Hämorrhoiden sind ein funktioneller Bestandteil der Anus-Anatomie

29. Oktober 2018
6 Min.

Der menschliche Darm mündet in ein etwa vier Zentimeter langes Endstück – den sogenannten Anus. Seine Anatomie dient der kontrollierten Stuhlentleerung und ermöglicht das effektive Verschließen des Darms. Die Hämorrhoiden unterstützen dabei in nicht unwesentlichem Maße die Kontinenzfunktion beziehungsweise das willentliche Zurückhalten des Stuhls.

Anatomie des Anus: Ring aus Muskeln

Anus ist das lateinische Wort für Ring. Die Bezeichnung leitet sich aus der speziellen Anatomie des Darmausgangs ab. Zwei Muskelringe, der Musculus sphincter ani internus (innerer Ringmuskel) und der Musculus sphincter ani externus (äußerer Ringmuskel) schließen den Darm nach außen hin ab.

Der innere Ringmuskel arbeitet unabhängig vom menschlichen Willen. Er weitet sich automatisch aus, sobald Stuhl in den Enddarm gelangt. Die in seiner Schleimhaut befindlichen Dehnungsrezeptoren senden ein Signal an das Großhirn und lösen ein Gefühl des Stuhldrangs aus. Der äußere Schließmuskel bleibt jedoch zunächst geschlossen. Seine Kontraktion und Erschlaffung sind bewusst steuerbar. Durch Anspannen des außen liegenden Schließmuskels gemeinsam mit der Bauch- und Beckenmuskulatur lässt sich der Stuhlgang so für eine gewisse Zeit zurückhalten.

Graphische anatomische Darstellung von Hämorrhoiden

Welche Rolle Hämorrhoiden in der Anus-Anatomie spielen

Die Ringmuskulatur allein reicht nicht aus, um den Darm vollständig zu verschließen. Deshalb sorgt ein ebenfalls ringförmiger, unter der Schleimhaut des Mastdarmendes liegender Schwellkörper, der sogenannte Corpus cavernosum recti, für die Feinkontinenz. Hämorrhoiden sind gewissermaßen Gefäßpolstererweiterungen des dicht unter der Schleimhaut des Anus liegenden Komplexes.

Solange der innere und äußere Ringmuskel angespannt sind, bleibt das Blut in den Hämorrhoiden. Der Corpus cavernosum recti schwillt an und verhindert ein Entweichen von Stuhl und Gasen. Auf diese Weise tragen die Hämorrhoiden beziehungsweise der Corpus cavernosum recti bis zu 15 Prozent zur Kontinenz bei.1 Füllt sich der Enddarm und erschlafft der innere Ringmuskel, fließt das Blut aus den Hämorrhoiden ab. Das Gewebe zieht sich zusammen und macht Platz, damit der Stuhl ohne Hindernis passieren kann.

Tipp: Dem Drang nachgehen

So praktisch es ist, den Stuhlgang kontrollieren zu können, empfiehlt es sich dennoch, den Gang zur Toilette nicht hinauszuzögern. Häufiges Unterdrücken des Stuhldrangs kann langfristig zu einer krankhaften Vergrößerung der Hämorrhoiden mit Symptomen wie Brennen, Juckreiz und Schmerzen im Analbereich führen.



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Die Linea dentata – ein empfindsames Organ

Zur Anus-Anatomie gehört außerdem die Linea dentata. Sie befindet sich in Richtung Darmausgang unterhalb des Corpus cavernosum recti und bildet den Übergang zwischen dem weitgehend schmerzunempfindlichen Gewebe des Mastdarms und der empfindlichen Analhaut.

Die hohe Sensitivität der Analhaut am Ausgang des Darms ermöglicht es, zwischen festem Stuhl und Darmgasen zu unterscheiden. Sie ist aber auch die Ursache dafür, dass Erkrankungen am Anus sehr unangenehm sein können, selbst wenn sie ungefährlich sind.

Entlang der Linea dentata liegen die zackenförmigen Analpapillen und die schwalbennestartigen Analkrypten, die den Ausgang für die Analdrüsen bilden. Das gibt dem Gewebeübergang ein verzahntes Aussehen und hat ihm den lateinischen Beinamen „dentata“ eingebracht. Die Analdrüsen, die bei vielen Tierarten Duftstoffe zur Markierung des Territoriums oder zur Signalisierung der Paarungsbereitschaft absondern, sind in der Anus-Anatomie des Menschen nur rudimentär – also in Ansätzen – vorhanden.

Veränderungen in der Anus-Anatomie und ihre Folgen

Der natürliche Alterungsprozess, Schwangerschaft, Geburt und verschiedene Gefäßerkrankungen, wie beispielsweise venöse Insuffizienz oder Krampfaderleiden, führen dazu, dass die Gewebespannkraft nachlässt. Besonders häufig betroffen ist das Gewebe des Corpus cavernosum recti.

Ziehen sich die Hämorrhoiden nicht mehr richtig zurück, kann es geschehen, dass der Stuhl beim Passieren des Anus das hervorstehende Gewebe verletzt. Je nach Schweregrad werden verschiedene Formen von veränderten Hämorrhoiden unterschieden. Mit fortschreitendem Stadium schieben sich die Hämorrhoiden während des Stuhlgangs Richtung Schließmuskel oder treten gar nach außen.

Hämorrhoidalleiden sind zwar nicht gefährlich, aber sie verursachen Schmerzen und können die Kontinenz beeinträchtigen. Unangenehme Symptome, wie Jucken und Brennen, lassen sich zwar schnell mit schmerzstillenden Salben oder Zäpfchen lindern. Dennoch sollten Betroffene auf Nummer sicher gehen und ihre Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Ein Mediziner kann feststellen, ob die Ursache für die Schmerzen im Anus tatsächlich von den Hämorrhoiden herrührt oder ob die Auslöser anderswo zu suchen sind. Entzündungen oder Gewebeveränderungen im Bereich der Analpapillen oder Analkrypten lösen häufig ganz ähnliche Symptome aus. Unabhängig von der Ursache beugt eine frühzeitige Behandlung einer Verschlimmerung der Beschwerden und der Entstehung ernsthafter Komplikationen wie einer Analfistel vor.

Peggy Richter
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Freiberufliche Redakteurin
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