Milligan-Morgan-OP: Wann ist dieses Verfahren notwendig?

3. September 2019
8 Min.

Bei Hämorrhoiden dritten und vierten Grades – die Gefäßpolster am After sind bereits so sehr vergrößert, dass sie aus dem Anus austreten und sich nicht mehr zurückdrücken lassen – hilft oftmals nur noch eine operative Behandlung. Es gibt verschiedene Vorgehensweisen. Die sogenannte Milligan-Morgan-OP gehört zu den gängigsten. Wir erklären Ihnen, was bei der Operation geschieht.

Ärztin erklärt Patientin die Milligan-Morgan-OP

Zum Inhalt:



Operationsschritte im Überblick:

  1. Hämorrhoiden werden mit Klemmen aus dem Anus herausgezogen

  2. Es erfolgt ein Unterspritzen der vergrößerten Hämorrhoidalknoten, damit sie sich vom Schließmuskel besser abheben.

  3. Mit Nadel und medizinischem Nähmaterial umsticht der Arzt die blutzuführenden Arterien und verhindert so Blutungen.

  4. Der Operateur schneidet die Knoten heraus.

  5. Die Wunden bleiben unvernäht und heilen offen aus.

Milligan-Morgan-OP – die Vorbereitung

Nach einem kleinen, den Analbereich reinigenden Einlauf, wird der schlafende Patient in die Steinschnittlage versetzt (Position, wie sie vom Gynäkologen bekannt ist: die Person liegt rücklings im Stuhl und die gespreizten Beine sind im 90-Grad-Winkel auf Stützen gelagert).

Die OP nach Milligan und Morgan ist in der Chirurgie ein bewährter Klassiker, bei dem die drei Haupthämorrhoidenknoten hervorgezogen und herausgeschnitten werden (daher kommt auch die Bezeichnung Dreizipfelmethode). Das Verfahren kann jedoch auch lediglich für einzelne Darmsegmente Anwendung finden – der Operateur entscheidet darüber, welche Hautbrücken er erhalten will. Die Operation erfolgt in diesem Fall unter Vollnarkose oder Spinalanästhesie (rückenmarksnahe Form der Regionalbetäubung).

Der Ablauf der Milligan-Morgan-OP

Zu Beginn des Eingriffs dehnt der operierende Arzt den Analkanal zunächst vorsichtig mit dem Finger, danach dann mit einem speziellen Analspreizer, um einen besseren Zugang zur betroffenen Analregion zu bekommen.

In der Regel klemmt der Operateur – mit dem größten Knoten beginnend – die Hämorrhoiden an. Das heißt, er fixiert sie: Eine Klemme wird jeweils an die Afteröffnung (Anokutanlinie) gesetzt, die andere fasst das Hämorrhoidalpolster direkt. Danach unterspritzt er die Knötchen mit Kochsalzlösung, sodass die Hämorrhoiden deutlicher vergrößert hervortreten. So ist eine bessere Abgrenzung zum Schließmuskel möglich – denn der soll nicht verletzt werden, um Komplikationen, wie eine Stuhlinkontinenz zu vermeiden. Der Mediziner zieht die krankhaft vergrößerten Hämorrhoidalpolster einzeln hervor und umsticht deren Arterien mit medizinischem Nähmaterial, um die Blutzufuhr zu stoppen.

Im nächsten Schritt kommt es zum Herausschneiden der großen Hämorrhoidalknoten. Hierfür trennt der Chirurg das Hämorrhoidalgewebe vom darunter liegenden Schließmuskel. Heutzutage verwenden Mediziner dafür häufig Instrumente (Thermo- oder Elektrokauter), mit denen Gewebe nicht wirklich geschnitten, sondern eher heraus- beziehungsweise abgebrannt wird. So lässt sich ein blutungsärmerer Operationsverlauf garantieren.

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Gut zu wissen

Um die Feinkontinenz (verantwortlich für die kontrollierte Ausscheidung von Stuhl) weiter zu gewährleisten und eine Analstenose, also eine Verengung des Analkanals, zu verhindern, muss der Mediziner darauf achten, dass beim Herausschneiden der Gefäßpolster zwischen den benachbarten Hämorrhoiden genug Analschleimhaut (Anoderm) übrigbleibt.

Besonderheiten bei der Milligan-Morgan-OP

Das Spezielle an dieser Technik im Vergleich zu anderen ärztlichen Behandlungsansätzen: die Wunden heilen unverschlossen aus (Sekundärheilung) – daher auch die Bezeichnung offene Hämorrhoidektomie (chirurgisches Entfernen krankhaft vergrößerter Hämorrhoiden).

Diese Art der Heilung führt zu einer Narbenbildung, wodurch die Wahrscheinlichkeit von wiederkehrenden Hämorrhoidalbeschwerden stark abnimmt. Denn das vernarbte Gewebe kann sich nicht mehr so einfach weiten und vergrößern. Der Effekt verstärkt sich unter Umständen durch die Verwendung eines Thermokauters (medizinisches Gerät zur gezielten Zerstörung von Gewebe durch elektrische Hitze) und der damit einhergehenden Entstehung von Brandwunden.

Primär- versus Sekundärheilung

Bei der Primärwundheilung verschließt beispielsweise der Operateur die Verletzungen mit einer Naht. Im Gegensatz dazu erfolgt die sekundäre Ausheilung der Wunden offen. Diese Variante dauert wesentlich länger als die zuvor beschriebene, aber das Wundwasser fließt ab und die Bildung von Blutergüssen wird verhindert. Zudem kann, wie im Falle der Milligan-Morgan-OP, die Entstehung einer Narbe Vorteile bieten. Bei einer Primärheilung ist die Narbenbildung geringer.


OP nach Milligan-Morgan: Nachsorge und Pflege

Der behandelte Patient muss nach der erfolgten Operation noch mehrere Tage im Krankenhaus bleiben. Die genaue Dauer ist abhängig von der Wundentwicklung, den Schmerzen und dem persönlichen Gesundheitszustand. Bei einer offenen Wundheilung ist es nicht ungewöhnlich, dass es zu starken Schmerzen und Blutungen kommt, die zunächst beobachtet werden sollten. Dies sind leider die Nachteile der ansonsten wissenschaftlich gut belegten Milligan-Morgen-OP, die bis heute als Goldstandard der operativen Hämorrhoidenbehandlung gilt.1

Gut zu wissen

Methoden in der Medizin (zum Beispiel Operationen), die in ihrer Wirkung und Anwendung als bisher unübertroffen gelten, bekommen die Auszeichnung Goldstandard. Neue Verfahren werden im Vergleich zu diesem Goldstandard beurteilt.


Im Anschluss an die Milligan-Morgan-OP darf der Patient (nach kurzzeitiger Schonkost) ganz normal Nahrung zu sich nehmen. Jedoch sollte er auf besonders scharfe oder saure Speisen verzichten, da diese die sowieso schon empfindsame Darmschleimhaut – nach der Entfernung der Hämorrhoiden – zusätzlich reizen .Nach jedem Stuhlgang muss eine gründliche Reinigung durch Abduschen mit Wasser erfolgen, damit möglichst keine Kotbakterien in die offenen Wunden gelangen.

Für die sekundäre Wundheilung, die gut zwei bis drei Wochen dauert, wird der Operierte krankgeschrieben. In dieser Zeit ist es ratsam, Sitzbäder mit klarem Wasser oder Badezusätzen wie Hamamelis durchzuführen. Dieses Hausmittel soll den Heilungsprozess durch eine antientzündliche Wirkung fördern und dient auch der Reinigung der Wunde.

In der Genesungszeit können zudem milde, oral (über den Mund) eingenommene Abführmittel die Darmentleerung erleichtern. Des Weiteren helfen Schmerzmittel bei sehr starken Leiden. Besprechen Sie die Einnahme von schmerzlindernden und abführenden Medikamenten immer mit Ihrem Arzt. In der Regel klingen die Beschwerden nach der OP innerhalb von 10 bis 14 Tagen langsam ab.3


Neben der Milligan-Morgan-OP gibt es noch folgende weitere Methoden der ärztlichen Behandlung bei Hämorrhoiden:


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