Hämorrhoiden: Vier Grade bestimmen den Krankheitsfortschritt

29. Oktober 2018
7 Min.

Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Sie bilden den Schwellkörper, der gemeinsam mit den Schließmuskeln den Darm abdichtet. Diese Aufgabe erfüllen die Hämorrhoiden unbemerkt, solange sie gesund sind. Erschlafft das Gewebe jedoch in Folge von beispielsweise Lebensgewohnheiten oder Erkrankungen, kommt es zu unangenehmen Beschwerden. Schätzungsweise entwickelt jeder zweite Mensch im Laufe seines Lebens Probleme mit den Hämorrhoiden1. Je nach Schwere unterscheiden Mediziner dabei vier verschiedene Grade, die unterschiedliche Symptome aufweisen und entsprechend andere Maßnahmen der Behandlung erfordern.

Hämorrhoiden: Die vier Grade im Überblick

Hämorrhoiden sind ein Gefäßgewebe, das sich im Ruhezustand des Darms mit Blut füllt und anschwillt. Innerhalb der Anus-Anatomie liegen sie oberhalb des inneren Schließmuskels. Für den Stuhlgang schwellen die Hämorrhoiden ab. Lässt die Elastizität der Schwellkörper zum Beispiel aufgrund von Bindegewebsschwäche nach, ziehen sie sich mitunter nicht mehr vollständig zusammen.

Mit fortschreitendem Krankheitsverlauf gelangen die Hämorrhoiden durch den After nach außen. Man unterscheidet vier verschiedene Hämorrhoiden-Grade – je nachdem, wie stark das Gewebe vergrößert ist und welche Beschwerden auftreten.

Zwischen dem Mastdarm und dem Schließmuskel befinden sich Gefäßpolster, sogenannte Hämorrhoiden. Sie unterstützen den Schließmuskel bei der Verschluss-Regulation.
Die Hämorrhoiden sind leicht vergrößert. Selten finden Betroffene Blut im Stuhl, ansonsten gibt es keine Beschwerden.
Hämorrhoiden sind nun auch ertastbar und sichtbar, denn sie könen nach außen aus dem After gedrückt werden. Leichtere Blutungen kommen immer häufiger vor.
Neben Blutungen kommen auch andere Symptome dazue, wie Nässen & Juckreiz. Die größer werdenden Gefäßpolster rutschen aus dem After, lassen sich aber noch zurückschieben.
Die krankhaft vergrößerten Hämorrhoiden sind dauerhaft außerhalb des Afters. Betroffene leiden unter Jucken, Brennen, Nässen & Schmerzen.

Hämorrhoiden 1. Grades: Blut am Toilettenpapier

Das Gefäßpolster der Hämorrhoiden vergrößert sich nicht schlagartig. Der Prozess verläuft in der Regel schleichend, ohne zunächst Beschwerden zu verursachen. Der erste Hinweis auf Hämorrhoiden 1. Grades ist meist hellrotes Blut am Toilettenpapier. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass sich der Schwellkörper während des Stuhlgangs nicht vollständig zurückgezogen hat und das Gewebe durch den passierenden Kot oberflächlich verletzt wurde. Besonders hoch ist dieses Risiko, wenn der Stuhl sehr hart ist.

Hämorrhoiden 1. Grades befinden sich noch innerhalb des Analkanals und lösen deshalb kaum Unannehmlichkeiten aus. Dennoch ist es ratsam, bereits in diesem Stadium einen Arzt aufzusuchen. Im Rahmen einer Enddarmspiegelung kann dieser feststellen, ob tatsächlich vergrößerte Hämorrhoiden (1. Grades) für die Blutungen verantwortlich sind oder ob andere Ursachen dahinterstecken. Hinzu kommt, je früher Hämorrhoiden erkannt werden, desto mehr Möglichkeiten der Behandlung stehen dem Patienten zur Verfügung.

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Hämorrhoiden 2. Grades: Jucken und Brennen

Vergrößern sich die Hämorrhoiden weiter, kann es passieren, dass der Schwellkörper beim Stuhlgang durch den After nach draußen gedrückt wird. Der Darmverschluss nach dem Stuhlgang bleibt noch unbeeinträchtigt, sodass die Hämorrhoiden 2. Grades von selbst zurück in den Anus rutschen. Blutungen während des Stuhlgangs treten in diesem Stadium häufiger auf, weil das ausgeweitete, von Venen durchzogene Gewebe mehr Angriffsfläche bietet.

Bedingt durch ein zunehmend feuchteres Milieu, neigt die Haut in der Gesäßfalte zu Entzündungen, die oftmals ein Jucken und Brennen zur Folge haben. Hämorrhoiden 2. Grades werden oft von einem Gefühl der unvollständigen Darmentleerung begleitet.

Tipp: Hämorrhoiden-Selbsthilfe

Hämorrhoiden der ersten beiden Grade bilden sich häufig noch durch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten zurück. Wichtig dafür sind eine ballaststoffreiche Ernährung und mehr Bewegung. Unangenehmes Jucken oder Brennen lässt sich in den Anfangsstadien unter Umständen mit Salben oder Zäpfchen lindern.

Hämorrhoiden 3. Grades: Gewebe tritt durch den After nach außen

Bleiben die Hämorrhoiden unbehandelt, rutschen sie immer häufiger hervor, und zwar nicht nur während des Stuhlgangs, sondern auch bei anderen körperlichen Belastungen wie Heben oder Treppensteigen. Hämorrhoiden 3. Grades ziehen sich anschließend nicht mehr von selbst zurück, können aber von den Betroffenen mit dem Finger in den After geschoben werden.

Das knotige Gewebe entzündet sich häufiger, zumal es mit Bakterien und anderen Erregern des Kots in Berührung gelangt. Daher kommt es bei Hämorrhoiden 3. Grades zu einer vermehrten Schleimabsonderung und brennenden Schmerzen im Bereich des Afters. Stuhlspuren in der Wäsche zeigen, dass sich der Darm aufgrund der hervortretenden Hämorrhoiden nicht mehr hundertprozentig verschließt.

Wissenswert: Hämorrhoiden aller Grade können behandelt werden

Niemand muss sich mit einem Hämorrhoidalleiden abfinden. Für jedes Stadium gibt es entsprechende Behandlungsmöglichkeiten. Hämorrhoiden der Grade drei und vier erfordern allerdings in der Regel operative Eingriffe, wie beispielsweise die Milligan Morgan OP oder die Longo OP. Um die geeignete Therapie zu finden, ist der Besuch bei einem Arzt unumgänglich.

Hämorrhoiden 4. Grades: Prolaps behindert Verschließen des Darms

Lassen sich die Gefäßknoten nicht mehr zurück in den After schieben, sprechen Mediziner von Hämorrhoiden 4. Grades. Dauerhaft vor dem After liegende Hämorrhoiden – auch Prolaps genannt – verursachen ein starkes Fremdkörpergefühl und behindern darüber hinaus den Verschlussmechanismus des Anus. Letzteres führt dazu, dass bei Hämorrhoiden 4. Grades Stuhl häufiger unbeabsichtigt austritt.

Auch in diesem Stadium werden die veränderten Hämorrhoiden von Entzündungen, Nässen, Brennen und Jucken begleitet, wobei die Schmerzintensität im Laufe der vier aufeinanderfolgenden Grade zunimmt. Die Haut ist bei Hämorrhoiden 4. Grades um den After meistens wund, was zu weiteren Komplikationen führen kann.

Peggy Richter
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Freiberufliche Redakteurin