Hämorrhoiden: Gefährlich oder harmlos?

29. Oktober 2018
8 Min.

Sind Hämorrhoidalleiden automatisch gefährlich? Nein, es gibt verschiedene Entwicklungsformen. Ist der Verlauf gut, besteht die Möglichkeit, dass sich vergrößerte Hämorrhoiden zurückbilden. Sie können sich aber auch entzünden und zu weiteren Komplikationen führen. Umso wichtiger ist es daher, dass Betroffene bei Beschwerden frühzeitig handeln. Doch welche Behandlungsmethoden kommen in den verschiedenen Krankheitsstadien zum Einsatz? Die Antworten bekommen Sie hier.

Arzt erklärt Patientin den Hämorrhoiden-Verlauf

Sind Hämorrhoiden gefährlich?

Hämorrhoiden an sich zählen keinesfalls zu den Erkrankungen oder Krankheitssymptomen. Hämorrhoiden sind nicht gefährlich. Es handelt sich bei ihnen um Schwellkörper, die am Ende des Afters sitzen und dort ein dichtes Gefäßpolster bilden. Sie gehören zur natürlichen Anatomie des Körpers und sind gemeinsam mit der Schließmuskulatur zuständig für den Verschluss des Darms. Erst wenn Hämorrhoiden vergrößert sind, lösen sie Beschwerden aus (Hämorrhoidalleiden). Umgangssprachlich setzen viele Betroffene vergrößerte Hämorrhoiden und deren Symptome meist einfach mit dem Begriff „Hämorrhoiden“ gleich.

Geschwollene Hämorrhoiden sind nicht bösartig und häufig gut behandelbar. Mediziner teilen sie aufgrund ihrer Ausprägung und Schwere in vier verschiedene Stadien ein:

Beschreibung
Stadium IDie Hämorrhoiden sind von außen kaum zu sehen oder zu ertasten. Sie verursachen wenige Beschwerden. Nur selten finden Betroffene etwas hellrotes Blut im Stuhl. Ein selbstständiges Zurückbilden von Hämorrhoiden in diesem Stadium ist oftmals der Fall.
Stadium IIBeim Toilettengang mit starkem Pressen können die Hämorrhoiden kurzzeitig aus dem After gedrückt werden. Dann sind sie zu sehen und auch zu ertasten. In diesem Stadium sind Jucken und Brennen am After sowie leichtere Blutungen nichts Seltenes.
Stadium IIINicht nur beim Stuhlgang, auch bei körperlicher Anstrengung drücken die Hämorrhoiden in dieser Entwicklungsstufe aus dem After. Sie sind nun gut sicht- und tastbar. Die Schwellkörper lassen sich allerdings selbst mit dem Finger wieder hineinschieben. Die Symptome reichen von Jucken und Brennen bis hin zu nässenden und blutenden, offenen Wunden. Entzündete Hämorrhoiden sind hier nicht selten.
Stadium IVDie Hämorrhoiden liegen dauerhaft außerhalb des Afters. Sie lassen sich nicht zurückschieben und sind deutlich sichtbar. Zu den Beschwerden in diesem Stadium zählen Schmerzen, Brennen, Jucken und stärkere Blutungen. Auch unkontrollierter Stuhlverlust ist möglich. Die stark vergrößerten Hämorrhoiden können gefährliche Komplikationen wie Analfisteln auslösen.

Bilden sich Hämorrhoiden zurück?

Im ersten Stadium können sich Hämorrhoiden zurückbilden, ganz ohne weiteres Zutun. Häufig bleiben sie deswegen auch unbemerkt, solange sie keine Beschwerden auslösen. Im zweiten Stadium gibt es die Möglichkeit, dass sich Hämorrhoiden bei entsprechender Behandlung zurückbilden. Dabei können spezielle Salben und Zäpfchen helfen. Viele davon sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie wirken lokal betäubend und können leichtere Schmerzen und Juckreiz lindern. Die Mittel fördern dadurch die Abheilung. Betroffene sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen.

Ab dem dritten Stadium ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich entzündete Hämorrhoiden zurückbilden. Auch Salben und Zäpfchen lindern Symptome nur noch vorübergehend. Meist müssen die Hämorrhoidalleiden in einem chirurgischen Verfahren, zum Beispiel durch eine Verödung, behandelt werden. Selbst nach einer Operation kann es aber in manchen Fällen immer wieder zu Beschwerden durch Hämorrhoiden kommen. Das gleiche gilt, wenn sich vergrößerte Hämorrhoiden von selbst zurückgebildet haben. Eine Garantie für eine zukünftige Beschwerdefreiheit gibt es nicht. Denn auch wenn Hämorrhoiden nicht gefährlich sind, so sind sie doch oft langwierig und lästig.

Wann ist es Zeit für den Arzt?

Vor allem wenn die Symptome noch leicht sind, suchen viele Betroffene keinen Arzt auf. Zu groß ist die Scham. Dabei sind vergrößerte Hämorrhoiden vor allem im Anfangsstadium gut behandelbar (zum Beispiel mit Cremes und Zäpfchen). Deshalb sollten Menschen, die Analbeschwerden verspüren, möglichst zügig den Rat eines Mediziners einholen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist der Verlauf und umso weniger gefährlich sind Hämorrhoiden.

Entzündete Hämorrhoiden und weitere Komplikationen

Vor allem im dritten und vierten Stadium kommt es häufig zu entzündeten Hämorrhoiden. Sobald die Hämorrhoiden außerhalb des Analkanals liegen, steigt die Anfälligkeit für Krankheitserreger. Entzündete Hämorrhoiden sind für Patienten meist besonders schmerzhaft. Sie leiden häufiger unter stärkeren Blutungen. Beispielsweise können sehr große Hämorrhoiden durch harten Kot leichter verletzt werden.

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Entzündete Hämorrhoiden sind nicht das einzige Problem, das bei einem Hämorrhoidalleiden auftreten kann. Folgende weitere Komplikationen stehen im Zusammenhang mit veränderten Hämorrhoiden:

  • Analfissuren (entzündete Risse in der Schleimhaut des Analkanals)
  • Abszesse (Eiteransammlungen am After)
  • Analfisteln (entzündete Gänge zwischen Analkanal und der Hautoberfläche des Afters)
  • Analekzeme (gerötete, entzündliche Hautveränderungen am After)
  • starke arterielle Blutungen (durch Gefäßverletzungen)
  • Absterben von Gewebe (durch Abschnürung von Hämorrhoiden und dadurch entstehenden Sauerstoffmangel)

Der Verlauf von Hämorrhoidenbeschwerden ist sehr individuell. Eine frühzeitige Behandlung kann sich positiv auswirken.

Hämorrhoiden – Selbstbehandlung kann gefährlich sein

Eine Selbstbehandlung von Hämorrhoidalleiden ist in den Anfangsstadien noch möglich, zum Beispiel mit Hilfe von Salben. Dies kann das Zurückbilden der Hämorrhoiden fördern. Bei Symptomen des dritten und vierten Stadiums sollten Patienten allerdings zum Arzt gehen und nicht einfach selbst behandeln. Die Eigentherapie von Hämorrhoiden kann gefährlich werden. Manche Hausmittel wie Knoblauch-Zäpfchen oder Apfelessig-Anwendungen haben kaum belegte Wirkung und können den Wundheilungsprozess durch Infektionen verlangsamen. Außerdem sollten Betroffene nicht versuchen, Hämorrhoiden selbst zu entfernen (zum Beispiel durch Abreißen oder Abschneiden), wenn diese bereits außerhalb des Afters sind. Dabei können tiefe Wunden oder Infektionen entstehen, welche die eigentlich harmlosen Hämorrhoiden dann erst gefährlich machen. Bei Unsicherheiten wird eine Rücksprache mit dem Arzt empfohlen.

Wenn Sie aktiv gegen Hämorrhoidenbeschwerden vorgehen möchten, sollten Sie das auf andere Weise tun. Nicht selten lösen Verstopfungen beziehungsweise ein starkes Pressen beim Stuhlgang Hämorrhoidalleiden aus. Daher ist es gut für eine aktive Verdauung zu sorgen. Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung. Die nichtverdaubaren Ballaststoffe regen die Darmaktivität an, geschmeidiger Stuhlgang ist die Folge. Vor allem Vollkornprodukte und Gemüse wie Paprika oder Rosenkohl enthalten reichlich Ballaststoffe. Auch ausreichend Bewegung im Alltag bringt den Darm in Schwung. Fahren Sie beispielsweise mit dem Rad zum Einkaufen statt mit dem Auto.

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