Ekzem am After nicht mit Hämorrhoiden verwechseln

27. August 2019
10 Min.

Viele Menschen denken, dass ein Ekzem am After die Folge mangelnder Hygiene ist. Das muss allerdings nicht sein, denn die Ursachen unterscheiden sich je nach Typ sehr stark. Warum das Analekzem entsteht, welche Symptome neben enormem Juckreiz noch damit einhergehen und wie Sie es von Hämorrhoiden unterscheiden, lesen Sie im Folgenden.

Person mit Analekzem ist beim Arzt


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Analekzem – Definition und Symptome

Bei einem Afterekzem handelt es sich um eine akute oder chronische Entzündung der Analschleimhaut (Anoderm), die sich um die Afteröffnung beziehungsweise im unteren Teil des Analkanals befindet.

Ein Ekzem – warum ausgerechnet am Po?

Die Analregion ist deshalb anfällig für Entzündungen, da dort ständig Haut auf Haut reibt. Wenn wir schwitzen, staut sich zudem Sekret aus den Schweißdrüsen in der Analfalte. So ist schnell ein feuchtes Klima geschaffen, das Analekzeme begünstigt.


Das Ekzem am After, auch perianales Ekzem genannt, äußert sich in Form einer Reihe typischer Symptome. Diese sind:

  • flächenhafter, unscharf begrenzter rosa bis rötlicher Bereich
  • starker Juckreiz
  • Brennen
  • oberflächliches Nässen
  • Schmerzen bei Berührung
  • Bläschenbildung
  • schuppig veränderte Analhaut
  • Wundsein
  • gelegentlich Blutspuren am Toilettenpapier

Besonders der Juckreiz stellt für viele Patienten eine enorme Belastung dar. Betroffenen fällt es häufig schwer, diesem zu widerstehen. Deswegen kratzen sie die Stelle intensiv, was die Symptome des Analekzems verschlimmert oder gar zu wiederholten Blutungen führt.

Aufgrund einer ähnlichen Symptomatik sind unter anderem folgende Erkrankungen auszuschließen:

  • Psoriasis inversa (Schuppenflechte in der Gesäßfalte)
  • anale Kandidose (Pilzinfektion)
  • flache Feigwarzen
  • Erythrasma (bakterielle Hautinfektion)

Die Ursachen sind vielfältig

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Typen des Ekzems am After. Jeder Form liegen andere Ursachen zugrunde.

Allergisches Analekzem

Bei circa 40 Prozent der Analekzeme liegt eine Kontaktallergie (Berührung mit einem allergieauslösenden Stoff) zugrunde. 1 Das bedeutet, Auslöser sind zum Beispiel Duftstoffe wie in Weichspülern, Waschmitteln, Intimsprays, Duschgels oder Inhaltsstoffe in feuchtem oder gefärbtem Toilettenpapier. Auch Substanzen in Form von Cremes oder Salben, die im Analbereich zum Einsatz kommen, können die Hautentzündung auslösen. Die Haut spricht übrigens häufig nicht unmittelbar auf die beispielhaft genannten Fremdstoffe an. Nicht selten werden Produkte jahrelang angewendet, bevor es zu einer allergischen Reaktion kommt.2

Irritativ-toxisches Analekzem

Die Haut reagiert auf sogenannte Irritanzien wie fäkulente Feuchtigkeitsabsonderungen, die sich in der Pofalte und Afterumgebung sammeln. Beispielsweise handelt es sich dabei um Analsekrete aus Analfisteln, vergrößerten Hämorrhoiden oder dem Darm — unter anderem bei Menschen, die an chronischem Durchfall leiden.

Atopisches Analekzem

Dies ist eine Form der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung Neurodermitis, also eine Überempfindlichkeitsreaktion der Haut. Grund hierfür sind unter anderem Inhaltsstoffe sowohl in Kosmetika wie Seifen und Salben als auch in Lebensmitteln (Zitrusfrüchte, scharfe Gewürze). Doch es gibt weitere Gründe, die mitunter ein atopisches Analekzem nach sich ziehen, an dem circa ein Drittel der Patienten leidet:1 übertriebene oder mangelnde Hygiene sowie Reizungen beispielsweise beim Radfahren und durch Schwitzen.

Gibt es auch psychosomatische Ursachen?

Das Analekzem, welches multifaktoriell, also durch viele Einflüsse bedingt ist, wird eng gefasst nicht zu den spezifischen psychosomatischen Krankheitsbildern gezählt.3 Trotzdem hat sich in der Praxis gezeigt, dass auch bei dieser Hauterkrankung psychosoziale Faktoren wie Stress nicht unbedeutend sind, da diese das Analekzem hervorrufen, verschlimmern oder am Abheilen hindern können.4

Merke:

Ein Analekzem ist keine eigenständige Erkrankung, sondern die Folge von Veränderungen, beispielsweise

  • dermatologischer (die Haut betreffend),
  • allergologischer oder
  • proktologischer (den Enddarm und die Analöffnung betreffend) Art.

Die Ursachenforschung sollte daher wichtiger Bestandteil der ärztlichen Untersuchung sein. Denn nur, wenn der Auslöser bekannt ist, kann das wiederholte Auftreten des Ekzems am After verhindert und die Beschwerden richtig behandelt werden.

Keine Angst vor dem Proktologen!

Das Problem bei Afterleiden allgemein – auch bei einem Analekzem: Patienten können die betroffene Stelle nur schwer selbst begutachten und die Symptome eines vermeintlichen Ekzems am After analysieren.

Es gibt viele Gründe, warum Ihnen der Gang zum Arzt ans Herz gelegt sei:

  • Nicht immer ist es ein Analekzem: Wird der Juckreiz unerträglich oder stellen Sie sogar Blut auf dem Toilettenpapier fest, handelt es sich oftmals um eine andere Erkrankung wie ein Hämorrhoidalleiden oder im schlimmsten Fall Darmkrebs. Bedenken Sie: Je eher es eine ärztliche Diagnose gibt, desto früher kann eine zielgerichtete Behandlung in die Wege geleitet werden.
  • Ursachenforschung betreiben: Nutzen Sie den Arztbesuch dazu, zusammen mit einem Fachmann die Ursache für die Entstehung eines Ekzems am After zu ermitteln, um Folgeerkrankungen zu verhindern.
  • Aus akut wird mitunter chronisch: Die Dauer der Heilung eines Analekzems ist unter anderem abhängig von der eventuell bestehenden Grunderkrankung und beträgt für gewöhnlich wenige Tage bis Wochen. Allerdings kann es sich bei Nicht-Behandlung auch zu einer chronischen Form entwickeln.

Erster Ansprechpartner für Ihre Leiden im und um den After herum ist (neben dem Hausarzt) der Proktologe. Ein Spezialist auf dem Gebiet des Analbereichs und Enddarms.

Bei einem Termin folgt auf die Anamnese (Arztgespräch) die rektale Untersuchung sowie eine Proktoskopie, eine Afterkanalspiegelung. Dabei führt der Spezialist ein starres Instrument mit Lichtquelle in den Afterkanal ein. Die Untersuchung ist weitestgehend schmerzfrei für den Patienten. Eventuell hält der behandelnde Arzt auch einen Abstrich für sinnvoll, der zur mikrobiologischen Untersuchung ins Labor geschickt wird.5

Die Therapie: So lässt sich ein Analekzem behandeln

Der Facharzt verschreibt Salben oder Pasten, häufig zinkhaltig, um die betroffenen Stellen zu behandeln. Ist das Analekzem sehr ausgeprägt, muss unter Umständen kurzfristig, das heißt 2 bis 3 Wochen, mit kortikoidhaltigen Salben therapiert werden.6 Hierbei kann es bei längerer Verwendung zum Wirkungsverlust kommen, aber auch zu Nebenwirkungen wie einem Gewebeschwund der Analhaut. Möglicherweise wird zusätzlich auch ein bakterieller oder mykologischer Abstrich durchgeführt. Damit lassen sich dem Analekzem ähnliche, durch Bakterien oder Pilze verursachte Krankheitsbilder wie eine perianale Candidose (Pilzerkrankung in der Umgebung des Afters) feststellen. In diesen Fällen behandelt der Experte mit Medikamenten, die Wirkstoffe gegen diese Erregerarten enthalten.

Ist das Analekzem die Folge von vergrößerten Hämorrhoiden, müssen diese umgehend behandelt werden. Das können Sie selbst tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen:

  • Achten Sie auf Ihre Analhygiene. Wenn möglich, reinigen Sie den Analbereich ausschließlich mit Wasser (beim Duschen und nach dem Stuhlgang).
  • Verzichten Sie auf kosmetische Produkte und parfümiertes und/oder feuchtes Toilettenpapier. Geben Sie nach dem „großen Geschäft“ Öl (beispielsweise Kokos- oder Olivenöl) auf das Toilettenpapier, um die Stuhlreste schonender zu entfernen.
  • Vermeiden Sie Reibung durch enge Unterwäsche, Slipeinlagen oder beim Benutzen von Toilettenpapier nach dem Stuhlgang.
  • Bevorzugen Sie Unterwäsche aus Baumwolle. Synthetische Materialien sind weniger atmungsaktiv, vermehrtes Schwitzen somit die Folge.
  • Legen Sie eine Kompresse in die Analfalte, damit diese Körperstelle trocken bleibt.
  • Führen Sie Sitzbäder durch, beispielsweise mit Eichenrinde.

So bereiten Sie das Sitzbad zu

  • Kochen Sie 1 Liter Wasser mit 2 Gramm Eichenrinde (erhältlich in der Apotheke) auf.
  • 15 Minuten köcheln lassen, Eichenrinde abseihen und den Sud abkühlen lassen.
  • Die optimale Temperatur beträgt zwischen 32 und 35 Grad Celsius.
  • Maximal 15 Minuten sind ausreichend für das Sitzbad.1

Und warum hilft Eichenrinde eigentlich? Sie lindert Entzündungen und den Juckreiz.

Unterscheidung: Analekzem oder Hämorrhoiden

Ein Ekzem am After oder doch Hämorrhoiden? Einem Laien fällt die Unterscheidung schwer. Beide Analbeschwerden können jucken und brennen, wobei ein Indiz für ein Analekzem besonders starker Juckreiz als Symptom ist. Um auf Nummer sicher zu gehen und das Analekzem korrekt zu behandeln, empfiehlt sich immer der Gang zum Arzt. An folgenden Unterscheidungsmerkmalen lässt sich eventuell selbst eine Einschätzung tätigen:

AnalekzemHämorrhoiden
Lageaußen im Umkreis des Anusinnerhalb des Anus; größere auch außerhalb
Schmerzennein, aber starker Juckreizhauptsächlich im fortgeschrittenen Stadium
Blutungmöglich bei vermehrtem Kratzenja, leichte Blutung möglich

Auch veränderte Hämorrhoiden sollten Sie umgehend therapieren, da sie sich sonst weiter vergrößern und unter Umständen Probleme bereiten.

Monika Hortig
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Julia Lindert
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