Mastdarmvorfall Was ist das?


Bei einem Rektumprolaps stülpen sich Anteile des Mastdarms vor beziehungsweise nach außen aus dem Anus. Dies können sowohl kleinere Schleimhautausstülpungen sein als auch Prolapse mit weit über 10 Zentimetern Größe.1 Der Darmvorfall bildet sich häufig spontan wieder zurück oder aber muss mithilfe der Finger zurückgeschoben werden.

Was ist der Mastdarm?

Beim Mastdarm (Rektum) handelt es sich um jenen Teil des Dickdarms (Kolon), der die Verbindung zum After herstellt. Dort sammelt sich der Stuhl bis zur Entleerung. Ein Schließmuskel am Anus verhindert, dass Kot unkontrolliert austritt.

Obwohl der Darmvorfall grundsätzlich in allen Lebensabschnitten vorkommt, wird er gehäuft zum einen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, zum anderen bei Menschen über 50 Jahren beobachtet. Bei letzterer Gruppe sind mit 85 Prozent besonders Frauen betroffen.2

Einteilung in Schweregrade


Die Schweregrade des Rektumprolaps werden (je nach Fachliteratur) in drei beziehungsweise vier Stadien eingeteilt:

  • Grad 1 – innerer Vorfall: Einstülpung des Darmabschnitts, der die Linea dentata (Übergang zwischen Rektum und Oberrand des Analkanals) nicht überschreitet
  • Grad 2 – beginnender Vorfall: Rektumprolaps reicht bis in den Afterkanal hinein, bleibt aber innerhalb des Afters
  • Grad 3 – äußerer Vorfall: Enddarm ragt aus dem After heraus3

oder

  • Grad 1: Einstülpung des Darmabschnitts innerhalb des Analkanals; von außen nicht sichtbar
  • Grad 2: sichtbarer Rektumprolaps; spontaner Rückzug (Reposition)
  • Grad 3: sichtbarer Prolaps; muss manuell zurückgeschoben werden
  • Grad 4: Reposition nicht möglich4

Symptome des Rektumprolaps


Ein Mastdarmvorfall fühlt sich schwammartig an und lässt sich – neben der äußeren Erscheinung – an folgenden Symptomen erkennen:

  • schleimiger Ausfluss
  • Blutabgänge während des Stuhlgangs
  • diffuses Dranggefühl („als fiele alles nach unten“1)
  • Stuhlentleerungsstörung (eingestülpter Darm behindert die Passage des Kots)
  • Juckreiz
  • Fremdkörpergefühl
  • Nässen
  • nicht zu kontrollierender Abgang von Winden sowie Stuhlinkontinenz (durch chronische Überdehnung des Schließmuskels)
  • Schwellung (wenn der Enddarm beim kompletten Vorfall abgeschnürt wird)

Abhängig vom Patienten und dem Grad seines Mastdarmvorfalls unterscheiden sich die Symptome: Es müssen nicht alle davon auftreten. Wichtig: Ein Rektumprolaps bereitet in der Regel keine Schmerzen.

Rektumprolaps oder Hämorrhoiden: Die Analbeschwerden unterscheiden


Ähnlich wie bei einem Darmvorfall kann auch ein fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden von außen sichtbar sein. Und zwar dann, wenn die Hämorrhoiden so stark vergrößert sind, dass sie während des Stuhlgangs oder dauerhaft vor dem After liegen. In Hinblick auf die Verwechslungsgefahr ist es umso wichtiger, bei Beschwerden im Analbereich zu einem Arzt zu gehen.

An folgenden Merkmalen gelingt dem Laien eine erste Unterscheidung:

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Rektumprolaps Hämorrhoiden
LageSchleimhaut kann nach außen treten im Bereich des Anus; große Hämorrhoiden außen
Schmerzenneinnur bei großen
Blutungja möglich
Spannungszustand von Schließmuskeln fehlend oder reduziert normal oder hoch

Ausnahmen sind allerdings immer möglich. Die genaue Diagnose zu Ihren Symptomen stellt der Experte. Erste Anlaufstelle ist dabei der Hausarzt, der Sie dann an einen Spezialisten (zum Beispiel einen Proktologen oder Gastroenterologen) überweist.

Wie kommt es zu einem Rektumprolaps? Mögliche Ursachen


Die Ursachen des Darmvorfalls sind noch nicht vollständig geklärt, es gibt aber begünstigende Faktoren:

  • Erschlaffte Beckenbodenmuskulatur: Der Darm kann nicht mehr ausreichend an Ort und Stelle gehalten werden.
  • Störungen der Stuhlentleerung: Patienten berichten häufig von Anstrengungen beim Stuhlgang in Form einer chronischen Verstopfung oder chronischem Durchfall.
  • Altersbedingte Beckenbodensenkung: Dadurch, dass der Rektumprolaps oft bei Frauen über 50 Jahren auftritt, wird vermutet, dass er mit der in diesem Alter typischen Beckenbodensenkung in Verbindung steht.1

Letztgenannter Auslöser entwickelt sich mit den Jahren durch viele verschiedene Faktoren wie etwa zahlreiche und schwere Geburten, Bindegewebsschwäche, Östrogenmangel oder Übergewicht.

Tipp: Einem Rektumprolaps vorbeugen – mit Beckenbodentraining

Die Muskeln des Beckenbodens lassen sich mit gezielten Übungen stärken, um so die inneren Organe besser zu stützen. Die Betroffenen lernen dabei ihren Beckenboden bewusst anzuspannen, diesen Zustand zu halten und die Spannung schließlich wieder zu lösen. Es gibt beispielsweise Physiotherapeuten, die sich auf das Gebiet des Beckenbodens spezialisiert haben. Weitere Anbieter von Beckenbodentraining sind unter anderem Hebammenpraxen sowie Volkshochschulen. Auch Ihr behandelnder Arzt kann Sie sicherlich beraten, welche Übungen in Ihrem individuellen Fall sinnvoll sind.

Ärztliche Diagnose


Wenn Sie einen Verdacht auf Mastdarmvorfall haben, weil die Symptome darauf hindeuten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der Termin beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese (Patientenbefragung).

Anschließend folgen diese Untersuchungen:

  • Inspektion und äußere Palpation: Der Spezialist betrachtet die Analregion und tastet den After ab. Außerdem bittet er den Patienten, zu pressen, um zu sehen, ob sich dabei die Schleimhaut ausstülpt.
  • Proktoskopie: Der Mediziner führt ein rohrartiges Instrument samt Kamera und Lichtquelle in den Analkanal ein. So kann er eine innen liegende Einstülpung (Intussuszeption) gut sehen, ebenso wie möglicherweise vorliegende Geschwüre.
  • Defäkografie (gelegentlich): Dabei wird der Vorgang des Stuhlabsetzens nach Gabe eines Kontrastmittels mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) beobachtet.

Nach Durchführung der genannten Diagnostikmethoden schätzt der behandelnde Arzt den Fall besser ein und weiß, welche Behandlung im Rahmen des Rektumprolaps nötig ist.

Behandlungsmethoden im Überblick: Abhängig vom Grad des Darmvorfalls


Bei einem Rektumprolaps ersten Grades bedarf es für gewöhnlich keiner Therapie.5 Hier wird versucht, mit ballaststoffreicher Ernährung (beispielsweise in Form von Vollkornprodukten) den Stuhlgang zu regulieren, sodass starkes Pressen beim Toilettengang und der damit verbundene Rektumprolaps zukünftig vermieden werden.

Bei beschwerdereichen und schwerwiegenderen Fällen sind operative Eingriffe angezeigt. Insgesamt kennt die Fachliteratur circa 100 chirurgische Techniken.6

Grundsätzlich erfolgt eine Unterscheidung in

  • perineale (durch den Damm, also die Region zwischen After und äußeren Geschlechtsorganen) und
  • transabdominale (durch den Bauchraum) Operationen.

Folgend erklären wir kurz ein paar ausgewählte Verfahren:

  • Gummibandligatur: Diese Methode kommt vor allem bei kleineren Darmvorfällen, bei denen nur die Schleimhaut betroffen ist, zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe mit Gummiringen abgebunden und fällt nach einigen Tagen ab. Der Arzt führt die Abbindung häufig im Rahmen einer Proktoskopie durch. Keine Sorge: Die Prozedur ist normalerweise schmerzfrei. Übrigens findet diese Behandlung auch bei vergrößerten Hämorrhoiden Anwendung.
  • OP nach Altemeier: Der Vorfall wird transanal (durch den After) entfernt. Die gelockerten Darmabschnitte im Bauchraum müssen ebenfalls mobilisiert, das heißt aus ihrer Umgebung gelöst werden, damit der Darm anschließend begradigt zum After verläuft. Der Eingriff ist für die Patienten mit einer Woche Klinikaufenthalt verbunden.7
  • Rehn-Delorme-Operation: Hierbei entfernt der Fachmann die Schleimhaut des vorgefallenen Enddarms über den After. Damit der Enddarm wieder in Normallage zurückgebracht werden kann, wird dessen Wand gerafft und durch mehrere Nähte fixiert. Mediziner entscheiden sich für diese OP-Methode vor allem bei Vorfällen bis etwa 10 Zentimetern Länge6 und wenn deutliche Einschränkungen hinsichtlich der Kontinenz vorliegen. Außerdem eignet sich dieses Verfahren besonders auch bei älteren Betroffenen, da es weniger belastend ist als eine Operation über die Bauchdecke. Nach dem Eingriff müssen die Patienten eine Woche im Krankenhaus bleiben.7
  • Laparoskopische Rektopexie: Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, das heißt ohne größere Schnitte, über den Bauchraum. Nachdem der Operateur den Enddarm freigelegt und gestrafft hat, fixiert er ihn mit Nähten am Kreuzbein. Auch eine Teilentfernung des Dickdarms ist hierbei möglich. Aufgrund der Komplexität des Eingriffs muss sich der Patient auf einen stationären Aufenthalt von bis zu 14 Tagen einstellen.7
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Vorteile Nachteile
Operation vom After aus • schonender für den Patienten
• auch in Lokal-/Teilnarkose möglich
• Bauchdecke bleibt unversehrt
• erneutes Auftreten des Prolapses häufiger
• gleichzeitige Behandlung einer bestehenden Beckenbodensenkung nicht vollumfänglich möglich
Operation über den Bauch • Rezidivrisiko (Wiederholung des Vorfalls) mit 5 bis 10 Prozent im Vergleich zu circa 15 bis 20 Prozent geringer8 • Vollnarkose erforderlich

Der Arzt bestimmt, welche Therapie des Prolapses letztendlich für den Patienten infrage kommt. Die Entscheidung darüber hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel von Alter und Gesundheitszustand des Betroffenen.

Die ersten Artikel schrieb Monika Hortig in ihrem Kinderzimmer und speicherte sie noch auf Diskette. Dass sie eines Tages Redakteurin werden möchte, wusste sie schon sehr lange. Deswegen zog es sie nach ihrem Studium in die Münchener Verlagswelt. Nach diversen Praktika in Online-Redaktionen absolvierte sie ihr Volontariat bei verschiedenen Lifestyle-Magazinen – unter anderem mit Schwerpunkt Sport und Ernährung. Das steigende Interesse für medizinische Themen führte sie letztendlich zu kanyo®. Als Medizinredakteurin kann sie hier ihre beiden Vorlieben – Online-Journalismus und Gesundheit – vereinen. Monika Hortig Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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