Analfibrom: Gefährlich oder nicht?

29. Oktober 2018
6 Min.

Ein Analfibrom wird auch mit dem Begriff „Katzenzahn“ umschrieben. Dieser Name gibt einen Hinweis auf Größe und Beschaffenheit der Veränderung im Bereich des Analkanals. Erfahren Sie, wie das Analfibrom entsteht, wann eine Entfernung angeraten wird und wie Sie es von einem Hämorrhoidalleiden unterscheiden.

Rückansicht von Frauenpo mit Analfibrom

Analfibrom – Definition und Symptome

Bei einem Analfibrom – alternativ hypertrophe Analpapille oder Analpolyp genannt – handelt es sich um eine vergrößerte Analpapille. Diese wiederum sind Erhöhungen zwischen dem Analkanal und dem Mastdarm (finaler Darmabschnitt mit Übergang zum Anus). Analfibrome sind getreidekorn- bis pflaumengroß und können unterschiedliche Formen haben (länglich, warzenartig, flach). Wächst der Polyp, gerät er beim Stuhlgang nach außen – zieht sich danach aber wieder von selbst zurück oder muss gegebenenfalls zurückgedrückt werden. Unter Umständen erreicht er aber eine Größe von drei bis vier Zentimetern und befindet sich dann dauerhaft außerhalb des Afters.1 Ein Analfibrom ist für gewöhnlich gutartig.

Je nach Ausmaß fallen die Symptome unterschiedlich stark aus. Während bei kleinen Analfibromen keinerlei Anzeichen auftreten und sie deswegen meist unbemerkt bleiben, können größere Analpolypen folgende Beschwerden verursachen:

  • Fremdkörpergefühl am After
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Blutungen aufgrund von Reizung (zum Beispiel durch Toilettenpapier)
  • Nässen
  • Inkontinenz

Die Inkontinenz rührt daher, weil der Feinverschluss des Afters durch das Analfibrom beeinträchtigt wird und so geringe Mengen Stuhl entweichen können.

Die Ursachen: Das begünstigt die Entstehung eines Analfibroms

Die hypertrophen Analpapillen bilden sich in der Regel durch eine Reizung des Analkanals und einer daraus resultierenden Entzündung. Aus diesem Grund ist es wichtig, nachdem das Analfibrom von einem Arzt diagnostiziert wurde, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Als Auslöser gelten zum Beispiel:

  • Hämorrhoidalleiden (vergrößerte Hämorrhoiden)
  • Analfisteln (entzündliche Veränderung mit Sekretabsonderung)
  • Analfissur (Riss in der Schleimhaut des Analkanals)
  • Kryptitis (Entzündung der Afterdrüsen)

Nachgewiesen ist es bislang allerdings nicht, dass diese Beschwerden zu einem Analfibrom führen. Dennoch sollten Sie bei einer dieser Diagnosen auch eine hypertrophe Analpapille in Betracht ziehen.

Behandlung: Wann eine Operation nötig ist

Für gewöhnlich bemerken Sie ein kleines und somit meist symptomloses Analfibrom nicht. Womöglich wird es erst von einem Arzt im Rahmen einer Untersuchung auf eine andere Analerscheinung diagnostiziert. Treten allerdings eines oder mehrere der oben beschriebenen Symptome auf, sollten Sie einen Mediziner aufsuchen. Dieser wird nach einer ausführlichen Patientenbefragung (Anamnese) eine genaue Inspektion (bloßes Betrachten) und womöglich eine Palpation (Abtasten des Afterbereichs) durchführen. Dabei fordert der Arzt Sie dazu auf, zu pressen und wieder zu entspannen. Auf diese Weise erkennt er Analfibrome, die in dieser Situation eventuell nach außen gelangen.

Um sicherzugehen, steht dem Fachmann zusätzlich eine Proktoskopie (Einführen eines starren Rohrs zur besseren Untersuchung) zur Verfügung. Anschließend kann der Experte – übrigens meist ein Proktologe, Gastroenterologe oder Arzt für Innere Medizin – eine finale Diagnose stellen. Erkennt er ein Analfibrom, hängt die Behandlung von der Intensität Ihrer Beschwerden ab.

Bei schweren Symptomen wie Inkontinenz oder Schmerzen legt er Ihnen womöglich eine chirurgische Beseitigung des Analfibroms nahe. Dabei wird der gutartige Polyp unter örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) entfernt. Für die Unterstützung der Wundheilung nach der Operation empfiehlt sich die Anwendung von Sitzbädern mit Kamille oder Eichenrinde sowie eine ballaststoffreiche Ernährung (beispielsweise mit Vollkornprodukten), um den Stuhlgang zu erleichtern. Des Weiteren sollten Sie den Analbereich nur noch vorsichtig und sanft reinigen. Verwenden Sie ausschließlich klares Wasser und verzichten Sie auf Seifen oder andere Reinigungsmittel.

Nicht verwechseln!

Während ein Analpolyp harmlos ist, gibt es darüber hinaus auch bösartige Darmpolypen, die unter Umständen auf Darmkrebs hindeuten. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, solche Beschwerden ernst zu nehmen und von einem Experten abklären zu lassen.

Analfibrom oder Hämorrhoiden? Den Unterschied erkennen

Hypertrophe Analpapille – ja oder nein? Für den Laien ist es normalerweise schwierig, selbst eine Antwort auf diese Frage zu finden. Aus diesem Grund sollten Sie das vermeintliche Analfibrom von einem Arzt kontrollieren lassen.

Häufig wird es mit vergrößerten Hämorrhoiden verwechselt – vor allem, weil beide Analkrankheiten zeitgleich auftreten können. Denn das Analfibrom gilt als eine mögliche Begleiterscheinung von vergrößerten Hämorrhoiden – also dem sogenannten Hämorrhoidalleiden. Auch hierbei ist der Proktologe erste Anlaufstelle. Als grober Überblick dient Ihnen die unten stehende Tabelle.

AnalfibromHämorrhoiden
Lagekleine innen, große auch außeninnerhalb; große auch außerhalb
Schmerzenfür gewöhnlich nichtmeist erst bei größeren Exemplaren
Blutungneinmöglich

Da es neben dem Analfibrom oder den Hämorrhoiden aber noch weitere Analbeschwerden gibt, die den Symptomen beider ähneln (zum Beispiel Analthrombose, Mariske oder Analekzem), sollten Sie den Arzttermin nicht weiter hinauszögern. So vermeiden Sie, dass eine andere Erkrankung übersehen wird.

Monika Hortig
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Medizinredakteurin