Ekzem am After nicht mit Hämorrhoiden verwechseln

29. Oktober 2018
7 Min.

Viele Menschen denken, dass ein Ekzem am After die Folge mangelnder Hygiene ist. Das muss allerdings nicht sein, denn die Ursachen unterscheiden sich je nach Typ sehr stark. Warum das Analekzem entsteht, welche Symptome damit einhergehen und wie Sie es von Hämorrhoiden unterscheiden, lesen Sie im Folgenden.

Person mit Analekzem ist beim Arzt

Analekzem – Definition und Symptome

Bei einem Ekzem am After (perianales Ekzem) handelt es sich um eine akute oder chronische Entzündung im Bereich des Afters. Es tritt mitunter als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung wie Neurodermitis auf. Deswegen ist es in erster Linie wichtig, den Ursachen des Analekzems auf den Grund zu gehen und diese zu behandeln.

Doch woran lässt sich ein Analekzem eigentlich erkennen? Es äußert sich in Form einer Reihe typischer Symptome. Diese sind:

  • Rötung
  • starkes Jucken
  • Brennen
  • Nässen
  • rote Flecken (teilweise hellrosa bis weiß)
  • Bläschenbildung
  • Flechten (grobe, schuppige Hautareale)

Besonders der Juckreiz stellt für viele Patienten eine enorme Belastung dar. Betroffenen fällt es häufig schwer, diesem zu widerstehen. Deswegen kratzen sie die Stelle intensiv, was die Symptome des Analekzems allerdings verschlimmert.

Die Ursachen sind vielfältig

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Typen des Ekzems am After. Jeder Form liegt eine andere Ursache zugrunde:

  • Allergisches Analekzem: Dabei handelt es sich um eine Kontaktallergie (Berührung mit einem allergieauslösenden Stoff). Das bedeutet, dass der Auslöser dieses Ekzems am After zum Beispiel Duftstoffe in Reinigungsmitteln oder im feuchten Toilettenpapier sind. Auch Medikamente (Cremes oder Salben), die im Analbereich zum Einsatz kommen, können die Hautentzündung auslösen.
  • Irritativ-toxisches Analekzem: Hier gelten Flüssigkeiten, die sich in der Pofalte sammeln und dort zu Irritationen führen, als Ursache. Diese Flüssigkeiten sind meist austretende Sekrete, zum Beispiel aus Analfisteln, vergrößerten Hämorrhoiden oder dem Darm.
  • Atopisches Analekzem: Dies ist eine Form der Neurodermitis (chronisch-entzündliche Hauterkrankung), also eine Überempfindlichkeitsreaktion der Haut. Grund hierfür sind unter anderem Inhaltsstoffe sowohl in Kosmetika (Seifen, Salben) als auch in Lebensmitteln (Zitrusfrüchte, scharfe Gewürze). Zudem können übertriebene oder mangelnde Hygiene sowie Reizungen beispielsweise beim Radfahren und durch Schwitzen mitunter ein atopisches Analekzem nach sich ziehen.

In den meisten Fällen handelt es sich um ein allergisches Analekzem (circa 40 Prozent).1 Die Ursachenforschung sollte wichtiger Bestandteil der ärztlichen Untersuchung sein. Denn nur, wenn der Auslöser bekannt ist, kann das wiederholte Auftreten des Ekzems am After verhindert und die Beschwerden richtig behandelt werden.

Hilfreiche Tipps: Das Analekzem behandeln

Sind die Symptome des Analekzems noch nicht ausgeprägt und hält sich der Juckreiz in Grenzen, können Sie versuchen, es mit einfachen Mitteln selbst zu behandeln. Außerdem können Ihnen die Tipps bei Analekzemen dabei helfen, die Dauer der Heilung so angenehm wie möglich zu gestalten.

Beachten Sie folgende Maßnahmen:

  • den Analbereich nur noch mit Wasser reinigen (beim Duschen und nach dem Stuhlgang)
  • auf kosmetische Produkte und parfümiertes Toilettenpapier verzichten
  • Reibung durch enge Unterwäsche, Slipeinlagen oder beim Benutzen von Toilettenpapier nach dem Stuhlgang vermeiden
  • Sitzbäder mit Eichenrinde durchführen
  • Salbe aus der Apotheke verwenden (Linderung von Juckreiz)

Das Problem bei Afterleiden allgemein – auch bei einem Analekzem: Man kann die betroffene Stelle nur schwer selbst begutachten und die Symptome eines vermeintlichen Ekzems am After analysieren. Aus diesem Grund sollten Sie bei Beschwerden am besten einen Arzt aufsuchen, besonders, wenn der Juckreiz unerträglich wird oder Sie sogar Blut auf dem Toilettenpapier feststellen (dann handelt es sich oftmals um eine andere Erkrankung wie Hämorrhoiden oder im schlimmsten Fall Darmkrebs). Außerdem empfiehlt sich auch dann der Besuch beim Experten, wenn Sie trotz der oben beschriebenen Methoden keine Besserung des Analekzems erkennen oder alternativ um die Dauer der Heilung generell zu verkürzen.

Keine Angst vor dem Proktologen!

Erster Ansprechpartner für Ihre Leiden im und um den After herum ist (neben dem Hausarzt) der Proktologe, ein Spezialist auf dem Gebiet des Analbereichs und Enddarms. Er betrachtet die betroffene Stelle und kann eine eindeutige Diagnose stellen. Zudem weiß er genau, wie sich ein Analekzem effektiv behandeln lässt. Selbst, wenn die Untersuchung nicht angenehm ist, in der Regel bleibt sie schmerzfrei und geht meist schneller vorüber als gedacht. Neben dem Proktologen hilft Ihnen übrigens auch zum Beispiel ein Gastroenterologe (Experte für den gesamten Magen-Darm-Bereich) weiter.

Zusammen mit einem Fachmann lässt sich die Ursache für die Entstehung eines Ekzems am After erörtern, um Folgeerkrankungen zu verhindern. Denn: Die Dauer der Heilung eines Analekzems beträgt für gewöhnlich wenige Tage bis Wochen, allerdings kann es sich bei Nicht-Behandlung auch zu einer chronischen Form entwickeln.

Unterscheidung: Analekzem oder Hämorrhoiden

Ein Ekzem am After oder doch Hämorrhoiden? Einem Laien fällt die Unterscheidung schwer. Beide Analbeschwerden können jucken und brennen, wobei ein Indiz für ein Analekzem besonders starker Juckreiz als Symptom ist. Um auf Nummer sicher zu gehen und das Analekzem korrekt zu behandeln, empfiehlt sich immer der Gang zum Arzt. An folgenden Unterscheidungsmerkmalen lässt sich eventuell selbst eine Einschätzung tätigen:

AnalekzemHämorrhoiden
Lageaußen im Umkreis des Anusinnerhalb des Anus; größere auch außerhalb
Schmerzennein, aber starker Juckreizhauptsächlich im fortgeschrittenen Stadium
Blutungneinja, leichte Blutung möglich

Auch veränderte Hämorrhoiden sollten Sie umgehend therapieren, da sie sich sonst weiter vergrößern und unter Umständen Probleme bereiten. Beispielsweise können Sie dann platzen, sodass ein Infektionsrisiko besteht. Zögern Sie also nicht zu lange, um einen Termin mit einem Experten zu vereinbaren – egal, ob bei Hämorrhoiden (wie ein Hämorrhoidalleiden im Volksmund auch genannt wird), einem Ekzem am After oder einer anderen Analbeschwerde.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin