Analfibrom: Gefährlich oder nicht?

26. August 2019
9 Min.

Das Wort Analfibrom hat viele Synonyme, wie vergrößerte Analpapille oder Analpolyp. Gemeint ist immer eine gutartige Wucherung der Analschleimhaut. Der ebenfalls gebräuchliche Begriff „Katzenzahn“ beschreibt das Aussehen des Fibroms jedoch am anschaulichsten. Generell verläuft diese anale Beschwerde symptomfrei. Mit zunehmender Vergrößerung jedoch, macht sich ein Analfibrom unter anderem mit Schmerzen oder einem Fremdkörpergefühl am After bemerkbar. Erfahren Sie, wann Mediziner zu einer Entfernung raten und wie Sie das Analfibrom von einem Hämorrhoidalleiden unterscheiden.

Rückansicht von Frauenpo mit Analfibrom

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Wichtiges im Überblick

Analpapillen, noch nie gehört. Was ist das? Es handelt sich um Erhebungen in der Schleimhaut, die natürlicherweise im Analkanal vorkommen. Sie können sich krankhaft vergrößern und dann Beschwerden bereiten.

Wo genau befinden sich die Analpapillen? Zu finden sind sie auf Höhe der Linea dentata, die sich in der Übergangszone zwischen der Dickdarm- und Analkanalschleimhaut befindet.

Was will mir mein Körper damit sagen? Dass Sie wahrscheinlich an einem chronischen Reizzustand im Analbereich leiden, beispielsweise infolge vergrößerter Hämorrhoiden oder Analfisteln.

Wie machen sie sich bemerkbar? Typische Symptome sind unter anderem Jucken, Nässen sowie ein Fremdkörpergefühl am After.

Ein Grund zur Sorge? Hypertrophe (vergrößerte) Analpapillen sind gutartig. Allerdings muss eine eindeutige Diagnose durch einen Arzt erfolgen, denn: Es gibt Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen.

Geht das von allein wieder weg? Mit einer spontanen Rückbildung ist nicht zu rechnen.

Muss ich mich operieren lassen? Dieser Schritt ist nur notwendig, wenn die Analpapillen Beschwerden bereiten, sie beispielsweise zu Inkontinenz führen oder prolabieren, das heißt aus dem After hervortreten.

Definition eines Analfibroms

Mit den Begriffen Analfibrom, hypertrophe (vergrößerte) Analpapille oder Analpolyp ist ein und dasselbe gemeint: Eine an der Schleimhautoberfläche glatte Erhöhung, die sich am Übergang vom Enddarm zum After befindet..

So sehen Analfibrome aus:

  • getreidekorn- bis pflaumengroß
  • länglich, warzenartig oder breitbasig
  • weißlich bis hellrosa

Wächst der Polyp, rutscht er beim Stuhlgang nach außen. Zieht er sich anschließend nicht wieder von selbst zurück, muss der Patient mit den Fingern nachhelfen und ihn zurück in den After schieben. Unter Umständen erreicht er aber eine Größe von drei bis vier Zentimetern und befindet sich dann dauerhaft außerhalb des Afters.1 Ein Analfibrom ist immer gutartig, auch dann, wenn es bereits länger vorhanden ist.2

Nicht verwechseln!

Während ein Analpolyp harmlos ist, gibt es darüber hinaus auch Polypen im Bereich des Dickdarms, die unter Umständen auf Darmkrebs hindeuten. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, solche Beschwerden ernst zu nehmen und von einem Experten abklären zu lassen.

Die Symptome – je nach Ausmaß unterschiedlich stark

Während anale Fibrome, die meist nur 2 bis 3 Millimeter groß werden3, unbemerkt bleiben, können größere Befunde folgende Beschwerden verursachen:

  • Druckgefühl im Afterkanal
  • schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmus)
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Juckreiz
  • Blutspuren aufgrund von Reizung (zum Beispiel durch Toilettenpapier)
  • Stuhlschmieren
  • Nässen
  • Inkontinenz

Grund für das Unvermögen, Stuhl zurückzuhalten, ist der durch das Analfibrom beeinträchtigte Feinverschluss des Afters.

Die Ursachen: Das begünstigt die Entstehung eines Analfibroms

Die hypertrophen Analpapillen bilden sich

  • in seltenen Fällen nach einem operativen Eingriff oder einer Verletzung (beispielsweise Analfissur) in diesem Bereich,
  • in der Regel jedoch durch eine Reizung des Analkanals und einer daraus resultierenden Entzündung.

Häufig geht eine andere anale Erkrankung voraus

Auch wenn bislang noch nicht nachgewiesen werden konnte, dass folgende Beschwerden zu einem Analfibrom führen, gelten sie doch als mögliche Auslöser:

Diagnose: Das kommt beim Arztbesuch auf Sie zu

Für gewöhnlich bemerken Sie ein kleines und somit meist symptomloses Analfibrom nicht. Womöglich wird es erst von einem Arzt im Rahmen einer Untersuchung auf eine andere Analerkrankung diagnostiziert. Treten allerdings eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome auf, sollten Sie einen Mediziner aufsuchen. Dieser wird nach einer ausführlichen Patientenbefragung (Anamnese) eine genaue Inspektion (bloßes Betrachten) und womöglich eine Palpation (Abtasten des Afterbereichs) durchführen. Dabei fordert der Arzt Sie dazu auf, zu pressen und wieder zu entspannen. Auf diese Weise erkennt er Analfibrome, die in dieser Situation eventuell nach außen gelangen. Allerdings gilt die reine rektale Tastuntersuchung als diagnostisch unsicher.4

Um sicherzugehen, steht dem Fachmann deshalb zusätzlich eine Proktoskopie (Einführen eines starren Rohrs mit integrierter Kamera) zur besseren Untersuchung zur Verfügung. Anschließend kann der Experte – übrigens meist ein Proktologe oder Gastroenterologe – eine finale Diagnose stellen.

Zögern Sie den Arzttermin bitte nicht hinaus. Neben dem Analfibrom gibt es weitere Analbeschwerden mit ähnlichen Symptomen, beispielsweise:


Analfibrom oder Hämorrhoiden? Was ist der Unterschied?

Hypertrophe Analpapille – ja oder nein? Für den Laien ist es schwierig, selbst eine Antwort auf diese Frage zu finden. Häufig wird das Krankheitsbild mit vergrößerten Hämorrhoiden verwechselt, vor allem, weil beides zeitgleich auftreten kann. Denn das Analfibrom gilt als eine mögliche Begleiterscheinung von vergrößerten Hämorrhoiden – also dem sogenannten Hämorrhoidalleiden.

Einen groben Überblick über die Merkmale verschafft nachfolgende Tabelle:

AnalfibromHämorrhoiden
Lagekleine innen, große auch außeninnerhalb; große auch außerhalb
Schmerzenfür gewöhnlich nichtmeist erst bei größeren Exemplaren
Blutungkeine Blutungsneigungmöglich

Behandlung: Wann eine Operation nötig ist

Erkennt der behandelnde Arzt ein Analfibrom, hängt die Therapie von der Intensität Ihrer Beschwerden ab. Bereiten es keine Probleme, muss es auch nicht behandelt werden.2 Bei großen Analpapillen etwa, oder ausgeprägten Symptomen wie Inkontinenz und Schmerzen, legt er Ihnen womöglich eine chirurgische Entfernung (Exzision) des Analfibroms nahe. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: mittels Laser und Hochfrequenz-Diathermieschlinge.

So läuft die Behandlungsmethode mit der elektrischen Schlinge ab:

  • Die hypertrophe Analpapille wird unter örtlicher Betäubung entfernt. Die Lokalanästhesie ist notwendig, da der Eingriff im Bereich der sehr empfindlichen Analschleimhaut (Anoderm) liegt.
  • Der Operateur umfasst die Analpapille mit der geöffneten Hochfrequenz-Diathermieschlinge. Sie wird unter Strom zugezogen.
  • Es folgen weitere Stromstöße, bis die Analpapille abgetrennt ist.
  • Wichtig ist, dass der behandelnde Arzt bei dem Vorgang selbst keine Kraft anwendet, denn: Wird mechanisch zu stark an der Analpapille gezogen, würde dies einen zu tiefen Schnitt in die Schleimhaut verursachen.

Werden Analfibrome entfernt, sind Schmerzen und Blutungen möglich. Wie bei jedem operativen Eingriff kann, muss es aber nicht zu Komplikationen kommen.

Heilungsdauer nach OP

Eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie lange der Heilungsprozess nach der Operation dauert, gibt es leider nicht. Unter anderem ist das auch davon abhängig, ob bei dem Eingriff eine andere, bestehende Analerkrankung wie eine chronische Analfissur (Beschwerden seit mehr als einem halben Jahr5 ) therapiert wird und für welche Therapiemethode sich der behandelnde Arzt zusammen mit dem Patienten entschieden hat. Bei der beispielhaft genannten Analfissur sollten Sie mit ein paar Wochen rechnen, bis die Wunde vollständig abgeheilt ist.6

Wundheilung nach der Operation unterstützen

Es empfiehlt sich eine ballaststoffreiche Ernährung (beispielsweise mit Vollkornprodukten), um den Stuhlgang zu erleichtern. Auch Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde helfen beim Heilungsprozess.

Reinigen Sie den Analbereich äußerst vorsichtig und sanft. Verwenden Sie ausschließlich klares Wasser und verzichten Sie auf Seifen oder Sprays, um die Schutzschicht der Haut nicht zu schädigen.

Monika Hortig
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