Stuhlschmieren: Ursachen und Behandlung

20. August 2019
8 Min.

Umgangssprachlich ist die Rede von Bremsspuren, wenn etwas Kot die Unterwäsche beschmutzt hat. Zum Stuhlschmieren – also unkontrolliertem Verlust kleiner Mengen an Stuhl – kommt es oftmals durch veränderte Hämorrhoiden. Doch warum genau? Wir verraten es Ihnen!

Mann auf Toilette mit Spuren von Stuhlschmieren in der Unterwäsche.


Im Überblick:

Stuhlschmieren – was ist das?

Die Beschwerde ist keine Erkrankung. Von Stuhlschmieren sprechen Ärzte, wenn ein wenig Kot (oft breiiger oder flüssiger Stuhl) ungewollt aus dem After tritt.1 Diese Unannehmlichkeit lässt sich jedoch nicht mit einer Stuhlinkontinenz (Stuhlhalteschwäche) gleichsetzen – auch, wenn hier ebenfalls Kot austritt.

Im Vergleich zur Stuhlinkontinenz, wo die Schließmuskeln nicht mehr richtig funktionieren, handelt es sich beim Stuhlschmieren um eine sensorische Kontinenzstörung (Reize werden schlechter wahrgenommen). Denn es ist die Folge einer gestörten Feinabdichtung und/oder unsensiblen Enddarmschleimhaut.2

Aufgaben von Schließmuskeln und Co.

Damit der Stuhl den Organismus nicht ungewollt verlässt, müssen unterschiedliche Körperteile zusammenarbeiten. Zum einen ist der Schließmuskel essenziell. Dieser besteht aus drei Muskeln:

  • äußerer Schließmuskel (willentlich anspannbar sowie bei gewünschter Stuhlentleerung lockerbar)
  • innerer Schließmuskel (hält unbeeinflussbar den Kot zurück)
  • Afterhebermuskel (ist Teil der Beckenbodenmuskulatur und formt eine trichterartige Abgrenzung der Enddarmbestandteile; nur indirekt beteiligt an der Schließmuskelfunktion)

Zum anderen spielt die Schleimhaut des Enddarms eine wichtige Rolle. Sie signalisiert dem Gehirn über Nerven, dass der maximale Kotfüllstand bald erreicht ist. Zu guter Letzt gewährleisten die Hämorrhoiden (Gefäßpolster im After) die Feinabdichtung des Stuhls.2

Zusammenhang von Stuhlschmieren und Hämorrhoiden

Große Hämorrhoiden können ein Grund für Stuhlschmieren sein. Doch warum? Weil veränderte Gefäßpolster – wie sie bei einem Hämorrhoidalleiden in Erscheinung treten – oft die Feinabdichtung des Anus einschränken.

Je größer die Hämorrhoiden werden, desto eher können sie sich entzünden und Sekret (Körperflüssigkeit, die unter anderem bei Entzündungsreaktionen entsteht) absondern. Dieses gelangt dann nach und nach aus dem Analkanal und nimmt dabei nicht selten Stuhl mit auf, der dann als Verschmutzung in der Unterwäsche vorzufinden ist.

Aha!

Ein Hämorrhoidalleiden lässt sich in vier verschiedene Grade einteilen. Bei vergrößerten Gefäßpolstern ersten Grades ist die Wahrscheinlichkeit für Stuhlschmieren geringer als zum Beispiel bei welchen im dritten Stadium.




Einen Hinweis darauf, dass Hämorrhoiden die Ursache Ihres Stuhlschmierens sein könnten, geben unter anderem Symptome wie Jucken und Brennen im Analbereich sowie das Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.




Rektumprolaps – ein weiterer möglicher Grund

Stuhlschmieren entsteht manchmal auch durch einen Rektumprolaps. Dabei ragen sämtliche Schichten des Mastdarms (Dickdarmabschnitt, der einen Teil des Grimmdarms mit dem After verbindet) aus dem Anus. Auslöser kann eine Stuhlentleerung sein. Genau wie bei vergrößerten Hämorrhoiden kommt es bei Patienten hierdurch zu einer schlechteren Feinabdichtung.

Zu den Betroffenen gehören öfter Frauen als Männer. Meist sind sie zwischen 20 und 30 Jahre alt. Aber auch in der Gruppe der über 50-Jährigen ist das Risiko eines Rektumprolaps erhöht.4 Die Ursachen des Vorfalls sind bisher noch ungeklärt. Vermutlich ist jedoch eine Befestigungsschwäche des Mastdarms dafür verantwortlich.3

Was hilft bei Stuhlschmieren?

Sie beobachten Stuhlschmieren bei sich? Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:



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Gehen Sie zum Arzt

Wenn unkontrolliert Stuhl aus Ihrem Analkanal tritt, ist das meist unangenehm. Jedoch sollten Sie keine Scham davor haben, diese Beschwerde von einem Mediziner abklären zu lassen. Ein Experte erkennt, ob es sich um eine echte Stuhlinkontinenz oder Stuhlschmieren handelt.

Im Falle, dass veränderte Hämorrhoiden für letzteres verantwortlich sind, lohnt es sich, diese möglichst früh diagnostizieren zu lassen. Denn umso kleiner sie noch sind, desto einfacher lassen sich Maßnahmen ergreifen, um deren weitere Vergrößerung einzudämmen und die Symptome beispielsweise mit Salben und Cremes zu lindern.

Stuhlschmieren: Welcher Arzt ist der richtige?

Erster Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt. Dieser überweist Sie bei Bedarf an einen Proktologen (Experte in Sachen Enddarm- und Anus-Beschwerden).

Trainieren Sie Ihre Muskeln

Wenn Sie etwas gegen Ihr Stuhlschmieren unternehmen möchten, so versuchen sie es doch einmal mit einem Schließmuskeltraining. Auch wenn es die eigentliche Ursache nicht behebt, trägt es manchmal zu einer Besserung bei. Besonders dann, wenn Sie öfter ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung haben. Denn in diesem Fall neigen viele Menschen dazu, auf der Toilette stark zu pressen, wodurch die Schließmuskeln ausleiern können und sich das Problem verstärkt.

Ein Schließmuskeltraining führen Sie während des Toilettengangs wie folgt durch:

    1. Kneifen Sie Ihren After fest zusammen.
    2. Ziehen Sie Ihre Schließmuskeln in Richtung Körpermitte ein.
    3. Halten Sie die Muskelspannung für drei bis fünf Sekunden lang.
    4. Lassen Sie alles locker (dabei nicht pressen).

Es empfiehlt sich, die beschriebenen Schritte drei bis vier Mal hintereinander durchzuführen. Der beste Moment für den Übungsstart ist, nachdem das erste bisschen Kot abgesetzt wurde – Abwischen sollte nach der Übung erfolgen.4

Darum lohnt sich eine gute Hygiene

Ausgetretener Kot, wie er beim Stuhlschmieren auftritt, reizt in der Regel die Afterhaut. Unter Umständen so sehr, dass er bei einigen Patienten ein Analekzem (chronische oder akute Entzündung am Anus), mit sich bringt.

Damit es nicht soweit kommt, ist es für Betroffene ratsam, den Analbereich nach dem Stuhlgang mit Wasser zu reinigen. Eine bewährte Methode dafür bietet ein Bidet – ein spezielles Sitzwaschbecken. Ein feuchtes, weiches Tuch – ohne Parfüme und künstliche Zusatzstoffe – kann alternativ hergenommen werden. Zudem sollten Sie beim Abtrocknen beziehungsweise generell beim Abwischen besonders sanft vorgehen, um Wunden, die zu Entzündungen führen können, zu vermeiden.

Weitere Tipps

Wenn Sie dafür sorgen wollen, dass kleinere Kotmengen nur möglichst kurz mit Ihrer Afterhaut in Berührung kommen, lohnt es sich meist, Ersatzunterwäsche zum Wechseln dabei zu haben. Zudem können Sie auch auf Inkontinenz-Einlagen (in der Apotheke erhältlich) setzen. Sie ähneln den saugfähigen Binden, die Frauen während ihrer Periode anwenden. Ist die Einlage auf Ihrer Unterwäsche beschmutzt worden, können Sie sie auf der Toilette gegen eine neue austauschen.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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