Hämorrhoiden vorbeugen: Das können Sie tun

29. Oktober 2018
8 Min.

Wenn es am After brennt und juckt, stecken möglicherweise krankhaft veränderte Hämorrhoiden dahinter. Bestimmte Einflüsse können die Schwellkörper, die normalerweise unbemerkt am Ausgang des Darms verweilen, nach außen treten lassen. Dort sorgen sie dann für die unangenehmen Symptome. Wer jedoch weiß, welche Faktoren sich ungünstig auf die Hämorrhoiden auswirken, kann ihnen vorbeugen.

Lebensmittel, die gut sind, um Hämorrhoiden vorzubeugen.


Übersicht:

Vorsorge ist besser als Nachsorge: Wenn sich Hämorrhoiden bemerkbar machen

Hämorrhoiden hat jeder – das ist ein Fakt. Doch in der Regel sind die Schwellkörper am Ausgang des Darms gar nicht zu spüren und daher ein Thema, mit dem sich die wenigsten auseinandersetzen. Erst, wenn die Hämorrhoiden nach außen treten und es zu Begleiterscheinungen wie Juckreiz kommt, erhalten sie die nötige Aufmerksamkeit. Dabei ist es schon mit einigen wenigen Anpassungen im Alltag möglich, ein Hämorrhoidalleiden zu vermeiden. Aber wie genau lässt sich den krankhaft veränderten Hämorrhoiden vorbeugen?

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Unser täglich Brot: Mit der richtigen Ernährung Hämorrhoiden vermeiden

Was wir essen, nimmt Einfluss auf unsere Verdauung – und diese freut sich vor allem über Ballaststoffe. Jene faserreichen Substanzen kommen vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln vor und sorgen dafür, dass die Verdauung angekurbelt wird. Es gibt sie sowohl in unlöslicher als auch löslicher Form:

  • Die unlöslichen Ballaststoffe besitzen die Fähigkeit, Wasser zu binden und im Darm aufzuquellen. Auf diese Weise vergrößert sich das Stuhlvolumen und der Weitertransport des Darminhalts erfolgt schneller. Die Verdauung wird also angeregt, was wiederum dabei helfen kann, Verstopfungen zu verhindern. Bei einem leichten Stuhlgang sind lange Toilettensitzungen und starkes Pressen folglich unnötig, wodurch sich Hämorrhoiden vorbeugen lassen.
  • Auch die löslichen Ballaststoffe sind in der Lage, Wasser zu binden. Allerdings werden sie im Dickdarm von Bakterien zersetzt und dienen der Darmflora als Futter. Sie führen so zu einer gesunden Darmflora (Vielfalt der Darmbakterien), die ebenfalls für eine gesunde Verdauung und somit für die Vermeidung von Hämorrhoiden essenziell ist.

Wer sich ballaststoffreicher ernähren möchte, sollte den Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln erhöhen. Zu empfehlen sind beispielsweise Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, aber auch Vollkornprodukte. Doch Vorsicht: Ist der Körper Ballaststoffe nicht gewohnt, kann es zunächst zu Blähungen kommen. Daher sollte die Ernährungsumstellung zur Vorbeugung von Hämorrhoiden allmählich und nicht von heute auf morgen erfolgen.

Gut zu wissen:

Bei Hämorrhoiden spielen ein paar Kilos zu viel auf den Hüften ebenfalls eine Rolle. Die Ursache: Das zusätzliche Gewicht drückt auf den Enddarm, wodurch die Blutzirkulation eingeschränkt wird. In der Folge können die Schwellkörper nach außen treten. Wer an Übergewicht leidet, sollte demnach eine Gewichtsreduktion anstreben, denn auf diese Weise lassen sich Hämorrhoiden ebenfalls vermeiden. Darüber hinaus kann auch eine Schwangerschaft und die damit einhergehende Gewichtszunahme zu Hämorrhoiden führen.

Hämorrhoiden vermeiden: Was ist beim Stuhlgang zu beachten?

Um einem Hämorrhoidalleiden vorzubeugen, ist vor allem der Blick auf die eigene Lebensweise wichtig:

  • Wie sieht mein täglicher Speiseplan aus?
  • Nehme ich genügend Ballaststoffe zu mir?
  • Trinke ich ausreichend?
  • Habe ich genügend Bewegung im Alltag?

Die Antworten auf diese Fragen spielen durchaus eine Rolle, denn all das sind Faktoren, die Verstopfung begünstigen können. Wer sich wenig ballaststoffreich ernährt, nicht ausreichend trinkt (je nach Alter und Lebensumständen 1,2 bis 1,7 Liter pro Tag1) oder sich nicht regelmäßig bewegt, riskiert, dass der Darm träge wird. In der Folge kommt es zu einer erschwerten oder nur seltenen Stuhlentleerung.

Und das hat wiederum Konsequenzen für die Toilettensitzung: Läuft es hier nicht so wie gewollt, versuchen sich viele Betroffene über starkes Pressen Erleichterung zu verschaffen – zum Leidwesen der Hämorrhoiden. Durch den Druck erweitern sich die Blutgefäße im Enddarm, die Hämorrhoiden schwellen an und treten nach außen. Um dem vorzubeugen, ist es daher wichtig, nur dann auf Toilette zu gehen, wenn der Drang hierfür vorhanden ist, um unnötiges Pressen zu vermeiden.

Hoch das Bein!

Dem ein oder anderen dürften sie auf Reisen in südeuropäische oder arabische Länder schon einmal untergekommen sein: die Hock- beziehungsweise Stehtoiletten. Ein eher ungewöhnliches Erlebnis, sind in Deutschland doch eher Sitzklos verbreitet. Allerdings haben diese, gegenüber der Variante im Stehen oder Hocken, einen entscheidenden Nachteil: Durch die Haltung beim Sitzen, ist der Beckenbodenmuskel nicht entspannt und der Darm macht deshalb einen Knick. Das erschwert die Darmentleerung erheblich. Es wird daher empfohlen, seine Füße auf einen Hocker zu stellen, der so hoch ist, dass ein möglichst steiler Winkel zwischen Oberkörper und Beinen erzielt wird. In dieser Position ist der Muskel im Becken entspannt und der Darm gerade, was die Entleerung erleichtert. Dies fördert den Stuhlgang und beugt Hämorrhoiden vor.

Nicht selten kommt es bei Patienten mit Hämorrhoidalleiden zu einer Überdehnung des Schließmuskels am After (Schließmuskelschwäche). Eine Folge davon ist beispielsweise Inkontinenz. Um dem entgegenzuwirken, kann mit einfachen Beckenboden- oder Schließmuskelübungen für eine Stärkung der (stützenden) Muskulatur und ein geringeres Risiko einer derartigen Schwäche gesorgt werden. Je schwächer beispielsweise die Beckenbodenmuskulatur ist, desto mehr Druck lastet auf den Hämorrhoidalpolstern, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie sich mit der Zeit vergrößern. Setzen Sie sich für die Übungen aufrecht hin, spannen Sie die Muskeln rund um den Analbereich an und atmen Sie gleichzeitig tief ein. Halten Sie die Spannung für einige Sekunden und lösen Sie sie wieder, während sie ausatmen. Bestenfalls wiederholen Sie diesen Vorgang mehrere Male am Morgen, Mittag und Abend.

Was tun, wenn es doch zu einem Hämorrhoidalleiden kommt?

Treten die Hämorrhoiden — aller vorbeugenden Maßnahmen zum Trotz — nach außen und bereiten Beschwerden, sollten Sie diese behandeln lassen. Scheuen Sie sich nicht und suchen Sie einen Arzt (bestenfalls einen Proktologen) auf. Er wird Sie genauestens untersuchen und andere Erkrankungen (etwa einen Pilz am After) ausschließen. Handelt es sich um ein Hämorrhoidalleiden, wählt er im Anschluss an die Diagnose eine geeignete Behandlung. Von Salben und Cremes über Hausmittel bis hin zu operativen Eingriffen– welche die richtige Therapie für Sie ist, entscheidet der Arzt je nach Schweregrad und Beschwerden.

Facharzt informiert über Hämorrhoiden

Sie möchten mehr über die Diagnose und Behandlung von Hämorrhoiden erfahren? Proktologe Prof. Dr. med. Klaus Günther beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen rund um die Tabuzone After.


Tanja Albert
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Jan Zimmermann
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