Sind vergrößerte Hämorrhoiden schon bei Kindern möglich?

29. Oktober 2018
7 Min.

Hämorrhoiden verändern sich in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg, als Folge des natürlichen Alterungsprozesses oder ungünstiger Lebensgewohnheiten. Bei Kindern kommen vergrößerte Hämorrhoiden deshalb äußerst selten vor. Allerdings gibt es einige andere Erkrankungen im Analbereich, deren Symptome denen eines Hämorrhoidalleidens ähneln.

Kind mit Hämorrhoidalleiden auf der Toilette

Verstopfung kann Hämorrhoiden bei Kindern auslösen

Ein häufiger Auslöser für Hämorrhoiden ist Verstopfung. Die eigentlichen Ursachen sind jedoch eine ballaststoffarme Ernährung und Bewegungsmangel, zwei Faktoren, die das moderne Leben, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern, prägen. Nicht nur die „Großen“ sitzen heutzutage zu viel, ob am Schreibtisch, vor dem Computer oder Fernseher. Auch die „Kleinen“ verbringen ihre Freizeit zunehmend sitzend.

In der Hektik des Alltags ist es außerdem verführerisch, auf Fertiggerichte zurückzugreifen, sei es Pizza oder etwas Süßes. Stark verarbeitete Lebensmittel enthalten aber in der Regel wenige Ballaststoffe. (Viele Ballaststoffe sind hingegen in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten.) Fehlt es an diesen Wasser speichernden Pflanzenfasern, härtet der Stuhl bei der Verdauung zu sehr aus. Verhält sich der Darm aufgrund des Bewegungsmangels außerdem träge, wird der Stuhlgang zum Kraftakt. Das starke Pressen kann dann dazu führen, dass die Hämorrhoiden durch den After nach außen gedrückt werden.

Hämorrhoiden sind also eine typische Zivilisationserkrankung, an der auch immer mehr jüngere Menschen leiden. Selbst bei Kindern steigt das Risiko für ein Hämorrhoidalleiden an.

Hämorrhoiden: Wissenswertes für Groß und Klein

Ob Kind oder Erwachsener: Etwa jeder zweite Mensch hat einmal in seinem Leben hämorrhoidale Probleme. Doch woran liegt’s? Und was können Betroffene dagegen tun? Die Antworten liefert Prof. Dr. med. Klaus Günther im Interview.


Analfissur kommt häufiger vor als Hämorrhoiden bei Kindern

Blut im Stuhl hat bei Kindern dennoch meist andere Ursachen als Hämorrhoiden. Am häufigsten diagnostizieren Ärzte in solchen Fällen eine Analfissur, einen Riss am After. Dieser ist ebenfalls oft eine Folge von Verstopfung. Sammelt sich aufgrund einer verlangsamten Verdauung sehr viel Stuhl an und ist dieser hart und unnachgiebig, kann es passieren, dass die Öffnung des Schließmuskels nicht ausreicht und aufreißt.

Eine Analfissur ist sehr schmerzhaft, besonders während des Stuhlgangs. Nicht selten setzt sie einen Teufelskreis in Gang, bei dem Betroffene den Kot aus Angst vor Schmerzen zurückhalten, was die Verstopfung verschlimmert und die Verletzungsgefahr weiter erhöht.

Während Hämorrhoiden beim Kleinkind extrem selten sind, kann eine Analfissur auch schon beim Baby auftreten. Diese leiden häufiger an Verstopfung, weil sich die Verdauungsorgane erst nach und nach an feste Nahrung gewöhnen. Bei Kleinkindern führt manchmal auch schon ein überambitioniertes Toilettentraining zur Verstopfung.

Positives Toilettentraining beugt Hämorrhoiden beim Kleinkind vor

Das Toilettentraining ist für viele Eltern eine stressige Phase, besonders dann, wenn andere Kinder in der Umgebung vermeintlich schneller damit vorankommen. Negative Gefühle sind in dieser Situation jedoch kontraproduktiv. Jeder Mensch folgt seinem individuellen Entwicklungsweg. Früher oder später meistern alle diesen wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit.

Negative Stuhlgewohnheiten wie das Aufhalten des Kots, Stuhlgang unter Zeitdruck und starkes Pressen, fördern Hämorrhoiden – nicht nur im Kindesalter, sondern auch langfristig. Gesünder ist es, den Toilettengang positiv zu gestalten:

  • Loben Sie Ihren Schützling, wenn er ins Töpfchen oder die Toilette macht.
  • Schimpfen Sie nicht, sollte es in die Hose oder ins Bettchen gehen.
  • Führen Sie feste Toilettenzeiten ein, zum Beispiel nach dem Aufwachen und vor dem Schlafengehen.
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht ewig sitzen wenn nichts kommt.
  • Üben Sie keinen Zeitdruck aus und halten Sie Ihr Kind nicht dazu an, mehr zu pressen.
  • Leben Sie vor, dass der Toilettengang etwas ganz Natürliches ist, das zum Leben dazugehört.

Eine gute Analhygiene ist ebenfalls wichtig, damit der Po nicht wund wird. Anfangs übernehmen das selbstverständlich die Eltern. Aber nach und nach kann es das Kind unter Aufsicht eines Erwachsenen selbst ausprobieren. Auf diese Weise entwickelt es ein positives Verhältnis zum eigenen Körper und dessen Abläufen.

Knubbel am Po sind nicht immer Hämorrhoiden

Entdecken Eltern beim Windelwechseln oder Po abwischen Knubbel am After des Kindes, geht der erste Gedanke oftmals in Richtung Hämorrhoiden. Wahrscheinlicher bei Kindern ist jedoch ein Analprolaps. Dabei handelt es sich um ein Ausstülpen des Analkanals.

Die rötlichen oder bläulichen Gewebeteile sind wie Hämorrhoiden in der Regel schmerzfrei. Ist die Darmkontinenz gestört, kann es jedoch zu Hautreizungen aufgrund abfließenden Stuhls oder Schleims kommen. Diese verursachen das typische Jucken oder Brennen, das ebenfalls leicht mit Hämorrhoiden bedingten Symptomen verwechselbar ist.

Ein Analprolaps tritt beim Kleinkind oder Baby ebenfalls meist in Verbindung mit einer Verstopfung auf, wenn beim Stuhlgang zu stark gepresst wird. Dass sich der Analkanal in diesem Alter so leicht ausstülpt, hängt mit der noch unterentwickelten Beckenbodenmuskulatur zusammen. In der Regel zieht sich der Analprolaps von selbst zurück.

Lassen Sie Knubbel am Po und Blut im Stuhl immer von einem Kinderarzt untersuchen, denn manchmal stecken hinter den Krankheitszeichen ernsthaftere Ursachen, zum Beispiel Geschwüre, Verletzungen im Verdauungskanal oder entzündliche Darmerkrankungen.

Peggy Richter
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Freiberufliche Redakteurin
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