Hämorrhoiden-OP: Die ambulante THD-Methode

29. Oktober 2018
7 Min.

Manchmal führt kein Weg mehr an einer Hämorrhoiden-OP vorbei: Wer an sehr stark vergrößerten und Beschwerden verursachenden Gefäßpolstern leidet, versucht häufig so lange wie möglich einen Termin beim Arzt zu vermeiden und sich mit Cremes und Salben zu behelfen. Werden die Symptome jedoch nicht besser oder verschlimmern sie sich sogar, ist eine andere Behandlung einzuschlagen. Und das heißt in den meisten Fällen, dass eine operative Therapie erfolgt. Wir stellen Ihnen hier die chirurgisch sanfteste Technik vor: die THD Methode.

Ärzte führen OP mit der THD Methode durch

Die Vorteile der THD-Methode

Die THD-Methode gehört zu den minimal-invasiven Behandlungsmöglichkeiten von veränderten Hämorrhoiden. Es erfolgt weder ein Gewebeschnitt noch eine Hämorrhoiden-Entfernung. Mit anderen Worten handelt es sich um eine ambulante OP. Daher bleiben auch keine Wunden zurück, die einer Heilung bedürfen. Der operierte Patient wird wahrscheinlich unmittelbar nach dem Eingriff ein stärkeres Druckgefühl oder ein leichtes Ziehen verspüren. Mit frei erhältlichen Schmerzmitteln lässt sich dies gut eindämmen und sollte auch nach wenigen Tagen abklingen.

Die THD Methode ist ein bewährtes Verfahren und bietet einige Vorteile:

  • ohne Gewebeeinschnitte
  • keine Wunden, die ausheilen müssen (lediglich Nahtstiche)
  • schmerzfrei bis -arm (Druckgefühl möglich)
  • ballaststoffreiche Kost direkt wieder erlaubt
  • Schließfunktion des Afters bleibt unbeeinträchtigt
  • ambulanter Eingriff ohne stationären Aufenthalt
  • der Patient ist schnell wieder mobil
  • ein Wiederkehren der Beschwerden ist sehr gering
  • für alle Hämorrhoiden ab dem zweiten Grad anwendbar

Das „Hämorrhoiden-Lifting“ nach der THD-Methode

Hinter der THD Methode steckt die abkürzende Bezeichnung für Transanale Hämorrhoiden-Dearterialisation mit Dopplersonde. Die Idee ist sehr simpel: Anstatt die Hämorrhoiden rauszuschneiden, wird die Blutzufuhr oberhalb der Linea dentata unterbunden. Der Operateur rafft im nächsten Schritt mit zusätzlichen Nähten quasi das überschüssige Gewebe, sodass es wie bei einem Lifting nach oben gezogen wird und dicht an der Schleimhaut anliegt. Anwendung findet das Verfahren vor allem bei Hämorrhoiden zweiten und dritten Grades, es ist in manchen Fällen jedoch auch im vierten Stadium möglich.

Die Hämorrhoiden-OP wird ambulant (ohne Krankhausaufenthalt), seltener mit kurzem stationärem Aufenthalt, durchgeführt. Entweder liegt der Patient in Vollnarkose oder der zu operierende Bereich ist örtlich betäubt. Obwohl die im folgenden beschriebenen Operationsschritte in einem schmerzunempfindlichen Bereich des Enddarms erfolgen, bekommt so der Patient nichts vom Eingriff mit, wodurch der Eingriff einfach angenehmer ist.

Linea dentata – die Schmerzgrenze des Enddarms

Zwischen der unempfindlichen Schleimhaut des Mastdarmes und der sensiblen Haut des Afterkanals befindet sich die sogenannte Linea dentata. Ein Bereich mit zähnchenartigen Falten (dentata = „gezahnt“). Unterhalb dieser Linie liegt die hochsensible Analhaut, die eine Unterscheidung zwischen Gasen, weichem und festem Stuhl ermöglicht. Für die Therapie von Hämorrhoiden mittels der ambulant erfolgenden OP nach THD Methode ist die Linie eine wichtige Orientierungsmarke.

Im Detail: Wie die ambulante Hämorrhoiden-OP nach der THD-Methode erfolgt

Der Operateur führt in den zuvor gedehnten After ein spezielles Proktoskop mit integrierter Dopplersonde ein. Dieses Gerät erlaubt über Ultraschall eine punktgenaue Positionsbestimmung der Hauptarterie, die die Hämorrhoiden mit Blut versorgt. Die Arterie wird oberhalb der Linea dentata mit chirurgischem Nahtmaterial umstochen und abgenäht. Dadurch kommt es zu einer Strangulation des jeweiligen Schwellkörpers und weniger Blut gelangt in die Gefäße.

Bis hierher ist das quasi der OP-Ablauf des HAL-Verfahrens (Hämorrhoiden-Arterien-Ligatur). Die THD-Methode geht jedoch noch weiter: Der Operateur sticht bei der THD Methode nach und nach – von der ersten Naht in Richtung Afterausgang gehend – in das vergrößerte und hervorfallende Schleimhautgewebe. Am Ende zieht er den Faden durch die um die Arterie gelegte Ausgangsschlaufe. Mit Zug am Faden kommt es zu einer Raffung nach oben beziehungsweise nach innen und das vergrößerte Gewebe gelangt so an die anatomische Ursprungsstelle, oberhalb der Linea dentata, zurück.

Pflege nach dem „Hämorrhoiden-Lifting“

Damit der Erfolg der THD Methode möglichst lange anhält und ein Wiederauftreten des Hämorrhoidalleidens verhindert wird, sind einige Punkte in Hinblick auf die generelle Lebensweise, zu beachten. Hämorrhoiden vergrößern sich – solange es nicht erblich bedingt ist – vor allem durch zu großen Druckaufbau auf die Gefäße und zunehmende Bindegewebsschwäche. Harter Stuhlgang, Verstopfung, das Einhalten von Kot oder übermäßiges Pressen während der Stuhlentleerung (Defäkation) – das alles lässt zu viel Blut in die Schwellkörper fließen. Irgendwann gibt das Gewebe dem Druck nach und weitet sich. Die Hämorrhoiden vergrößern sich immer mehr und erschweren das Passieren des Stuhlgangs. Verletzungen der Gefäßpolster, Blutungen, Nässen und Schmerzen sind meist die Folge.

Mit dem Wissen, um die Entstehung der Hämorrhoiden, lassen sich auch Gegenmaßnahmen ergreifen, damit nicht erst Schritte wie die THD Methode ergriffen werden müssen. Weicher Stuhl zum Beispiel erleichtert das Abführen erheblich und ruft keine Reizungen im Verdauungstrakt hervor. Eine flüssigkeits- sowie ballaststoffreiche Ernährung, und ausreichend Bewegung fördern die Darmtätigkeit und führen zu einer idealen Kotkonsistenz. Ein zu starkes Pressen ist dadurch hinfällig. Bleiben Sie auch nicht unnötig lange auf der Toilette sitzen, das erhöht nur den Druck auf den Beckenboden und die Gefäße. Auf diese Weise können Sie einiges dazu beitragen, das (Wieder-) Entstehen von Hämorrhoiden zu verhindern.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin