Analsex und Hämorrhoiden: Welcher Zusammenhang besteht?

19. August 2019
7 Min.

Zum Thema Analsex gibt es eine ganze Reihe von Mythen und Gerüchten – auch wenn es um Hämorrhoiden geht. Doch was stimmt davon? Entstehen Hämorrhoiden beim Analsex? Ist Analverkehr bei Hämorrhoiden generell verboten? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Paar hatte trotz Hämorrhoiden Analsex und liegt anschließend im Bett.


Zu den Themen:

Analsex: Entstehen Hämorrhoiden durch den Geschlechtsakt?

Eines ist klar: Hämorrhoiden bilden sich nicht durch Analsex. Die kleinen Gefäßpolster, die am After sitzen, gehören zur menschlichen Anatomie und sind bei jedem vorhanden. Umgangssprachlich wird der Begriff Hämorrhoiden jedoch meist mit dem eigentlichen Problem – dem Hämorrhoidalleiden – gleichgesetzt.

Dieses beschreibt Beschwerden wie Jucken, Brennen oder Blutungen, die durch vergrößerte Hämorrhoiden ausgelöst werden. Doch Experten sind sich hierbei einig: Analsex ist grundsätzlich kein Faktor, der zu einem Anschwellen der Hämorrhoiden und dadurch verbundenen Problemen führt. Selbst die anale Stimulation mit Sexspielzeug oder Fingern beeinflusst gesunde Hämorrhoiden nicht.


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Auslöser von Hämorrhoiden-Beschwerden

Auch wenn Analsex nicht dazu gehört, gibt es eine Reihe von anderen Faktoren, die als Ursache für vergrößerte Hämorrhoiden in Frage kommen. Dazu zählen unter anderem:

  • anhaltende Verstopfung (starkes Pressen beim Stuhlgang übt einen großen Druck auf die Blutgefäße im Analbereich aus)
  • Schwangerschaft (die hormonellen Umstellungen erhöhen das Risiko für Hämorrhoidalleiden)
  • schlechte Lebensgewohnheiten (Stress, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel verlangsamen die Verdauung, was die Wahrscheinlichkeit von Verstopfung und Hämorrhoidalleiden steigen lässt)

Hämorrhoiden: Ist Analsex erlaubt?

Das Hämorrhoidalleiden wird also nicht durch Analsex verursacht – doch wie sieht es aus bei bereits bestehenden Beschwerden? Grundsätzlich ist Analsex bei Hämorrhoiden kein Tabu. Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht geboten – vor allem in dem Fall, wenn die Schwellkörper bereits stark vergrößert sind und es beispielsweise zu Blutungen oder Sekretabsonderungen kommt.

Der Grund dafür: Durch die Reibung beim Geschlechtsakt treten Bakterien besonders leicht in die offenen Wunden ein und lösen dort unter Umständen eine Entzündung aus. Das führt wiederum zu noch mehr Schmerzen und fördert die Entstehung weiterer Komplikationen. Zu diesen zählen:

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie daher bei offenliegenden Hämorrhoiden so lange auf den Analverkehr verzichten, bis die Hämorrhoiden keine Beschwerden mehr verursachen. Salben, Cremes oder spezielle Zäpfchen können zu einer schnelleren Abheilung beitragen. Diese sind in der Apotheke erhältlich.

Schmerzhafte Angelegenheit

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Punkt, der gegen den Analverkehr bei einer schweren Verlaufsform des Hämorrhoidalleidens spricht: Der Akt wäre für den Betroffenen vermutlich mit sehr starken Schmerzen verbunden – eine Vorstellung, bei der wohl den meisten Personen die Lust schnell wieder vergeht.

Ein Sonderfall tritt ein, wenn Sie zur Behandlung Ihres Hämorrhoidalleidens operiert werden. Denn nach dem chirurgischen Eingriff ist Analsex absolut tabu – zu groß ist die Chance, dass es zu einem Aufreißen der Wunden und starken Blutungen kommt.

Daher sollten Sie mit dem Analverkehr nach der OP unbedingt warten, bis sich die Analhaut vollständig regeneriert hat. Wie lange das dauert, ist abhängig von der Ausprägung der Hämorrhoiden-Vergrößerung und der OP-Variante. Nach einer Gummibandligatur (Abbindung der Hämorrhoiden) wird beispielsweise empfohlen, für mindestens drei Wochen auf Analsex zu verzichten.1

Analsex mit Hämorrhoiden: Darauf sollten Sie achten

Bei leichten Verlaufsformen des Hämorrhoidialleidens (des Grades 1 oder 2), die sich beispielsweise nur durch Juckreiz und Brennen am After äußern, spricht nichts gegen Analsex, soweit der Betroffene dies möchte und keine Schmerzen verspürt. Ein paar Tipps sollten Sie dabei dennoch beachten:

  • Kondombenutzung: Generell sind Kondome beim (Anal)Sex zu empfehlen, da sie den besten Schutz vor Geschlechtskrankheiten – wie zum Beispiel HIV – bieten. Beim Analsex entstehen sehr häufig kleinere Verletzungen in der Darmschleimhaut. Durch diese werden Erreger besonders leicht übertragen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten beim Analverkehr stark erhöht. Umso wichtiger ist daher die Kondombenutzung.
  • Sanftes Vorgehen: Um Schmerzen beim Betroffenen mit veränderten Hämorrhoiden zu vermeiden, ist es ratsam, dass Sie beim Geschlechtsakt langsam und vorsichtig handeln. Nutzen Sie außerdem reichlich Gleitgel. Dadurch reduzieren Sie die Reibung zwischen Penis und Darmschleimhaut, was die Entstehung kleiner Risse verringert und auch die Hämorrhoiden schont.
  • Direkter Dialog: Leiden Sie unter Hämorrhoiden-Beschwerden, sollten Sie das unbedingt vor dem Sex offen mit Ihrem Partner besprechen. So weiß er zum Beispiel, worauf er besonders achten muss. Gemeinsam können Sie dann ausprobieren, was für Sie funktioniert – und was nicht.

Wenn Sie unsicher sind, ob Analsex bei Ihren Hämorrhoiden-Symptomen in Ordnung ist, lassen Sie sich von einem Arzt beraten. Ein passender Ansprechpartner dafür ist der Proktologe (Facharzt für Erkrankungen des Enddarms). Zudem ist der Hausarzt meist in der Lage dazu, eine erste Einschätzung abzugeben.

Gut zu wissen

Auch wenn der Analsex bei einem akuten Hämorrhoidalleiden unter Umständen zu Problemen führen kann, so gibt es in der Regel keinen Anlass aufgrund von vergrößerten Hämorrhoiden auf „gewöhnlichen“ Verkehr (Vaginalsex) zu verzichten. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass beide Partner den Akt als angenehm empfinden und keine Schmerzen verspüren.

Pauline Zäh
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Medizinvolontärin
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