Frau mit Hämorrhoiden sitzt auf kalten Stein in den Bergen


Direkt zu den Mythen:


Kurz erklärt: Was sind Hämorrhoiden?

Bei Hämorrhoiden handelt es sich um Schwellkörper, die am Ausgang des Afters sitzen. Ihre Aufgabe ist es, gemeinsam mit dem äußeren und inneren Schließmuskel, den Darm abzudichten. Erst wenn sich die Hämorrhoiden durch verschiedene Ursachen (zum Beispiel Verstopfung) krankhaft vergrößern, kommt es zu Symptomen wie Jucken und Brennen. Experten sprechen dann von Hämorrhoidalleiden.

Stimmt’s? Kälte und Sitzheizung rufen vergrößerte Hämorrhoiden hervor

Wer auf kalten Unterflächen sitzt (zum Beispiel einem Stein oder dem Fußboden), kann dadurch schmerzende Hämorrhoiden bekommen beziehungsweise die Entstehung hämorrhoidaler Beschwerden begünstigen. So lautet zumindest eine weitverbreitete Annahme. Allerdings ist diese nicht wahr. Denn Hämorrhoiden entstehen nicht erst durch Kälte, sondern sind ein natürlicher Bestandteil der menschlichen Anatomie. Übrigens: Selbst wenn die Hämorrhoiden bereits angeschwollen sind, hat Kälteeinwirkung keinen Effekt auf sie.

Und wie sieht es mit Wärme aus? Eine Sitzheizung im Auto ist vor allem an kalten Wintertagen angenehm. Doch fürchten manche Menschen, die Sitzheizung könnte zu vergrößerten Hämorrhoiden führen. Doch auch das entspricht nicht der Wahrheit. Die Schwellkörper zeigen keine Reaktion bei Wärme oder Hitze.

Kann Fahrradfahren ein Hämorrhoidalleiden auslösen?

Grundsätzlich fördert Radfahren (auch mit sehr hartem Fahrradsattel) nicht die Entstehung neuer Hämorrhoiden oder deren Vergrößerung. Beim Aufkommen von Hämorrhoidalleiden spielt stattdessen die Belastung des Beckenbodens eine Rolle. Dies ist zum Beispiel bei starken Verstopfungen (aufgrund des erhöhten Drucks beim starken Pressen) oder in der Schwangerschaft (beispielsweise durch das zusätzliche Gewicht) der Fall.

Wer Rad fährt, entlastet sogar den Beckenboden, was der Vorbeugung von vergrößerten Hämorrhoiden dienen kann. Sie müssen sich aber nicht unbedingt in den Sattel schwingen, um bei Hämorrhoiden dem Beckenboden etwas Gutes zu tun beziehungsweise, um die Beckenboden-Muskulatur zu trainieren. Andere Sportarten sind ebenfalls förderlich. Dazu gehören:

  • Schwimmen
  • Wandern
  • Walken
  • Yoga
  • spezielle (Beckenboden-)Gymnastik

Durch regelmäßige Bewegung können Sie so nicht nur ein Hämorrhoidalleiden vorbeugen. Zu den allgemeinen positiven Effekten von Sport gehören zudem die Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems und der Immunabwehr.

Bitte beachten

Wer bereits unter stark vergrößerten Hämorrhoiden leidet (und die Schwellkörper beispielsweise nässen und bluten), sollte, bevor er auf den Fahrradsattel steigt oder andere sportliche Aktivitäten ausübt, mit seinem Arzt Rücksprache halten. Durch die offenen Wunden kann es bei Reibung zu Entzündungen kommen.

Irrtum – oder doch nicht? Nur ältere Leute leiden an Hämorrhoiden

Tatsächlich hat etwa die Hälfte der Menschen über 50 Jahre zumindest gelegentlich mit Hämorrhoidalleiden zu kämpfen.1 Ein möglicher Grund dafür soll die nachlassende Elastizität der Gefäßwände im Alter sein. Allerdings ist ein direkter Zusammenhang noch nicht erwiesen.

Aber auch jüngere Erwachsene und in seltenen Fällen sogar Kinder können betroffen sein. Abhängig ist dies von verschiedenen Risikofaktoren wie zum Beispiel:

  • Stress (kann Verdauungsprobleme wie Blähungen oder Verstopfung auslösen)
  • ungesunde Ernährung (Fast Food und fettige Speisen)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft
  • mangelnde Bewegung
  • genetische Veranlagung

Das Erfüllen vieler Risikofaktoren bedeutet allerdings nicht, dass eine Person automatisch ein Hämorrhoidalleiden entwickelt. Lediglich die Wahrscheinlichkeit dafür ist erhöht.

Wie hoch ist Ihr Hämorrhoiden-Risiko?

Übergewicht, Veranlagung, Ernährung – es gibt einige Faktoren, die das persönliche Risiko für ein Hämorrhoidalleiden erhöhen. Wie steht es um Ihres?

Hämorrhoiden entstehen durch langes Sitzen – richtig?

Wer in einem Büro arbeitet, kennt das Problem vom stundenlagen Sitzen am Schreibtisch. Bewegung kommt dabei oft zu kurz. Doch ist das die Ursache für schmerzhaft vergrößerte Hämorrhoiden? Nein – zumindest nicht direkt. Zwar ist langes Sitzen alles andere als förderlich, es ist aber nicht der Grund für Symptome wie Juckreiz oder Brennen.

Weitere Mythen: Hämorrhoiden durch mangelnde Hygiene und Analsex

Die Gründe für Hämorrhoidalleiden sind vielfältig. Doch unzureichende Körperpflege zählt genauso wie der Einfluss durch Kälte nicht zu den Gründen für vergrößerte Hämorrhoiden. Wer allerdings bereits unter Hämorrhoiden-Beschwerden leidet, sollte auf eine besonders gründliche Analpflege achten. Andernfalls können Entzündungen (begleitet von Blutungen und Schmerzen) entstehen.

Mangelnde körperliche Bewegung ist hingegen oftmals der Auslöser für Darmträgheit, die wiederum ein möglicher Grund für Verdauungsstörungen ist. So stehen Verstopfungen häufig im Zusammenhang mit den vergrößerten Schwellkörpern. Demnach wirkt sich langes Sitzen zwar negativ auf die Verdauung aus und fördert Darmträgheit, was wiederum zu Hämorrhoidalleiden führen kann, ein direkter Auslöser ist es aber nicht.

Mythos: Das Hämorrhoidalleiden verschwindet von selbst wieder

Die Annahme, dass man bei vergrößerten Hämorrhoiden einfach abwarten soll, stimmt so nicht. Bereits in einem frühen Stadium ist es ratsam, aktiv zu werden: Patienten können den Krankheitsverlauf hier zum Teil selbst in die Hand nehmen. Folgende Aspekte fördern mitunter die Behandlung:

  • gesunde Ernährung (reich an Ballaststoffen, arm an Fett)
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr (bei Erwachsenen mindestens 1,5 Liter am Tag2)
  • reichlich Bewegung im Alltag (zum Beispiel die Treppe statt des Aufzugs nehmen)
  • Übergewicht abbauen (die zusätzlichen Kilos belasten den Beckenboden)
  • Verwendung von speziellen Salben (nach Absprache mit dem Arzt oder Apotheker)

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Wenn sich Betroffene unsicher sind, welche dieser Maßnahmen für sie geeignet sind, oder das Hämorrhoidalleiden bereits fortgeschritten ist, sollten sie sich an den behandelnden Mediziner wenden und beraten lassen. So sind Sie als Patient bestens informiert und erhalten die für Sie passende Therapie.

Irrtümer rund um Abführmittel, Hygiene und Analsex

Die Gründe für Hämorrhoidalleiden sind vielfältig. Doch unzureichende Körperpflege zählt nicht zu den Auslösern für vergrößerte Hämorrhoiden. Wer allerdings bereits unter Beschwerden des Enndarms leidet, sollte auf eine besonders gründliche Analpflege achten. Andernfalls können Entzündungen (begleitet von Blutungen und Schmerzen) entstehen.

Analsex ist ebenfalls keine Ursache für krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden. Allerdings besteht bei bereits nässenden und blutenden Schwellkörpern das Risiko, dass es durch die Reibung beim Geschlechtsverkehr zu einer Entzündung kommt.

Verstopfung gilt zwar als Ursache für das Anschwellen von Hämorrhoiden, aber sind Abführmittel hier wirklich die Lösung? Für den kurzfristigen Einsatz kann es durchaus sinnvoll sein, ein Abführmittel anzuwenden. Längerfristig sollten Sie davon allerdings die Finger lassen. Denn: Der Stuhl wird dadurch weich und flüssig – der Darm träge. Eine erneute Verstopfung ist möglicherweise die Folge und mit ihr das Vergrößern der Hämorrhoiden. Vor der Anwendung von Abführmitteln fragen Sie daher am besten Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Tanja Albert
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