Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Wie kommt es dazu?

29. Oktober 2018
7 Min.

Morgenübelkeit, Heißhungerattacken, Kopfschmerzen – als wären diese Beschwerden nicht schon genug, leidet ein Großteil der Frauen in der Schwangerschaft an Hämorrhoiden. Aber auch Monate nach der Geburt kann es hin und wieder zu Problemen wie Juckreiz oder Brennen im Analbereich kommen. Doch was ist der Grund hierfür? Und was hilft bei einem Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft? Hier finden Sie die Antworten.

Schwangere Frau mit Hämorrhoiden hält ihren Bauch

Hämorrhoiden – ein kurzer Abriss

Spricht jemand davon, „er habe Hämorrhoiden“, ist diese Aussage zwar korrekt, aber irreführend. Denn jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Die Schwellkörper befinden sich am Darmausgang und sorgen gemeinsam mit dem Schließmuskel für die nötige Kontinenz. Normalerweise bemerkt man sie dort nicht. Erst wenn es zu einem Anschwellen der Hämorrhoiden kommt, verursachen sie verschiedene Beschwerden wie Juckreiz und Brennen oder treten mitunter aus dem After heraus. In einem solchen Fall sprechen Mediziner dann von einem Hämorrhoidalleiden – umgangssprachlich „hat man also Hämorrhoiden“.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft – die Einflussfaktoren

Wie viele andere Beschwerden in der Schwangerschaft lassen sich auch die vergrößerten Hämorrhoiden teils auf die Hormone zurückführen. Vor allem zu Beginn schüttet der Körper diese vermehrt aus, um sich auf das neue Leben vorzubereiten. Die Umstellung hat dabei Einfluss auf viele körperliche Bereiche – unter anderem auf das Bindegewebe. Der Körper wird flexibler und dehnbarer. Das liegt zum einen daran, dass Platz für das stetig wachsende Baby geschaffen werden muss. Zum anderen bereitet sich der Körper so auf die bevorstehende Geburt vor, bei der hohe Flexibilität verlangt ist. Zudem drücken mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft die Gebärmutter und das Ungeborene auf den Enddarm der werdenden Mutter. Die Folge: Das Blut kann nicht mehr so gut abfließen und staut sich – die Hämorrhoiden vergrößern sich.

Weitere Faktoren, die Hämorrhoiden in der Schwangerschaft begünstigen, sind Verstopfungen. Auch hier kann der veränderte Hormonhaushalt eine Rolle spielen, aber auch mangelnde Bewegung oder eine ballaststoffarme Ernährung sind Gründe dafür, dass die Darmbewegung langsamer erfolgt. Dadurch verbringt der Nahrungsbrei mehr Zeit im Darm, wo ihm zu viel Wasser entzogen wird. Es kommt zu einer Erhärtung des Stuhlgangs. Um sich Erleichterung zu verschaffen, pressen viele Betroffene auf der Toilette verstärkt. Doch das kann zu Verletzungen am After oder dem Heraustreten der Hämorrhoiden führen.

Schon gewusst? Nicht nur in der Schwangerschaft, auch während der Geburt können die Hämorrhoiden aus dem After treten. Bedingt durch die Presswehen werden sie nach außen gedrückt. Aber keine Sorge, in den meisten Fällen – und bei guter Pflege – kehren die Schwellkörper wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Behandlung von Hämorrhoiden in der Schwangerschaft

Die gute Nachricht: Vergrößerte Hämorrhoiden sind zwar unangenehm, aber in der Regel bilden sie sich, wenn sie in der Schwangerschaft oder während der Geburt entstanden sind, von selbst zurück. Dafür ist es jedoch wichtig, dass Frauen ihren Hämorrhoiden die richtige Behandlung angedeihen lassen. Das A und O dabei stellt die Pflege dar. Um Entzündungen zu vermeiden, sollten Sie nach jedem Stuhlgang Ihren After mit Wasser säubern – wer kein Sitzwaschbecken (Bidet) besitzt, kann auch unter die Dusche gehen oder mit einem feuchten Lappen nachwischen.


Aha!

Mediziner unterscheiden bei Hämorrhoiden vier verschiedene Stadien, in deren Abhängigkeit die Behandlung erfolgt. In den Anfangsstadien (eins und zwei) ist eine Besserung der Beschwerden durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten sowie den Einsatz spezieller Salben meist ausreichend. Ein operativer Eingriff, wie er bei Grad drei möglich und bei vier unabdingbar ist, sollte nicht unbedingt in der Schwangerschaft erfolgen. Welche Behandlung für Ihre Hämorrhoiden infrage kommt, besprechen Sie daher am besten vorab mit einem Arzt.

Machen die Hämorrhoiden in der Schwangerschaft akut Probleme, können bei der Behandlung Sitzbäder helfen. Geben Sie als Zusatz Hamamelis (zusammenziehende Wirkung) oder Kamille (entzündungshemmender Effekt) hinein und achten Sie darauf, dass das Wasser nicht zu warm ist, da sich die Beschwerden dadurch mitunter verschlimmern. Linderung verschafft möglicherweise auch ein Beutel mit kaltem Wasser, der für einige Minuten auf die betroffene Stelle aufgelegt wird. Alternativ ist es möglich, ein Gel-Kühlpad auf das Areal zu legen – damit es nicht zu Erfrierungen kommt, umwickeln Sie dieses mit einem sterilen Tuch.

Hämorrhoiden vorbeugen: Was hilft in der Schwangerschaft?

Da Probleme mit den Hämorrhoiden in der Schwangerschaft keine Seltenheit sind, fragen sich viele Frauen zurecht, was hilft, um sie zu vermeiden. Als vorbeugende Maßnahmen kommen beispielsweise folgende infrage:

  • Sofern Sie Ihre Ernährung noch nicht auf mehr Ballaststoffe umgestellt haben, sollten Sie das tun. Denn Obst, Gemüse und Vollkornprodukte machen den Stuhl geschmeidiger.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor für weicheren Stuhl ist reichlich Flüssigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Schwangeren eine tägliche Mindestzufuhr von 1,5 Litern Wasser oder anderen ungesüßten Getränken.1
  • Für die Verdauung ist Bewegung förderlich. Ein kleiner Spaziergang oder moderater Sport bringen Darm und Kreislauf in Schwung. Unser Tipp: Beckenbodentraining stärkt das Gewebe im Unterleib.

Was unter Umständen noch hilft gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft, ist der richtige Toilettengang. Sprich, gehen Sie nur dann, wenn ein Stuhldrang gegeben ist. Denn zu lange Sitzungen mit starkem Pressen fördern das Herausfallen der Schwellkörper. Außerdem ist es empfehlenswert, einen Hocker unter die Füße zu stellen: Dadurch entsteht zwischen Oberschenkel und Oberkörper ein steiler Winkel, der die Darmentleerung erleichtert.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin