Bei Hämorrhoiden: Welcher Arzt ist der richtige?

29. Oktober 2018
8 Min.

Es juckt, es brennt und das Sitzen ist auch kaum mehr möglich: Viele Betroffene, die unter vergrößerten Hämorrhoiden leiden, gehen erst dann zum Arzt, wenn die Beschwerden unerträglich sind. Ein häufiger Grund: Die Scham davor, sich mit diesem Krankheitsbild einem Arzt vorzustellen ist zu groß – schließlich handelt es sich um eine sehr intime Stelle. Oft stellt sich Hämorrhoiden-Geplagten aber auch die Frage, welcher Arzt der richtige Ansprechpartner für ihr Problem ist. Wir klären auf.

Arztpraxis für Hämorrhoiden

Erste Hilfe bei Beschwerden – der Hausarzt

Grundsätzlich gilt: Sie können mit annährend jedem körperlichen Gebrechen als erstes zu Ihrem Hausarzt gehen. Auch wenn dieser kein Experte auf dem Gebiet der Proktologie (den Enddarm betreffend) ist, kann er sich mithilfe einer Anamnese einen ersten Eindruck über die Situation verschaffen.

Was ist die Anamnese?

Dabei handelt es sich um eine systematische Befragung – sie stellt sozusagen den Erstkontakt zwischen Arzt und Patient dar. Der Mediziner möchte durch gezielte Fragen unter anderem folgende Punkte abklären:

  • Symptome: Benennung, Lokalisation, Verlauf und Dauer von Beschwerden
  • Vorgeschichte: Vorerkrankungen, vergangene Operationen, eingenommene Medikamente, Allergien
  • vegetative Anamnese: Stuhlgang, Miktion (Wasserlassen), Appetit, Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Sozialanamnese: berufliche Situation, Familiengeschichte, körperliche Aktivität

Diese Punkte stellen nur eine kleine Auswahl der möglichen Informationen dar, die der Arzt während einer Anamnese einfordert.

Wenn Sie mit Ihrem Hämorrhoidalleiden (umgangssprachlich auch nur „Hämorrhoiden“) einen Hausarzt aufsuchen, wird er Sie in erster Linie zu Ihren Symptomen befragen und womöglich einen Blick auf die betroffene Stelle werfen. Sind die Beschwerden wie Schmerzen beim Sitzen, Nässen oder Jucken erträglich, kann Ihnen der Medizinier wahrscheinlich bereits weiterhelfen, indem er Ihnen eine spezielle Salbe verschreibt, die die Begleiterscheinungen von vergrößerten Hämorrhoiden lindert.

Bei stärkeren Beschwerden oder aber, wenn sich Ihr Arzt unsicher ist, ob es sich vielleicht doch um eine andere Analkrankheit handelt, überweist er Sie zur Diagnosestellung an einen Spezialisten. Dennoch: Falls Sie den Verdacht auf Hämorrhoiden haben und sich fragen, welcher Arzt Ihnen weiterhilft, kann der Hausarzt in jedem Fall die erste Anlaufstelle sein.

Der Experte: Ein Proktologe ist der richtige Ansprechpartner

Der Proktologe ist ein Experte auf dem Gebiet aller Belange im Bereich des Enddarms und Anus. Entweder überweist Sie der Hausarzt an den Fachmann, oder aber Sie haben bereits einen Proktologen zur Hand und vereinbaren bei ihm einen Termin.

Jetzt, da Sie wissen, welcher Arzt für Ihre vergrößerten Hämorrhoiden zuständig ist, fragen Sie sich sicherlich, wie eine Untersuchung beim Proktologen abläuft? Vorab die beruhigende Nachricht: Sie ist für gewöhnlich schmerzfrei. Außerdem müssen Sie sich für nichts schämen – der Mediziner arbeitet tagtäglich mit solchen und ähnlichen Fällen. Es ist für ihn also vollkommen normal.

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

Genau wie der Hausarzt führt auch der Proktologe zunächst eine Anamnese durch und befragt Sie zu Ihren Symptomen. Anschließend folgt die Untersuchung, die zum Beispiel in der Seitenlage stattfindet. Dann geht der Mediziner wie folgt vor:

  • Inspektion: Der Arzt betrachtet die vergrößerten Hämorrhoiden zunächst von außen. Er wird Sie auffordern, dabei zu pressen. Auf diese Weise sieht er selbst Exemplare, die nicht dauerhaft vor dem After liegen. Hierbei erkennt er außerdem, ob Sie nicht an anderen Analbeschwerden leiden, wie etwa einem Analekzem oder einem Analfibrom.
  • Palpation: Dabei handelt es sich um das Abtasten der Hämorrhoiden von innen. Der Fachmann schiebt einen Finger vorsichtig mithilfe von Gleitmittel in den Analkanal. Dadurch ist es ihm möglich, innen liegende, vergrößerte Hämorrhoiden zu erfühlen.
  • Proktoskopie: Um den Analkanal noch besser zu inspizieren, führt der Arzt ein sogenanntes Proktoskop mit Beleuchtung ein. Dieses etwa acht Zentimeter lange Rohr ermöglicht ihm einen besseren Blick auf den Analkanal und die Beschaffenheit der Hämorrhoiden. Die Proktoskopie wird auch Analspiegelung genannt.
  • Rektoskopie: Bei der Mastdarmspiegelung kontrolliert der Mediziner nicht nur den Bereich hinter dem Anus, sondern dringt etwas tiefer in den Mastdarm vor – jenen letzten Abschnitt des Dickdarms. Die Rektoskopie wird allerdings für gewöhnlich nicht bei Ihrem ersten Termin durchgeführt und kommt meist erst dann zum Einsatz, wenn der Proktologe Hämorrhoiden als Auslöser Ihrer Beschwerden ausgeschlossen hat (etwa bei Verdacht auf Darmkrebs).

Gut zu wissen bei Hämorrhoiden: Welcher Arzt hilft bei der Vorbeugung? Der Proktologe unterstützt Sie nicht nur bei der Behandlung Ihrer vergrößerten Hämorrhoiden, sondern darüber hinaus bei der Prävention eines erneuten Hämorrhoidalleidens. So kann er Ihnen hilfreiche Tipps für einen richtigen Stuhlgang sowie einer darmaktivierenden Ernährung geben. Denn: Verstopfung und Durchfall begünstigen mitunter die Entstehung von vergrößerten Hämorrhoiden.

Bei Hämorrhoiden zum Frauenarzt?

Frauen mit Beschwerden aufgrund von vergrößerten Hämorrhoiden stellen sich die Frage, welcher Arzt außer der Proktologe infrage kommt. Der Frauenarzt? Immerhin ist er ebenfalls ein Experte für „untenherum“. Die Antwort: Der Gynäkologe ist für gewöhnlich kein Fachmann für Probleme wie ein Hämorrhoidalleiden. Aber da insbesondere Schwangere sehr häufig an vergrößerten Hämorrhoiden leiden, wird Ihnen der Frauenarzt wahrscheinlich dennoch weiterhelfen können. Er empfiehlt Ihnen eine Behandlung zum Bespiel in Form von Salben. Ist es ihm nicht möglich, die Hämorrhoiden als Ursache für Ihre Symptome auszumachen, überweist Sie der Gynäkologe ohnehin an einen Experten – auch dann, wenn die vergrößerten Hämorrhoiden stark behandlungsbedürftig sind und eventuell eines chirurgischen Eingriffs bedürfen.

Weitere Anlaufstellen bei Hämorrhoiden: Welcher Arzt hilft noch?

Neben einem Proktologen gibt es eine Reihe von anderen Experten, die ebenso Fachwissen auf diesem Gebiet besitzen. Dazu gehören Gastroenterologen (spezialisiert auf den Magen-Darm-Bereich) oder allgemein Ärzte für Innere Medizin sowie Chirurgie. Achten Sie bei der Suche nach einem Fachmann auf den Zusatz „Proktologe“. Dann können Sie sich sicher sein, dass der Arzt der richtige Ansprechpartner ist.

Krankschreibung wegen Hämorrhoiden?

Sind die Beschwerden des Hämorrhoidalleidens so groß, dass Sie Ihren normalen Arbeitsalltag nicht bestreiten können, empfiehlt sich durchaus eine Krankschreibung. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie eine sitzende Tätigkeit ausüben, aber das Sitzen auf Ihrem Bürostuhl aufgrund von starken Schmerzen nicht mehr beschwerdefrei möglich ist und auch ein spezielles Hämorrhoiden-Kissen keine Linderung schafft. Außerdem werden Sie nach einer operativen Entfernung der vergrößerten Hämorrhoiden in der Regel für einige Tage krankgeschrieben.

Monika Hortig
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!