Rektumprolaps: Wenn sich der Mastdarm nach außen stülpt

29. Oktober 2018
6 Min.

Sie denken, Sie haben ein Hämorrhoidalleiden, sind sich aber nicht sicher damit? Dann lassen Sie Ihre Symptome dringend abklären, denn es gibt eine Reihe von anderen Analkrankheiten, die mit ähnlichen Beschwerden einhergehen. Dazu zählt der sogenannte Rektumprolaps – oder auch Mastdarmvorfall. Wir verraten, warum die beiden Krankheiten von Laien durchaus verwechselt werden und woran Sie einen Darmvorfall erkennen können.

Ärzte operieren Rektumprolaps

Mastdarmvorfall – Definition und Symptome

Bei einem Rektumprolaps gelangt der Mastdarm durch den After (Anus) nach außen – entweder spontan oder im Rahmen einer Stuhlentleerung. Der Darmvorfall – eine andere Bezeichnung für den Prolaps – tritt häufig ebenso spontan wieder zurück oder aber muss selbst mithilfe des Fingers zurückgeschoben werden.

Obwohl der Darmvorfall grundsätzlich in allen Lebensabschnitten vorkommt, wird er gehäuft zum einen zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr, zum anderen bei Menschen über 50 Jahren beobachtet. Bei letzterer Gruppe sind mit 85 Prozent Anteil besonders Frauen betroffen.1

Was ist der Mastdarm?

Beim Mastdarm (Rektum) handelt es sich um jenen Teil des Dickdarms (Kolon), der die Verbindung zum After herstellt. Dort sammelt sich der Stuhl bis zur Entleerung. Ein Schließmuskel am Anus verhindert, dass Kot unkontrolliert hinausgerät.

Der Darmvorfall kann in vier Stadien unterteilt werden:

  • Grad 1: Einstülpung des Darmabschnitts innerhalb des Analkanals; von außen nicht sichtbar
  • Grad 2: sichtbarer Rektumprolaps; spontane Zurückschiebung (Reposition)
  • Grad 3: sichtbarer Prolaps; muss manuell zurückgeschoben werden
  • Grad 4: Reposition nicht möglich

Ein Mastdarmvorfall fühlt sich schwammartig an und lässt sich – neben der äußeren Erscheinung ab dem zweiten Grad – an folgenden Symptomen erkennen:

  • Schleimabgang
  • Blutung
  • Stuhlinkontinenz
  • Stuhlentleerungsstörung (Verstopfung)
  • Gefühl einer unvollständigen Stuhlentleerung
  • Juckreiz
  • Fremdkörpergefühl
  • Nässen

Abhängig vom Patienten und dem Grad seines Mastdarmvorfalls unterscheiden sich die Symptome: Es müssen nicht alle davon auftreten. Schmerzen bereitet ein Rektumprolaps dagegen meist keine.

Wie kommt es zu einem Rektumprolaps? Mögliche Ursachen

Die Ursachen des Darmvorfalls sind noch nicht vollständig geklärt. Generell gilt eine Fixationsschwäche des Enddarms im Beckenbereich als Auslöser eines Rektumprolaps – der Darm kann also nicht mehr ausreichend an Ort und Stelle gehalten werden. Außerdem berichten Patienten häufig von Anstrengungen beim Stuhlgang in Form von einer vorangegangenen chronischen Verstopfung sowie chronischem Durchfall.

Dadurch, dass der Rektumprolaps oft bei Frauen über 50 Jahren auftritt, wird vermutet, dass er mit der in diesem Alter typischen Beckensenkung in Verbindung steht.1 Diese entwickelt sich mit den Jahren durch viele verschiedene Faktoren wie etwa Schwangerschaften, Bindegewebsschwäche, Östrogenmangel oder Übergewicht.

Rektumprolaps: Die verschiedenen Methoden der Behandlung

Wenn Sie einen Verdacht auf Mastdarmvorfall haben, weil die Symptome darauf hindeuten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er wird nach einer Anamnese (Patientenbefragung) und einer ausführlichen Betrachtung der Analregion sowie Abtasten des Afters eine sogenannte Proktoskopie durchführen. Der Mediziner untersucht mithilfe eines rohrartigen Instruments samt Lichtquelle den Analkanal. In einigen Fällen kann eine Defäkografie nötig sein. Dabei handelt es sich um eine Röntgendurchleuchtung während eines Stuhlgangs. Auf diese Weise schätzt der behandelnde Arzt den Fall besser ein und weiß, welche weitere Behandlung im Rahmen des Rektumprolaps nötig ist.

Je nach Grad des Darmvorfalls unterscheiden sich die Therapiemethoden. Bei einem Rektumprolaps ersten Grades bedarf es für gewöhnlich keiner Behandlung. Hier wird versucht, mit ballaststoffreicher Ernährung (beispielsweise in Form von Vollkornprodukten) den Stuhlgang zu regulieren, sodass starkes Pressen beim Toilettengang und der damit verbundenen Rektumprolaps zukünftig vermieden werden.

Bei beschwerdereichen und schwerwiegenderen Rektumprolapsen gibt es dagegen folgende Behandlungen:

  • Abbindung: Diese Methode kommt vor allem bei kleineren Darmvorfällen zum Einsatz. Dabei wird das Gewebe mit Gummiringen abgebunden und fällt nach einigen Tagen ab. Der Arzt führt die Abbindung häufig im Rahmen einer Proktoskopie durch. Keine Sorge: Die Prozedur ist normalerweise schmerzfrei. Übrigens findet diese Behandlung auch bei vergrößerten Hämorrhoiden Anwendung.
  • Operation durch den After: Hierbei entfernt der Fachmann Teile des Mastdarms über den After. Die meisten chirurgischen Eingriffe dieser Art werden unter Narkose durchgeführt und erfordern einen stationären Aufenthalt über ein paar Tage.
  • Operation mittels Bauchschnittes: Die Straffung und Fixierung des Mastdarms erfolgt bei diesem chirurgischen Eingriff (heutzutage minimal-invasiv) über den Bauchraum. Auch eine Teilentfernung des Dickdarms ist hierbei möglich.

Der Arzt bestimmt, welche Behandlung des Rektumprolaps für den Patienten infrage kommt. Die Entscheidung darüber hängt von vielen Faktoren ab, zum Beispiel auch vom Alter des Betroffenen (Gefahr der Narkose).

Rektumprolaps oder Hämorrhoiden: Die Analbeschwerden unterscheiden

Ähnlich wie bei einem Darmvorfall kann auch ein fortgeschrittenes Hämorrhoidalleiden von außen sichtbar sein. Das bedeutet, dass sich die Hämorrhoiden mitunter so stark vergrößern, dass sie zeitweise (während des Stuhlgangs) oder dauerhaft vor dem After liegen. Aus diesem Grund besteht die Gefahr, den äußeren Rektumprolaps mit Hämorrhoiden zu verwechseln. Umso wichtiger ist es also, bei Auffälligkeiten zu einem Arzt zu gehen. An folgenden drei Merkmalen gelingt dem Laien eine erste Unterscheidung:

RektumprolapsHämorrhoiden
LageSchleimhaut kann nach außen tretenim Bereich des Anus; große Hämorrhoiden außen
Schmerzenneinnur bei großen
Blutungjamöglich

Ausnahmen sind allerdings immer möglich. Die genaue Diagnose zu Ihren Symptomen stellt der Experte. Erste Anlaufstelle kann dabei stets der Hausarzt sein, der sie dann an einen Spezialisten (zum Beispiel einen Proktologen oder Gastroenterologen) überweist.

Monika Hortig
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!