Gummibandligatur: Hämorrhoiden einfach abbinden

Sind Hämorrhoiden derart vergrößert, dass sie starke Beschwerden verursachen oder sogar beim Stuhlgang aus dem Anus hervortreten, ist neben einer konservativen Behandlung mit Salben auch eine minimal invasive Operation wie die Gummibandligatur eine Überlegung wert. Die von einem Arzt über die Gefäßpolster gezogenen Gummibänder ermöglichen ein schmerzloses Abfallen der Hämorrhoiden. Doch wie genau erfolgt die Methode?

Ärzte führen eine Gummibandligatur durch

Im Überblick:

Ablauf der Gummibandligatur

Eine Ligatur bei Hämorrhoiden können Sie sich wie folgt vorstellen:



Grafik Ärzte führen eine Gummibandligatur durch



Das sollte vorher geregelt sein

Um unerwünschte Blutungen zu vermeiden, gilt es vor dem Eingriff abzuklären, ob der Patient gerinnungshemmende Medikamente einnimmt – etwa mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Diese Mittel sind mindestens drei Tage vorher abzusetzen.2

Gummibandligatur: Wie lange bestehen Schmerzen?

In der Regel verspürt der Patient keine Schmerzen beim Überstülpen des engen Gummibandes über die betroffene Hämorrhoide. In diesem Bereich ist das Gewebe schmerzunempfindlich. Eine Betäubung ist daher nicht notwendig. Nach einigen Tagen fällt das abgestorbene Gewebe schmerzlos ab und wird mit dem Stuhlgang ausgeschieden.8

Kurzzeitig kann ein stärkeres Druckgefühl im Analbereich auftreten.4 Denn der Arzt legt das Gummiband mit einem Proktoskop – ein mit Gleitgel präpariertes Enddarmspiegelgerät – direkt im Analkanal über das Gefäßpolster.

Unmittelbare Schmerzen treten während der Behandlung nur selten auf.7 Beginnen die Schmerzen jedoch einige Stunden nach Anbringen des Bandes, hat sich höchstwahrscheinlich ein Blutgerinnsel in einem Gefäß der Afterschleimhaut gebildet. Dieses kann bis zu einer Woche lang Schmerzen bereiten.8 Verschwinden tut es in der Regel von selbst. Im Übrigen bewirkt bei dieser Komplikation das Entfernen des Gummibandes keine Schmerzfreiheit.8 Stattdessen helfen hier nur Geduld und vom Arzt verordnete Schmerzmittel.

Blutung – eine mögliche Komplikation

Weitere Folgen wie starke Blutungen sind bei diesem Verfahren zwar sehr selten, aber grundsätzlich immer vorstellbar. Sie entstehen in der Regel beim Abfallen der Hämorrhoide in den ersten 7 bis 14 Tagen (spätestens jedoch bis zum 21. Tag) nach dem Eingriff.5 Hierbei öffnet sich manchmal ein Blutgefäß.

Suchen Sie im Fall dieser Beschwerde Ihren Arzt auf. Er hilft Ihnen dabei, die Blutung zu stillen.

Besserung – wann tritt sie nach einer Gummibandligatur ein?

Die Symptome des Hämorrhoidalleidens verbessern sich meist mit dem Abfallen des veränderten Hämorrhoidenpolsters. Das ist etwa nach 7 bis 14 Tagen der Fall.5 Zum narbigen Verheilen braucht das Gewebe in etwa drei bis vier Wochen.2

Zudem hält das Ergebnis einer Ligatur lange an: Auch fünf Jahre später sind rund 70 Prozent der Behandelten beschwerdefrei.4

Da weder eine Narkose noch Schnitte und Nähte für den Eingriff nötig werden, sind Betroffene nicht lange „krank“. Sie können nach der Gummibandligatur oftmals direkt wieder nach Hause gehen. Kommt es jedoch zu Komplikationen wie einem schmerzhaften Blutgerinnsel, ist eine Krankschreibung durchaus denkbar. Die Entscheidung darüber trifft der Fachmann.

Gummibandligatur – wie lange kein Sport?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage existiert nicht. Es ist es immer von Patient zu Patient unterschiedlich, wann nach dem Verfahren wieder mit dem Sport begonnen werden sollte. Empfehlenswert ist es jedoch, solange zu warten, bis die Narben verheilt sind. Für die genaue Bestimmung des optimalen Zeitpunkts, sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

Gummibandligatur: Wann eignet sich die Therapie?

Die Behandlung, die maximal zehn Minuten6 dauert, findet vor allem bei Hämorrhoiden zweiten Grades Anwendung.4 Im ersten Stadium können Betroffene mit Salben und Cremes gute Erfolge gegen Symptome wie Jucken und Brennen erzielen.

Bei Hämorrhoiden dritten und vierten Grades sind andere Maßnahmen wie die Milligan-Morgan-OP (betroffene Hämorrhoiden werden herausgeschnitten) erfolgsversprechender.




Welcher Arzt führt eine Gummibandligatur durch?

Wer nicht weiß, wohin er mit seinen Beschwerden und der Sorge, krankhaft vergrößerte Hämorrhoiden zu haben, gehen soll, ist bei seinem Hausarzt zunächst gut aufgehoben. Dieser kann eine erste Einschätzung geben und bei Bedarf an einen Facharzt weiter überweisen. Dazu zählen

  • Dermatologen (sie beschäftigen sich mit dem Aufbau sowie der Funktion der Haut),
  • Chirurgen (ihr Kerngebiet ist die Durchführung von Operationen),
  • Urologen (Experten in Sachen harnbildende und -ableitende Organe),
  • Gynäkologen (haben Fachkenntnisse in der Frauenheilkunde) und
  • Gastroenterologen (Spezialisten im Bereich Magen-Darmtrakt).

Wichtig ist auf jeden Fall die Zusatzbezeichnung „Proktologe“, denn somit hat der Arzt eine spezielle Weiterbildung und ist Experte für den Enddarm sowie Analbereich.

Darum sollten Sie zum Mediziner gehen

Ein Fachmann kann Ihnen dabei helfen, Ihre Beschwerden und Schmerzen loszuwerden. Je eher Sie es schaffen, über Ihre veränderten Hämorrhoiden zu sprechen, umso schneller kann mit einer Therapie begonnen werden. Probleme im Analbereich sollten kein Tabuthema für Sie sein. Jeder Zweite leidet in seinem Leben mindestens einmal an veränderten Hämorrhoiden.1


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Alternative: Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur (HAL)

Neben der Gummibandligatur bietet die Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur (HAL) – auch Umstechungsligatur genannt – eine weitere Option zur Behandlung eines Hämorrhoidalleidens. Bei diesem Verfahren geht es ebenso um ein Abbinden beziehungsweise Abschnüren von Hämorrhoiden versorgenden Arterien.

Im Gegensatz zur Gummibandligatur wird bei der HAL-Operation jedoch mit einem Ultraschallgenerator gezielt nach Blutgefäßen gesucht. Der Mediziner verwendet dafür ein spezielles Proktoskop, in welches die sogenannte Ultraschalldopplersonde eingebaut ist. Das Gerät sendet und empfängt Ultraschallwellen und wandelt diese Signale dann in elektrische Impulse um.

Durch ein Fenster im Gerät kann die zuführende Arterie mit einer Nadel und medizinischem Nähmaterial abgebunden werden. Das umschnürte Blutgefäß führt zu der gewünschten Schrumpfung der Hämorrhoide. Genauso wie bei der Gummibandligatur erfolgt die Therapie ohne Schmerzen, ist technisch gut umsetzbar und ambulant – ohne Krankenhausaufenthalt – möglich. Ein Abfallen der Hämorrhoide bleibt hier allerdings aus – sie bleibt im Körper. Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, ob dieses Verfahren für Sie infrage kommt.

Carolin Stollberg
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Regina Lopes Bombinho Brandt
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