Hämorrhoiden: Welcher Arzt ist der richtige?

29. Oktober 2018
11 Min.

Es juckt, es brennt und das Sitzen ist auch kaum mehr möglich: Viele Betroffene, die unter vergrößerten Hämorrhoiden leiden, warten sehr lange, bis sie einen Arzt aufsuchen. Ein häufiger Grund: Die Scham, sich mit diesem Krankheitsbild einem Arzt vorzustellen, ist zu groß – schließlich handelt es sich um eine sehr intime Stelle. Auch wenn die Untersuchungen unangenehm erscheinen: Zögern Sie den Arztbesuch nicht zu lange hinaus, vor allem im Anfangsstadium kann ein Hämorrhoidalleiden gut und ohne Operation behandelt werden. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der gegebenenfalls an einen Facharzt überweist.

Arzt stellt einer Frau eine Hämorrhoiden-Diagnose


Überblick

Augen zu und durch! Termin vereinbaren

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Sicher kennen Sie dieses Sprichwort. Es gilt auch für die Notwendigkeit, mit Beschwerden bereitenden Hämorrhoiden (umgangssprachlich für Hämorrhoidalleiden) zum Arzt zu gehen. Treten Symptome auf, beispielsweise wenn der Darmausgang nässt, juckt, schmerzt oder brennt, kann es sich um Hämorrhoiden (gut durchblutete Gefäßpolster am Enddarmausgang) handeln, die krankhaft vergrößert sind.

Lassen die Beschwerden trotz Selbstbehandlung – beispielsweise mit speziellen Hämorrhoiden-Salben oder -Zäpfchen, die rezeptfrei in der Apotheke erworben werden können, – nicht zügig nach, sollten Betroffene spätestens nach vier Wochen ärztliche Hilfe suchen.1 Nicht aufgeschoben werden darf die Terminvereinbarung bei auftretenden Schleimabsonderungen, Blut auf dem Toilettenpapier oder auch auf dem Stuhl oder Stuhlunregelmäßigkeiten.1

Sie sind sich unsicher, ob vergrößerte Hämorrhoiden der Grund für Ihre Beschwerden wie Juckreiz sind? Letztendlich kann nur ein Mediziner einen finalen Befund stellen. Bitte vereinbaren Sie einen Termin beim Facharzt.

Die bloße Empfehlung ist noch nicht überzeugend? Darum ist eine frühzeitige Diagnosestellung so wichtig:

  • Je früher die Hämorrhoiden behandelt werden, desto unkomplizierter fällt die Therapie aus.
  • Unbehandelt werden vergrößerte Hämorrhoiden nicht von allein wieder kleiner. Der Schweregrad des Hämorrhoidalleidens kann sich sogar erhöhen.
  • Ersparen Sie sich mögliche Komplikationen von unbehandelten Hämorrhoiden wie eine Analfissur (Einriss der Afterschleimhaut) oder heftige Blutungen aus den Hämorrhoiden.
  • Je nach Größe können die veränderten Hämorrhoiden Betroffene in ihrem Alltag belasten und beispielsweise beim Sitzen auf dem Bürostuhl Schmerzen verursachen. Finden Sie sich damit nicht ab, lassen Sie sich behandeln und holen Sie sich so ein Stück Lebensqualität zurück.
  • Denken Sie immer daran: Etwa jeder Zweite über 30-Jährige leidet mindestens einmal im Leben an einem Hämorrhoidalleiden.2 Sie sind nicht allein und es ist somit auch für Ihren Arzt etwas Alltägliches.
  • Der Mediziner führt die Untersuchung der Hämorrhoiden behutsam durch, die Diagnosemethoden sind in der Regel schmerzfrei.
  • Beim ersten Termin ist eine Darmentleerung mittels abführend wirkender Mittel nicht notwendig.
  • Sind es wirklich Hämorrhoiden oder handelt es sich um andere Analbeschwerden wie etwa ein Analekzem, sprich eine akute oder chronische Entzündung der Analhaut? Für eine eindeutige Diagnose lautet die klare Empfehlung: Auf zum Arzt!

Zu welchem Arzt soll ich gehen?

Erste Anlaufstelle kann grundsätzlich immer der Hausarzt sein. Auch wenn dieser kein Experte auf dem Gebiet der Proktologie (den Enddarm betreffend) ist, kann er sich mithilfe einer Anamnese einen ersten Eindruck über die Situation verschaffen.

Was ist die Anamnese?

Dabei handelt es sich um eine systematische Befragung – sie stellt sozusagen den Erstkontakt zwischen Arzt und Patient dar. Der Mediziner möchte durch gezielte Fragen unter anderem folgende Punkte abklären:

  • Symptome: Benennung, Lokalisation, Verlauf und Dauer von Beschwerden
  • Vorgeschichte: Vorerkrankungen, vergangene Operationen, eingenommene Medikamente, Allergien
  • vegetative Anamnese: Stuhlgang, Miktion (Wasserlassen), Appetit, Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Sozialanamnese: berufliche Situation, Familiengeschichte, körperliche Aktivität

Diese Punkte stellen nur eine kleine Auswahl der möglichen Informationen dar, die der Arzt während einer Anamnese einfordert.

Wenn Sie mit Ihrem Hämorrhoidalleiden (umgangssprachlich auch nur „Hämorrhoiden“) einen Hausarzt aufsuchen, wird er Sie in erster Linie zu Ihren Symptomen befragen und womöglich einen Blick auf die betroffene Stelle werfen. Sind die Beschwerden wie Schmerzen beim Sitzen, Nässen oder Jucken erträglich, kann Ihnen der Medizinier wahrscheinlich bereits weiterhelfen, indem er Ihnen spezielle Salben oder Zäpfchen verschreibt, die die Begleiterscheinungen von vergrößerten Hämorrhoiden lindern.

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Bei stärkeren Beschwerden oder aber, wenn sich Ihr Hausarzt unsicher ist, ob es sich vielleicht doch um eine andere Analkrankheit handelt, überweist er Sie zur Diagnosestellung und Behandlung an einen Spezialisten. Dennoch: Falls Sie den Verdacht auf Hämorrhoiden haben und sich fragen, welcher Arzt Ihnen weiterhilft, kann der Hausarzt in jedem Fall die erste Anlaufstelle sein.

Weitere Anlaufstellen bei Hämorrhoiden: Welcher Arzt hilft noch?

Neben einem Proktologen, der auf Erkrankungen des Enddarms sowie Analbereichs spezialisiert ist, gibt es eine Reihe von Experten, die ebenso Fachwissen auf diesem Gebiet besitzen. Dazu gehören

  • Gastroenterologen (beschäftigen sich mit dem gesamten Magen-Darm-Trakt und der Leber) und
  • Ärzte für Innere Medizin sowie Chirurgie.

Achten Sie bei der Suche nach einem Fachmann auf den Zusatz „Proktologe“. Dann können Sie sich sicher sein, dass der Arzt die entsprechende Zusatzausbildung hat und der richtige Ansprechpartner für die Therapie ist.

So erfolgt die Diagnose

Nachdem Sie eine Überweisung vom Hausarzt bekommen oder Sie sich direkt an einen Proktologen gewandt haben, fragen Sie sich sicherlich, was Sie bei der Untersuchung erwartet?

Anamnese (Krankheitsgeschichte)

Genau wie der Hausarzt führt auch der Proktologe zunächst eine Anamnese durch. Bei der systematischen Patientenbefragung möchte er alles über Ihre Beschwerden, den Stuhlgang, Ihre Lebensgewohnheiten und Krankheitsgeschichte erfahren. Er wird wissen wollen, ob Sie bereits in der Vergangenheit an Hämorrhoiden oder Darmkrankheiten gelitten haben und ob Sie Medikamente einnehmen.

Inspektion (Anschauen)

Nach dem Anamnesegespräch machen Sie sich für diese Untersuchung untenherum frei, damit der Arzt die vergrößerten Hämorrhoidalknoten zunächst von außen betrachten kann.

Es gibt drei mögliche Untersuchungspositionen:

  • Linksseitenlage: Sie legen sich auf der Behandlungsliege auf die linke Seite und winkeln die Beine an.
  • Knie-Ellbogen-Lage: Hierbei knien Sie, wobei die Ellbogen auf der Liege abgelegt und der Po nach oben gestreckt ist.
  • Steinschnittlage: Sie machen es sich in einem speziellen Untersuchungsstuhl (ähnlich dem beim Frauenarzt) bequem. Dabei liegen Sie auf dem Rücken, die Beine befinden sich in höher gelegenen Stützen und sind angewinkelt.

Häufig wird die für den Patienten entspannte Seitenlage bevorzugt. Der Arzt fordert Sie zunächst auf, wie beim Stuhlgang zu pressen. Auf diese Weise sieht er selbst Gefäßknoten, die nicht dauerhaft vor dem After liegen.

Gut zu wissen:

Anschauen alleine reicht (leider) nicht. Um die Diagnose „Hämorrhoidalleiden“ zu stellen, muss eine rektale Austastung und Proktoskopie (Afterspiegelung) des Analkanals stattfinden.3



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Palpation (Tastuntersuchung)

Bei der anschließenden Rektal-Palpation ertastet der Arzt die Hämorrhoiden. Dafür streift er sich einen Handschuh über und führt mithilfe eines Gleitgels einen Finger in den Mastdarm ein. Auf diese Weise ist es ihm möglich, Hämorrhoiden ab dem zweiten Grad zu ertasten4; Hämorrhoiden ersten Grades lassen sich noch nicht erspüren, da sie zu weich sind.

Bleiben Sie bei der analen Untersuchung ganz entspannt, sie ist schmerzfrei und geht schnell vorüber. Hat der Patient starke Schmerzen – bei bestehenden Erkrankungen im Analbereich –, verwendet der Arzt gegebenenfalls ein leichtes Betäubungsmittel.

Proktoskopie (Afterspiegelung)

Um den Analkanal noch besser zu inspizieren, führt der Arzt ein sogenanntes Proktoskop mit Beleuchtung ein. Dieses etwa 8 bis 15 Zentimeter lange Rohr ermöglicht ihm einen besseren Blick auf den Analkanal, die Schleimhaut und die Beschaffenheit der Hämorrhoiden.5 Und auch hier gilt: Keine Panik, diese Untersuchung ist ebenfalls schmerzfrei und nach wenigen Minuten vorüber.6

Rektoskopie (Mastdarmspiegelung)

Wenn nicht die Hämorrhoiden schuld an Ihrem Leiden sind, leitet er weitere Untersuchungen wie etwa eine Rektoskopie ein, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Im Gegensatz zur Proktoskopie, bei der ein Einlauf zur Reinigung des Enddarms vor der Untersuchung gemacht werden kann, aber nicht zwingend muss, ist dieser Schritt bei der Rektoskopie notwendig.6 Bei dieser Diagnosemethode setzt der Facharzt entweder ein flexibles Endoskop oder ein starres, 20 bis 30 Zentimeter langes Rohr ein, das er über den After in den Mastdarm einführt.7 Der ebenfalls nur wenige Minuten dauernde Eingriff gilt als „nur selten schmerzhaft“.8 Eine Betäubung ist meist nicht erforderlich.

Gut zu wissen

Der Proktologe unterstützt Sie nicht nur bei der Behandlung Ihrer vergrößerten Hämorrhoiden, sondern darüber hinaus bei der Prävention eines erneuten Hämorrhoidalleidens. So kann er Ihnen hilfreiche Tipps für einen richtigen Stuhlgang sowie einer darmaktivierenden Ernährung geben. Denn: Verstopfung und Durchfall begünstigen mitunter die Entstehung von vergrößerten Hämorrhoiden.

Monika Hortig
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