Wie kommt es dazu? Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und nach der Geburt

29. Oktober 2018
11 Min.

Morgenübelkeit, Heißhungerattacken, Kopfschmerzen – als wären diese Beschwerden nicht schon genug, leidet circa die Hälfte aller Frauen in der Schwangerschaft oder nach der Entbindung an Hämorrhoiden mit Symptomen wie Juckreiz, Schmerzen und Brennen im Analbereich oder Blutungen bei der Stuhlentleerung.1 Gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung? Die beiden Säulen “Ernährung” und “Bewegung” spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Überblick

Hämorrhoiden – ein kurzer Abriss

Spricht jemand davon, er habe Hämorrhoiden, ist diese Aussage zwar korrekt, aber irreführend. Denn jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Die Schwellkörper befinden sich im Bereich des Darmausgangs und sorgen gemeinsam mit dem Schließmuskel dafür, dass wir den Stuhl zurückhalten können. Normalerweise bemerkt man sie dort nicht. Erst wenn Beschwerden wie Juckreiz oder Blutungen aus dem Anus auftreten, sprechen Mediziner von einem Hämorrhoidalleiden.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft oder nach der Geburt – die Einflussfaktoren

Schwangere Frau mit Hämorrhoiden hält ihren Bauch

Circa 65 bis 85 Prozent haben zum ersten Mal mit den knotenförmigen Gefäßerweiterungen am Darmausgang zu tun, wenn sie ein Kind erwarten.2 Mit dem Hämorrhoidalleiden gehen unangenehme Symptome wie Juckreiz oder Schmerzen einher. Die Ursachen sind vielfältig:

  • Hormone: Als erstes zu nennen ist die hormonbedingte Umstellung des Bindegewebes, das dehnbarer wird. Das liegt zum einen daran, dass Platz für das stetig wachsende Kind geschaffen werden muss. Zum anderen bereitet sich der Körper so auf die bevorstehende Geburt vor, bei der hohe Nachgiebigkeit verlangt ist.
  • Gewichtszunahme: Zudem drücken mit dem Fortschreiten der Schwangerschaft die Gebärmutter und das Kind auf die Blutgefäße des Enddarms. Die Folge: Das Blut fließt nicht mehr so gut ab und staut sich – die Hämorrhoiden werden größer.
  • Verstopfung: Auch hier kann der veränderte Hormonhaushalt eine Rolle spielen, aber auch mangelnde Bewegung oder eine ballaststoffarme Ernährung sind Gründe dafür, dass die Darmbewegung langsamer erfolgt. Dadurch verbringt der Nahrungsbrei mehr Zeit im Darm, wo ihm zu viel Wasser entzogen wird. Es kommt zu einer Erhärtung des Stuhlgangs. Um sich Erleichterung zu verschaffen, pressen viele Betroffene auf der Toilette verstärkt. Doch das führt nicht selten zu Verletzungen am After oder dem Heraustreten der Hämorrhoiden.
  • Vererbung: Unter Umständen zeigt sich auch eine genetische Veranlagung für ein schwaches Bindegewebe erstmals in der Schwangerschaft für ein Hämorrhoidalleiden verantwortlich.
  • Presswehen: In der Endphase der Geburt setzen die Presswehen ein. Endlich darf Frau “Mit-Drücken” statt die Wehen wegzuatmen, doch bedingt durch das starke Pressen kann ein Hämorrhoidalleiden entstehen oder sich verschlimmern. Grund hierfür ist der beeinträchtigte venöse Rückfluss des Blutes.

Hilfreich ist es in der letzten Phase der Geburt, den Presswehen, wenn die Hebamme die Hämorrhoiden der Gebärenden mit in kaltem Wasser getränkten Tupfern kühlt und dabei sachten Gegendruck auf diese anwendet.

Bei Hämorrhoiden zum Frauenarzt?

Bereiten vergrößerte Hämorrhoiden Probleme, stellt sich Ihnen womöglich die Frage, welcher Arzt denn nun zuständig ist. Muss es gleich ein Proktologe sein, also ein Spezialist auf dem Gebiet der Enddarmerkrankungen, oder ist doch der Frauenarzt erster Ansprechpartner? Für gewöhnlich ist der Gynäkologe kein Fachmann für die Behandlung von Hämorrhoidalleiden. Aber da nun einmal insbesondere Schwangere häufig an vergrößerten Hämorrhoiden leiden, wird Ihnen der Frauenarzt wahrscheinlich dennoch weiterhelfen können, indem er Sie über Möglichkeiten der Behandlung in Ihrem individuellen Fall aufklärt. Ist es dem Gynäkologen nicht möglich, die Hämorrhoiden als Ursache für Ihre Symptome auszumachen, überweist er Sie an einen Experten – auch dann, wenn die vergrößerten Hämorrhoiden stark behandlungsbedürftig sind.

Hämorrhoidalleiden in der Schwangerschaft behandeln

Generell ist die Behandlung abhängig vom Schweregrad der Hämorrhoidalveränderungen, je nachdem, wie stark das Gewebe vergrößert ist und welche Beschwerden auftreten. In den Anfangsstadien (eins und zwei) ist eine Besserung der Beschwerden durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten sowie den Einsatz spezieller Salben oder Zäpfchen meist ausreichend.

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Ein operativer Eingriff, wie er bei Grad drei möglich und bei vier unabdingbar ist, sollte nicht unbedingt in der Schwangerschaft erfolgen. Das ist in den allermeisten Fällen auch gar nicht nötig. Die gute Nachricht ist: Vergrößerte Hämorrhoiden bilden sich, wenn sie in der Schwangerschaft oder während der Geburt entstanden sind, von selbst zurück. Eine gute Analhygiene gehört jedoch zur “Basistherapie”. Säubern Sie nach jedem Stuhlgang Ihren After mit Wasser. Wer kein Sitzwaschbecken (Bidet) besitzt, kann auch unter die Dusche gehen oder mit einem feuchten Waschlappen nachwischen.

Bereiten die Hämorrhoiden akut Probleme?

  • Sitzbäder können gegen die Beschwerden helfen. Geben Sie als Zusatz entzündungshemmende Kamille hinein. Reich an Gerbstoffen sind vor allem Zaubernuss (Hamamelis) oder Eichenrinde. Beide wirken zusammenziehend auf das Gewebe im unteren Darmabschnitt. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass das Wasser nicht zu warm oder gar heiß ist, da sich die Beschwerden dadurch mitunter verschlimmern. 15 Minuten täglich sind ausreichend.1

Anleitung für ein Eichenrinde-Sitzbad

So bereiten Sie das bewährte Hausmittel gegen Hämorrhoiden vor:

  • Kochen Sie 1 Handvoll Eichenrinde mit 1 Liter Wasser auf.3
  • Reduzieren Sie die Hitze, auf kleiner Flamme 15 Minuten köcheln lassen.1
  • Gießen Sie die Mischung vorsichtig in eine kleine Wanne.
  • Lassen Sie das Wasser mit Eicheinrinde abkühlen. Das Sitzbad sollte Körperwärme – 37 Grad Celsius – haben.4

Die juckreizstillende Eichenrinde erhalten Sie im Reformhaus oder der Apotheke.

  • Linderung verschafft möglicherweise auch ein Beutel mit kaltem Wasser, der für 15 Minuten auf die betroffene Stelle aufgelegt wird.5 Alternativ ist es möglich, ein Gel-Kühlpad auf das Areal zu legen – damit es nicht zu Erfrierungen kommt, umwickeln Sie dieses zum Beispiel mit einem Baumwolltuch.
  • Auch der richtige Toilettengang ist wichtig. Zu lange Sitzungen auf dem stillen Örtchen mit starkem Pressen fördern das Vorfallen der Schwellkörper. Besser ist es abzuwarten, bis Sie Stuhldrang haben. Außerdem ist es empfehlenswert, einen Hocker unter die Füße zu stellen: Dadurch entsteht zwischen Oberschenkel und Oberkörper ein steiler Winkel, der den Enddarm gerader zieht und so die Darmentleerung erleichtert.
  • Um die mechanische Belastung beim Stuhlgang zu verringern, hilft es, den After zweimal täglich mit Ringelblume-Salbe einzucremen.1 Sie macht den behandelten Bereich geschmeidiger, außerdem wirkt Ringelblume (Calendula) entzündungshemmend. Die Heilpflanze eignet sich auch für die Anwendung in der Schwangerschaft.6

Was tun gegen Hämorrhoiden nach der Geburt?

Bestehen nach der Geburt akute Probleme, ist es enorm wichtig, sämtliche Druckbelastungen auf das Becken zu vermeiden, um keinen Blutandrang im kleinen Becken (Beckeneingang, Beckenhöhle, Beckenausgang) sowie eine Abflussbehinderung des Blutes zu provozieren. Daher gilt zum Beispiel: Auf langes Sitzen verzichten, Beine nicht übereinanderschlagen und schweres Heben ablehnen.

Kompressen mit Quark, in den vorher noch 1 Tropfen Zypressen- oder Lavendelöl gerührt wurde, hilft bei der Rückbildung der Hämorrhoiden. Streichen Sie dazu 1 bis 2 Esslöffel des Quarks auf eine aufgefaltete Kompresse. Diese im Anschluss länglich falten und eine halbe bis eine Stunde auf die Hämorrhoiden legen.7 Damit die Quarkkompresse besser hält, können Sie diese zusammen mit einer Wöchnerinnenbinde (erhältlich in der Apotheke) im Slip oder in speziellen dehnbahren Netzunterhosen tragen.

Hämorrhoiden vorbeugen: Was hilft in der Schwangerschaft?

Da Probleme mit den Hämorrhoiden in der Schwangerschaft keine Seltenheit sind, fragen sich viele Frauen zurecht, was hilft, um sie zu vermeiden. Als vorbeugende Maßnahmen kommen beispielsweise folgende infrage:

  • Ballaststoffreiche Ernährung hilft gegen Verstopfung und macht den Stuhl geschmeidiger. Vor allem Datteln, Feigen, Süßkartoffeln, Linsen und Vollkornprodukte sind geeignet. Auch Leinsamen und Weizenkleie fördern den Stuhlgang.
  • Ein weiterer wichtiger Faktor für weicheren Stuhlgang ist reichlich Flüssigkeit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt Schwangeren eine tägliche Mindestzufuhr von 1,5 Litern Wasser oder anderen ungesüßten Getränken.8
  • Für die Verdauung ist Bewegung förderlich. Ein kleiner Spaziergang oder moderater Sport bringen Darm und Kreislauf in Schwung.
  • Beckenbodentraining sorgt für eine bessere Durchblutung des Beckenbereichs. Besonders geeignet sind Einheiten in der Knie-Ellbogen-Lage sowie im Vierfüßlerstand, da hierbei kein allzu großer Druck auf die Hämorrhoiden ausgeübt wird.

Zu guter Letzt: Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen, denn auch dadurch staut sich das Blut in den Schwellkörpern.

Tanja Albert
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Julia Lindert
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