Die Mariske: Von der Diagnose bis hin zur Behandlung

27. August 2019
10 Min.

Die meist beschwerdefrei auftretenden Marisken sind Hautfalten oder lappenartige Fortsätze, die sich am After ausbilden. Wann Sie eine Operation zur Entfernung dennoch in Betracht ziehen sollten, ob eine Rückbildung möglich ist und wie Ihnen die Unterscheidung zu Hämorrhoiden gelingt, erfahren Sie im Folgenden.

Eine Ärztin berät eine Patientin zur Behandlung & Entfernung von Marisken


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Keine Zeit, viel zu lesen? Marisken kurz und knapp erklärt.

  • Marisken, was ist das? Es handelt sich meist um weiche Falten am Übergang von analer Schleimhaut zur umgebenden Haut.
  • Und wie sehen sie aus? Die Hautläppchen unterschiedlicher Größe kommen einzeln oder zu mehreren vor, können aber auch kranzförmig angeordnet sein.
  • Hoffentlich harmlos? Ja, meist bereiten sie keine Beschwerden.
  • Wo kommen sie her? Primäre Marisken treten ohne erkennbare Ursache mit zunehmendem Alter auf. Sekundären Marisken geht eine proktologische (den Enddarm oder den After betreffende) Erkrankung voraus oder auch eine Operation, beispielsweise infolge eines Hämorrhoidalleidens.
  • Werden die Analfalten größer? Marisken wachsen generell eher langsam.1
  • Haben das andere auch? Keine Sorge, Sie sind damit nicht allein. Circa 2 von 3 Menschen haben im Laufe ihres Lebens einmal damit zu tun.1
  • Gibt es Symptome? Ja, wenn sich die Mariske entzündet hat. Beispielsweise Juckreiz, Brennen oder Schmerzen.
  • Aua! Sitzen tut weh, was nun? Kennen Sie Kissen in Donut-Form? Die Aussparung in der Mitte sorgt für Druckentlastung.
  • Wie wird behandelt? Eine chirurgische Entfernung ist möglich, aber nicht immer nötig.
  • OP-Termin steht – und der Arbeitgeber? Sie und Ihr Chef müssen damit rechnen, dass Sie nach der Operation für circa 3 bis 7 Tage arbeitsunfähig sein werden.2

Mariske – Definition und Symptome

Marisken treten in unterschiedlicher Größe (von stecknadelgroßen bis hin zu mehreren Zentimeter großen Hautlappen), Form oder Anzahl auf, gelegentlich auch als Kranz um den After herum. Für gewöhnlich bestehen Marisken aus schlaffer Haut.

Sie können aber auch anschwellen und Knötchen bilden, bei

  • Reizung oder
  • Druck, etwa durch den unsanften Gebrauch von Toilettenpapier oder beim Pressen während des Toilettengangs.

Normalerweise verursachen die Hautlappen keine Beschwerden und stellen nur ein kosmetisches oder hygienisches Problem dar. Da sich aufgrund der Hautfalten die darunterliegenden Stellen nur schwer sauber halten lassen, wird die Analhygiene durch die Marisken beeinträchtigt. Mitunter treten Infektionen mit Pilzen oder Bakterien auf.

Diese gehen mit folgenden Symptomen einher:

  • Juckreiz
  • Brennen
  • Nässen
  • eventuell Schmierblutungen in der Unterwäsche oder am Toilettenpapier

Jedoch müssen nicht zwingend Marisken zu einer Infektion und damit verbundenen Beschwerden geführt haben.

Folgende Analbeschwerden können eine ähnliche Symptomatik aufweisen:


Die Ursachen der Entstehung von Marisken

Die genauen Ursachen für die Bildung von Marisken sind unbekannt. Was aber gehäuft beobachtet wird: Die Hautlappen entstehen oft in Verbindung mit anderen Enddarm-Problemen. Dazu zählen beispielsweise:

Frauen haben nicht selten das erste Mal während einer Schwangerschaft mit einer Mariske zu tun. In dieser Zeit ist der Körper – bedingt durch hormonelle Umstellungen – mit einigen Veränderungen konfrontiert. Beispielsweise wird die Analhaut weicher und quillt infolge von Wassereinlagerungen auf. Hinzu kommt: Je weiter die Schwangerschaft fortschreitet, desto stärker wird auch der Beckenboden durch das zunehmende Gewicht des Kindes belastet. Durch die genannten Faktoren kann sich die Analschleimhaut nach außen verschieben und dort Falten ausbilden. Aber auch bei einer Geburt gilt sehr hoher Druck und dadurch eine Überdehnung der Analhaut als potenzielle Ursache.

Zudem wird eine Verbindung zu häufigem Stuhlgang diskutiert, wie er beispielsweise bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn vorkommt. Tatsächlich treten Marisken überaus oft mit dieser Krankheit auf, allerdings unterscheidet sich die Optik der Hautlappen dann etwas von den „üblichen“ Marisken am After. Sie sind im Fall der Erkrankung des Darms eher bläulich verfärbt und glasig.

Rückbildung und Therapie

Grundsätzlich sind Marisken, die am After auftreten, harmlos und müssen nicht behandelt werden. Die Rückbildung von Marisken ist möglich, tritt allerdings spontan auf und lässt sich nicht beeinflussen.

Da sie keine Schmerzen oder andere Beschwerden bereiten, fallen die Hautveränderungen vielen Patienten nicht auf. Zur sicheren Diagnosestellung und wenn sich die Hautlappen, etwa durch mangelnde Hygiene, entzünden und entsprechende Begleitsymptome auftauchen, empfiehlt es sich, damit zum Arzt zu gehen. In diesem Fall erfolgt meist eine symptomatische Behandlung.

Auf Analhygiene achten!

Reinigen Sie Ihren Analbereich nach dem Stuhlgang sorgfältig mit klarem Wasser. Verwenden Sie dabei keine Seifen oder andere Mittel. Trocknen Sie anschließend alles vorsichtig ab – ohne dabei zu reiben.

Operative Mariskenentfernung

Bereiten Ihnen große Marisken Probleme, beispielsweise in Form anhaltenden Stuhlschmierens, besteht die Möglichkeit der chirurgischen Mariskenentfernung. In der Regel wird diese ambulant durchgeführt, der Patient muss also keinen stationären Krankenhausaufenthalt einplanen.2

So läuft die OP ab

Der Operateur unterspritzt die Mariske mit einem Mittel, das den Schmerz ausschaltet (Lokalanästhetikum), sowie einem gefäßverengenden Wirkstoff. Die Mariske wird entweder mit einer sogenannten Hochfrequenz-Diathermieschlinge (heißer Schlingendraht umfasst Mariske und trennt sie so ab), einem Messer oder einer Schere entfernt. Liegen kreisförmige Marisken vor, ist es wichtig, bei der Operation Hautbrücken bestehen zu lassen. So soll verhindert werden, dass eine kreisförmige, durchgängige Narbe um den After zurückbleibt, die eine Verengung (Stenose) dieses Bereichs verursacht. Dass die Ränder der Wunde vernäht werden, ist bei kleinen Marisken nicht notwendig. Insgesamt dauert der Eingriff circa 10 bis 20 Minuten.2 Bis die Wunde verheilt ist, vergehen 1 bis 3 Wochen.3

Interessant!

Bei kranzförmigen Marisken erfolgt die Entfernung in mehreren OPs.

Dieses Vorgehen

  • ermöglicht eine schrittweise Wundheilung,
  • beugt starker Narbenbildung mit anschließender Gefäßverengung vor und
  • soll – durch großflächige Narben bedingte – Missempfindungen und eine Störung der Abdichtung des Enddarms vermeiden.

Diese Nebenwirkungen können auftreten

Obwohl die Prognose einer operativen Marisken-Entfernung sehr gut ist, sollte der Eingriff nicht unterschätzt werden. Im Nachgang sind Blutungen und Schmerzen aufgrund einer erhöhten Hautspannung in dem Bereich nicht auszuschließen. Aus diesem Grund verschreibt Ihnen der Arzt für die ersten 5 bis 6 Tage nach der Operation schmerzstillende Medikamente.4

Tipps zur Nachsorge

Verzichten Sie auf Toilettenpapier und Feuchttücher zur Reinigung der Wunde. Duschen Sie stattdessen den Wundbereich für 2 bis 3 Wochen nach jedem Stuhlgang nur mit klarem Wasser aus.2 Achten Sie darauf, dass der Wasserstrahl weich ist. Anschließend tupfen Sie die nasse Haut am Gesäß mit einem weichen Baumwolltuch ab, nicht trocken rubbeln!

Als Therapie nach der Mariskenentfernung empfehlen sich zudem Sitzbäder mit Kamille oder Eichenrinde, um möglichen Juckreiz zu lindern.

Auch entsprechende Salben können helfen, den Heilungsprozess der Wunde zu unterstützen. Lassen Sie sich ein geeignetes Produkt von Ihrem behandelnden Arzt verschreiben.

Generell als unterstützend bei der Behandlung gilt eine ballaststoffreiche Ernährung, um eine weiche Konsistenz des Stuhls zu erreichen. Gut geeignet ist beispielsweise Weizenkleie, Flohsamenschalen, Vollkornerzeugnisse und Gemüse. Achten Sie bitte auch darauf, dass Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Täglich sollte es 1,5 Liter sein.5

Hämorrhoiden oder Marisken? Das ist der Unterschied

Hämorrhoiden oder Marisken – meist kann nur der Arzt eine eindeutige Diagnose stellen und die beiden Analkrankheiten voneinander unterscheiden. Das Besondere: Marisken können durchaus auch ein Indiz für ein Hämorrhoidalleiden sein. Denn stark vergrößerte Hämorrhoiden, die innerhalb des Anus liegen, werden in einem fortgeschrittenen Stadium beim Stuhlgang nach außen gedrückt, wodurch auch die Analkanalhaut mit hinausgelangt.

Anhand folgender Merkmale gewinnen Sie einen ersten Eindruck, ob es sich um Hämorrhoiden oder Marisken handelt, die fälschlicherweise häufig als „äußere Hämorrhoiden“ bezeichnet werden:

MariskenHämorrhoiden
Lageaußen um den Anus heruminnerhalb des Anus; große reichen auch bis nach außen
Schmerzennur bei vorliegender Entzündungin der Regel im fortgeschrittenen Stadium
Blutungbei entzündeten Mariskenmöglich
Anschwellen beim Pressenneinja

Wenn Sie sich unsicher sind, lassen Sie Ihr Leiden von einem Mediziner kontrollieren, bevor Sie in Eigenregie beispielsweise mit Salben versuchen, die Symptome wie Juckreiz zu lindern. Nach einer ausführlichen Anamnese (Patientenbefragung) wird der Arzt den betroffenen Bereich routiniert inspizieren und gegebenenfalls von innen sowie außen abtasten. Die proktologische Untersuchung ist schmerzfrei und meist schneller vorüber als gedacht. Scheuen Sie sich also nicht vor einem Arztbesuch. Der Experte hilft Ihnen bei Ihren Beschwerden und kann sie zuordnen sowie lindern. Anschließend erhalten Sie die Diagnose und eine passende Behandlung.

Monika Hortig
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