Häufig gestellte Fragen zur Rektozele


Was ist eine Rektozele?

Bei einer Rektozele tritt eine Vorwölbung des Mastdarms (der letzte Abschnitt des Enddarms) nach unten auf. Dadurch wird die vordere Wand des Mastdarms in Richtung Scheide oder Blase gedrückt. Zudem kann es zu einem Absinken des Schließmuskels (Analsphinkter) kommen.

Wie erkennt man eine Rektozele?

Die Erkrankung kann sich durch Symptome wie Druckgefühl im Bereich des Beckens oder der Scheide bemerkbar machen. Auch Schwierigkeiten beim Stuhlgang sind möglich. Zusätzlich können häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten.

Was hilft bei einer Rektozele?

Beckenbodentraining und eine Ernährungsumstellung mit ballaststoffreicher Kost können hilfreiche Ansätze bei der Linderung von Symptomen einer Rektozele sein. Wenn diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen oder die Beschwerden besonders stark sind, kann auch ein operativer Eingriff erfolgen. Hierbei gibt es verschiedene Verfahren wie beispielsweise die Entfernung eines Stück Enddarms.

Wann muss eine Rektozele operiert werden?

Die Entscheidung, eine Rektozele operativ zu behandeln, hängt von der Schwere der Symptome und dem Leidensdruck der Frau ab. Zunächst werden konservative Maßnahmen wie Beckenboden-Training versucht. Kommt es zu erheblichen Einschränkungen, kann auch eine Operation in Betracht gezogen werden. Eine genaue Beurteilung durch einen Facharzt (Gynäkologe oder Proktologe) ist wichtig, um die individuelle Behandlungsoption festzulegen.

Was ist eine Rektozele?


Illustration der Anatomie eines weiblichen Beckens zur Darstellung einer Rektozele.

Bei einer Rektozele kommt es zu einer Vorwölbung des Mastdarms (letzter Abschnitt des Enddarms) und damit zu Druck nach unten in Richtung Scheide (bei Frauen) oder Harnröhre (beim Mann). Eine Rektozele von bis zu 1,5 Zentimeter Größe wird als normal betrachtet und hat in der Regel keine nachteiligen Auswirkungen. Bei größeren Rektozelen entstehen meist bestimmte Symptome und Probleme, beispielsweise beim Stuhlgang oder Wasserlassen.1   

Frauen sind aufgrund der menschlichen Anatomie hauptsächlich von Rektozelen betroffen. 2 Etwa 50 Prozent der Frauen ab dem 50. Lebensjahr können davon betroffen sein. Das Risiko, eine Rektozele zu entwickeln, steigt mit der Anzahl der Geburten.2 

Ursachen für die Entstehung einer Rektozele


Der genaue Grund für die Entstehung einer Rektozele ist noch nicht bekannt, vermutet wird jedoch das eine zunehmende Bindegewebsschwäche und Verdauungsbeschwerden wie zum Beispiel Verstopfungen eine Rolle spielen.1 Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe, die den unteren Teil des Beckens stützen. Eine allgemeine Schwäche dieser Muskeln und des Bindegewebes kann dazu führen, dass der Enddarm absinkt und eine Rektozele entsteht. 

Im Folgenden sind einige Faktoren aufgeführt, die eine Beckenbodenschwäche begünstigen können: 

  • Schwangerschaft und Geburt: Während der Schwangerschaft und vor allem bei vaginalen Geburten wird der Beckenboden stark belastet. Druck, Belastung und die Dehnung der Scheide können zu einer Schwächung des Beckenbodens führen. 
  • Alter und hormonelle Veränderungen: Mit zunehmendem Alter und hormonellen Veränderungen, insbesondere in den Wechseljahren, kann sich das Bindegewebes verändern und somit den Beckenboden schwächen.  
  • Chronische Verstopfung und Anstrengung beim Stuhlgang: Wer regelmäßig unter chronischer Verstopfung leidet oder beim Stuhlgang stark pressen muss, setzt den Beckenboden einem erhöhten Druck aus. Dies kann zu einer Überdehnung des Bindegewebes führen. 

Was macht der Beckenboden?

Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die den unteren Teil des Beckens stützt und wichtige Funktionen erfüllt. Er stützt die inneren Organe, kontrolliert die Ausscheidungsfunktionen, unterstützt die Sexualfunktion, stabilisiert die Wirbelsäule und spielt eine wichtige Rolle bei Schwangerschaft und Geburt.

Mögliche Symptome einer Rektozele


Die Symptome einer Rektozele können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Hier sind einige Beschwerden, die mit einer Rektozele einhergehen können:2 

  • Druckgefühl im Beckenbereich: Betroffene können ein unangenehmes Druck- oder Völlegefühl im unteren Beckenbereich verspüren. 
  • Erschwerter Stuhlgang: Das Vorhandensein einer Rektozele kann den Stuhlgang erschweren und bei den Betroffenen das Gefühl hervorrufen, dass der Darm nicht vollständig entleert wurde. .  
  • Probleme beim Geschlechtsverkehr: Frauen mit einer Rektozele haben unter Umständen Schmerzen oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, insbesondere wenn der Enddarm gegen die hintere Scheidenwand drückt. 
  • Häufiges Wasserlassen: In einigen Fällen kann eine Rektozele den Harndrang beeinflussen und zu vermehrtem Wasserlassen führen. 

Es ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Betroffenen mit einer Rektozele Symptome haben. Bei manchen tritt eine sogenannte asymptomatische Rektozele auf, die keine Beschwerden macht. Wenn es jedoch zu Symptomen kommt, die die Lebensqualität beeinträchtigen, sollte zunächst der Hausarzt aufgesucht werden, um eine genaue Diagnose zu stellen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.

Gut zu wissen!

Wer Probleme mit Hämorrhoiden hat, kann unter Umständen auch Beschwerden einer Rektozele entwickeln, da ersteres häufig mit Beschwerden wie Verstopfungen einhergeht. Jedoch besteht wohl keine direkte Verbindung zwischen dieser Ausstülpung des Mastdarms und einem Hämorrhoidalleiden.

Diagnose: So wird eine Rektozele festgestellt


Falls Sie den Verdacht haben, an einer Rektozele zu leiden, führt der erste Gang zu Ihrem Hausarzt. Dieser schickt Sie gegebenenfalls weiter zu einem Facharzt (Proktologe). Die Diagnose erfolgt dann durch eine gründliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Zunächst wird der Arzt Ihnen Fragen zu auftretenden Symptomen stellen und Ihre medizinische Vorgeschichte erfragen — einschließlich früherer Schwangerschaften und Geburten, Operationen innerhalb des Beckenbereichs oder auch chronischer Erkrankungen.  

Im Anschluss erfolgt dann eine körperliche Untersuchung. Dabei wird er wie bei einer gynäkologischen Untersuchung Ihren Beckenboden abtasten. Hierbei lässt sich eine mögliche Rektozele erfühlen und auch das Ausmaß ertasten. 

In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie ein MRT (Magnetresonanztomographie), eingesetzt werden, um eine genaue Darstellung der Rektozele zu erhalten. Auch eine Urodynamik-Untersuchung ist denkbar, um die Auswirkungen der Rektozele auf die Blasenfunktion zu beurteilen. Dabei werden der Druck und die Aktivität der Blase während des Füllungs- und Entleerungsprozesses gemessen. 

Kurzer Exkurs: Die Urodynamik-Untersuchung

Die urodynamische Untersuchung besteht aus drei Teilen: Blasendruckmessung, Harnstrahlmessung und Harnröhrendruckprofil. Mit diesen Verfahren kann der Urologe die Funktionsabläufe im Harntrakt messen und verschiedene Blasenstörungen diagnostizieren. Neben Inkontinenz können auch andere Erkrankungen wie Harnröhrenstriktur (Einengung der weiblichen oder männlichen Harnröhre) oder beim Mann das Prostatasyndrom erkannt werden. Vor der Untersuchung erfolgen in der Regel konservative Therapien (zum Beispiel Medikamente oder Beckenbodentraining) zur Normalisierung der Blasenfunktion.

So wird die Rektozele behandelt


Die Behandlung einer Rektozele hängt von der Schwere der Symptome, dem Ausmaß der Vorwölbung und den individuellen Bedürfnissen der Patientin ab. Ein Gespräch mit einem Facharzt ist wichtig, um die beste Behandlungsoption zu bestimmen und mögliche Risiken und Nutzen zu besprechen. Zunächst sollten konservative, also nicht chirurgische, Maßnahmen erfolgen. Bei starken Beschwerden und Beeinträchtigungen (zum Bespiel schmerzhafter Geschlechtsverkehr) ist meist eine Operation erforderlich.3 

Die konservative Behandlung

Zur Behandlung einer Rektozele können verschiedene Ansätze verfolgt werden. Die erste Möglichkeit besteht in einer Lebensstiländerung, wie beispielsweise einer gesunden Ernährung mit ausreichender Ballaststoffzufuhr (Obst, Gemüse und Vollkornprodukte) und Flüssigkeitsaufnahme (mindestens 2 Liter).2,4 Durch diese Maßnahmen kann Verstopfung vorgebeugt und der Stuhlgang erleichtert werden.  

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Beckenbodentraining.2 Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können dabei helfen, die Symptome zu verbessern und die Rektozele zu unterstützen. Durch regelmäßiges Training kann der Beckenboden gestärkt und die Funktion aufrechterhalten werden. 

Des Weiteren ist es wichtig, übermäßiges Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden, um der Verschlimmerung einer Rektozele entgegenzuwirken. Diese nicht-operativen Therapieansätze können eine Option sein, insbesondere bei milden Fällen. Für eine angepasste Behandlung ist es ratsam, sich von einem Facharzt beraten zu lassen.  

Chirurgische Intervention

In Fällen, in denen konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder die Rektozele schwerwiegender ist, kann eine OP unter Voll oder Teilnarkose (je nach Behandlungssituation) erforderlich sein. Hierzu werden folgende Verfahren angewandt:2 

  • Raffung der hinteren Scheidenwand: Die hintere Scheidenwand wird mit mehreren Nähten zusammengezogen, um ein erneutes Vorfallen des Enddarms zu verhindern. 
  • S.T.A.R.R. (stapled transanal rectal resection): Mithilfe eines kreisförmigen Klammernahtgeräts wird ein Stück des Enddarms mit einer Breite von circa 3 bis 8 Zentimetern durch den After entfernt und so ein erneutes Absinken vermieden. 
  • Resektionsrektopexie: Ein Teil des Mastdarms wird heraus operiert und dadurch verkürzt. Dies führt zu einer Straffung der Darmwand und verhindert ebenfalls eine weitere Absenkung. 

Prävention einer Rektozele


Die Vorbeugung einer Rektozele konzentriert sich auf die Stärkung des Beckenbodens und die Förderung einer gesunden Lebensweise. Im Folgenden sind einige Maßnahmen aufgeführt, die die Vorbeugung einer Rektozele unterstützen können: 

  • Beckenbodentraining: Regelmäßiges Beckenbodentraining kann dazu beitragen, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und den Enddarm zu stützen. Spezielle Übungen  zielen darauf ab, die Beckenbodenmuskulatur zu kräftigen und zu straffen. 
  • Gesunde Ernährung: Eine ballaststoffreiche Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr fördert eine geregelte Verdauung und beugt Verstopfung vor. Weicher Stuhl vermindert den Druck auf den Beckenboden. 
  • Vermeiden Sie übermäßiges Pressen: Beim Stuhlgang ist es wichtig den Druck auf den Beckenboden zu verringern. Eine entspannte Körperhaltung und ausreichend Zeit für den Stuhlgang sind hier von Vorteil. Achten Sie zudem auf die richtige Sitzposition auf der Toilette. Stellen Sie Ihre Füße auf einen Toilettenhocker oder eine andere Erhöhung und beugen Sie den Oberkörper nach vorne. Auf diese Weise soll das starke Pressen beim Stuhlgang vermieden werden.  
  • Regelmäßige Bewegung: Durch körperliche Aktivität und gezieltes Training können die Muskeln im Beckenbereich gestärkt und die Durchblutung gefördert werden. Dies kann zu einem gesunden Beckenboden beitragen. 

Es ist wichtig zu beachten, dass präventive Maßnahmen keine absolute Garantie gegen das Auftreten einer Rektozele bieten — insbesondere wenn andere Risikofaktoren eine Rolle spielen. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie einen Facharzt für Gynäkologie oder Proktologie aufzusuchen

Beckenbodentraining: Übungen bei einer Rektozele


Hier haben wir für Sie einige Übungen zusammengefasst, die zur Stärkung des Beckenbodens beitragen können:  

  1. Kegel-Übungen: Spannen Sie die Muskeln im Beckenboden an, als ob Sie den Urinfluss stoppen würden. Halten Sie die Spannung für wenige Sekunden und lösen Sie diese etwa für die gleiche Dauer. Wiederholen Sie den Vorgang ein paar Mal hintereinander. Diese Übungen können mehrmals täglich durchgeführt werden. 
  2. Beckenbodenbrücke: Legen Sie sich auf den Rücken, beugen Sie die Knie und stellen Sie die Füße flach auf den Boden. Heben Sie nun das Becken langsam an, indem Sie die Gesäßmuskeln anspannen und den Beckenboden nach oben ziehen. Halten Sie die Position für einige Sekunden und senken Sie dann das Becken wieder ab.  
  3. Rumpfheben: Legen Sie sich auf den Bauch und stützen Sie sich auf die Unterarme. Heben Sie den Oberkörper vom Boden ab, während Sie den Beckenboden anspannen. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und senken Sie dann den Oberkörper wieder ab. 
  4. Tägliche Aktivitäten: Einfache Alltagsbewegungen wie das Einziehen des Bauches, aufrechtes Sitzen, Stehen und Gehen können ebenfalls dazu beitragen, den Beckenboden zu stärken. 

Zudem kann es hilfreich sein, vor Beginn eines Beckenbodentrainings mit einem Facharzt oder auch Physiotherapeuten zu sprechen, um sicherzustellen, dass die Übungen korrekt durchgeführt werden. Diese können Ihnen auch individuelle Empfehlungen geben, welche Übungen für Ihre Bedürfnisse am besten geeignet sind.

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Stephanie Letz Schon früh schrieb Stephanie Letz gerne an eigenen Texten. Später weckte die langjährige Arbeit in der Radiologie ihr Interesse für die Medizin und Gesundheitsthemen. Um die Leidenschaft aus der Kindheit damit zu verknüpfen, entschied sie sich für ein Journalismus-Studium mit dem Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaft an der Hochschule Ansbach. Stephanie Letz Autorin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen
  • 1Dr.med. Eduard Kasten. darmpraxis-wuppertal.de: Was ist eine Rektozele? URL: https://darmpraxis-wuppertal.de/was-ist-eine-rektozele-dr-eduard-karsten-erklaert/ - Stand (15.06.2023).
  • 2Privatärztliche Praxisklinik für Venen- und Enddarmerkrankungen Prof. Dr. Dr. med. Stefan Hillejan: Proktologe informiert über Symptome einer Aussackung des Mastdarms. URL: https://praxisklinik.com/fachwissen/rektozele/ - Stand (29.06.2023).
  • 3Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Rektozele. URL: https://www.uke.de/krankheitsbild/rektozele.html - Stand (15.06.2023).
  • 4Berufsverband deutscher Internistinnen und Internisten e.V.. Internisten-im-netz.de: Ausreichend Flüssigkeit. URL: https://www.internisten-im-netz.de/vorsorge/gesund-leben/ausgewogene-ernaehrung/ausreichend-fluessigkeit.html - Stand (22.06.2023).