OP nach Longo – zur Behandlung von Hämorrhoiden

29. Oktober 2018
11 Min.

Hämorrhoidengeplagte greifen häufig zunächst auf Medikamente zurück und bei leichten Beschwerden ist das in aller Regel auch ausreichend. Werden Hämorrhoiden aber zu einem länger andauernden Problem und vergrößern sich die Gefäßpolster zunehmend, ist mit einem Facharzt über eine operative Maßnahme zu sprechen. Als sehr effektive Methode hat sich die nach ihrem Entwickler benannte Longo-OP erwiesen. Lesen Sie, wie genau die Operation abläuft.

Für den operativen Eingriff der Stapler-Hämorrhoidopexie wird eine Patientin in Narkose gelegt

Ablauf der OP nach Longo

Bevor eine OP nach Longo zur Behandlung von krankhaft vergrößerten Hämorrhoiden stattfindet, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Operation kann nur bei einem Hämorrhoidalleiden dritten Grades durchgeführt werden, das heißt, die Gefäßpolster treten beim Pressen nach außen, sind aber mit dem Finger zurückdrückbar. Die noch mögliche Bewegbarkeit ist erforderlich, weil das Gewebe für das Gelingen des Verfahrens im Analbereich in eine bestimmte Position zu bringen ist.
  • Es sollte sicher möglich sein, den Patienten in Narkose zu versetzen beziehungsweise eine Lumbalanästhesie (eine rückenmarknahe Form der Regionalbetäubung) machen zu können. Patienten mit starkem Übergewicht, herz- und lungenkranke sowie ältere Menschen gehören zu den Risikopersonen.
  • Nimmt der zu Behandelnde blutverdünnende Medikamente, sind diese mindestens drei Tage vorher abzusetzen.1 Am Tag der Operation wird mit einem kleinen Blutbild sichergestellt, dass keine Blutgerinnungsstörung vorliegt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Blutungen nicht gestillt werden können.
  • Ein kleiner Einlauf sorgt für einen gereinigten Enddarm, eine komplette Darmspülung hingegen ist nicht notwendig.

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Nachdem der Patient und dessen Analbereich optimal vorbereitet wurde, kann die OP nach der Longo-Methode beginnen. Wichtig ist die exakte Durchführung der einzelnen Operationsschritte, um die Risiken von postoperativen Beschwerden oder gar Schmerzen so gering wie möglich zu halten.

    Glossar zur Longo-OP:

  • Circular-Anal-Dilator mit Obturator: Transparenter Kunststoffzylinder/-trichter (Analspeculum) mit zirkulär angelegten Aussparungen; ein Obturator ist ein Apparat zum Verschließen sowie besserem Einführen des Dilators und Verdrängen des überschüssigen Hämorrhoidalgewebes.
  • Tabaksbeutelnaht: Chirurgische Naht, bei der eine schlaufenförmige Fadenreihe um eine Öffnung gezogen wird, um diese dann durch Anziehen der Fadenenden zu verschließen.
  • Tabaksbeutelnaht-Anoskop: Zigarrenförmiges, hohles Instrument, das mittels einer Öffnung an der Seite eine Inspektion und Operation (zum Beispiel das Setzen einer Tabaksbeutelnaht) im Analkanal ermöglicht.
  • Zirkular Stapler (Heftmaschine): Rundschneide- und Klammernahtinstrument, das in einem Schritt rundum einen Streifen Schleimhaut herausschneidet und die verbleibende durch Titanklammern gewissermaßen „zusammentackert“.

Schritt 1 der Longo-OP

Der zu behandelnde Patient liegt entweder auf dem Bauch oder im Steinschnitt auf dem Rücken (Position, wie sie vom Gynäkologen bekannt ist: die Person liegt zurückgelehnt im Stuhl, die gespreizten Beine um 90 Grad angewinkelt und auf Stützen gelagert). Die Operation erfolgt über den After – was jedoch auch zur Folge hat, dass dieser für eine einfachere Behandlung durch den Arzt geweitet werden muss.

Der Mediziner führt mit Gleitmittel einen sogenannten Circular-Anal-Dilator in den After ein und dehnt damit vorsichtig den Analkanal. Gleichzeitig werden die krankhaft vergrößerten Hämorrhoiden zurückgeschoben.

Das Instrument besteht aus zwei Teilen: Nachdem der Arzt den Inneren, den Obturator herausnimmt, bleibt ein durchsichtiger Kunststoffzylinder (Analspeculum) zurück, in welchen das hämorrhoidale Gewebe hineinfällt. Dieser Trichter ist mit Aussparungen versehen und wird mit Klemmen oder Nähten fixiert. Durch das transparente Material lässt sich die Linea dentata erkennen.

Linea… – wie bitte?!

Zwischen der unempfindlichen Schleimhaut des Mastdarms und der schmerzempfindlichen Haut des Afterkanals, etwa zwei Zentimeter über der Anusöffnung, befindet sich die sogenannte Linea dentata, ein Bereich mit zähnchenartigen Falten (dentata = „gezahnt“).2 Unterhalb dieser Linie liegt die hochsensible Analhaut, die eine Unterscheidung zwischen Gasen sowie weichem und festem Stuhl ermöglicht. Bei der Longo-OP ist die Linie eine wichtige Orientierungsmarke.

Schritt 2 der Longo-OP

Infografik zeigt den zweiten Schritt einer Longo-OP

Ein sogenanntes Tabaksbeutelnaht-Anoskop wird nun in den durchsichtigen Circular-Anal-Dilator (Trichter) eingeführt. Es handelt sich dabei um ein hohles Instrument mit einer über die gesamte Länge gehenden Aussparung an der Seite. In diesem Hohlraum hat der Operateur ausreichend Platz, gezielt am Hämorrhoidalpolster die einzelnen Schritte umzusetzen, überschüssiges Gewebe wird nach oben weggedrängt. Am oberen Rand der durchsichtigen Trichteröffnung entlang – dieser befindet sich etwas oberhalb der Linea dentata – zieht der Mediziner in regelmäßigen Abständen und auf gleicher Höhe ringsum, also zirkulär, die Tabaksbeutelnaht.

Dafür holt er das Anoskop nach jedem Stich heraus, dreht es ein Stückchen weiter und führt es wieder ein. Wenn er einmal rundherum die Naht angelegt hat, hängen die Enden des Fadens aus dem Trichter beziehungsweise dem Anus heraus und erlauben ein späteres Festziehen. Wichtig ist es, dass der operierende Arzt nicht zu tief sticht und möglicherweise Muskelmaße mit in die Naht einbindet. Dies hat ansonsten später schmerzhafte Folgen und kann die Stuhlhaltefähigkeit beeinträchtigen.

Schritt 3 der Longo-OP

Infografik zeigt den dritten Schritt einer Longo-OP

Das Tabakbeutelnaht-Anoskop ist aus dem durchsichtigen Trichter zu entfernen und durch den Stapler, dem Klammernahtgerät, zu ersetzen. Er ist komplett aufgedreht. Der obere Teil (quasi der Deckel mit Druckschnittkante) befindet sich dann über der gesetzten Naht und dem überschüssigen Hämorrhoidalgewebe. Als Verbindung zwischen diesem Deckel und einem dazugehörenden Behälter darunter gibt es eine Stange mit Einkerbung. Die ausgeweiteten Gefäßpolster werden durch Zug an den Nahtenden an diese Verbindungsstange des Staplers heran- beziehungsweise enger gezogen (auf Höhe der Einkerbung). Das Gewebe müsste somit an der Tabaksbeutelnaht entlang an der Stange straff anliegen und der Überschuss darunter locker nach unten in den Staplerbehälter fallen.

Dies ist wichtig, damit im nachfolgenden Schritt auch die gesamte vergrößerte und in den Analkanal hineinragende Schleimhaut bis auf die Basis abgetragen werden kann. Mithilfe eines Fadenführers zieht der Mediziner die Fadenenden durch die seitlich liegenden Kanäle des Klammernahtgeräts nach unten raus, sodass sie aus dem Anus heraushängen.

Schritt 4 der Longo-OP

Infografik zeigt den vierten Schritt einer Longo-OP

Der Mediziner knotet die Fadenenden der gezogenen Tabakbeutelnaht außen noch einmal zusammen und sichert so die Position des Gewebes. Der Stapler wird immer weiter zugedreht und behutsam in den Analkanal geschoben. Die vergrößerten Gefäßpolster ziehen sich durch den Zug an den Fäden in das Staplergehäuse hinein.





Schritt 5 der Longo-OP

Infografik zeigt den fünften Schritt einer Longo-OP

Der sich im Gehäuse des Staplers befindende Gewerbering wird durch das Schließen des Staplers und gleichzeitigem Zug an den Nähten herausgeschnitten. Auf engster Klammereinstellung setzt das Gerät mit einem Schuss rundum eine Klammernahtreihe, die unmittelbar die Schnittwunde schließt.

Der Arzt zieht den Stapler und durchsichtigen Trichter vorsichtig zusammen heraus. Danach erfolgt durch das abermals eingeführte Analspeculum die Inspektion der geschossenen Klammernaht. Wenn notwendig, umsticht der Operateur akute Blutungsstellen.

Das operative Ergebnis sollte eine korrekt platzierte Klammernahtreihe oberhalb der Linea dentata im unsensiblen Bereich des Mastdarms zeigen. Es befindet sich im Stapler-Behälter ein Ring aus dem vergrößerten Hämorrhoidalgewebe und der Schleimhaut. Im gleichen Zuge erfolgt eine Wiederherstellung der sensorischen, also Stuhlkonsistenz differenzierenden Fähigkeit des Analkanals.

Nachsorge und Langzeitverlauf der Longo-OP

Infografik zeigt das Ergebnis einer Longo-OP

Die OP nach Longo erfordert einen kurzen stationären Krankhausenthalt. Im Idealfall braucht es nach dem Eingriff keine besondere Nachbehandlung und der Patient sollte keinen Schmerz fühlen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich in den ersten postoperativen Tagen geringe Blutmengen im Stuhl finden lassen.

Spezielle Analhygienemaßnahmen sind auch nicht erforderlich. Es kann sofort wieder Nahrung aufgenommen werden und der Patient darf sich unmittelbar danach uneingeschränkt bewegen.

Bei korrekter Umsetzung der OP nach Longo ist mit einem jahrelang anhaltenden Erfolg zu rechnen. Dieser kann mit einer Anpassung des Verhaltens beibehalten werden: Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine sorgfältige Analhygiene und körperliche Bewegung.

Longo-OP vom Facharzt ausführen lassen

Es gibt verschiedene Fachärzte, an die Betroffene sich wenden oder von ihrem Hausarzt überwiesen werden können. Dazu zählen Dermatologen, Chirurgen, Urologen, Gynäkologen und Gastroenterologen. Wichtig ist auf jeden Fall die Zusatzbezeichnung „Proktologe“, diese Ärzte haben eine spezielle Ausbildung und sind Experten für den Enddarm sowie Analbereich.

Eine OP nach Longo wird wohl vor allem ein Chirurg ausführen. Die Operationstechnik erfordert überdurchschnittliche Erfahrung und Kompetenz. Denn der Mediziner hat nach dem Einführen des Staplers wenig Einsicht in den Analbereich und muss sehr genau bei der Nahtlegung agieren. Andernfalls kann es zu Schmerzen, Blutungen und Muskelverletzungen kommen. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt eingehend beraten und erklären, warum er dieses Verfahren bei Ihrem Hämorrhoidalleiden für am besten hält.

Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin