Was Sie tun können, um Hämorrhoiden selbst zu behandeln

29. Oktober 2018
10 Min.

Beschwerden aufgrund von vergrößerten Hämorrhoiden können sehr unangenehm sein und von starkem Juckreiz über Schmerzen beim Sitzen bis hin zu Blutungen gehen. Um diese Symptome schnellstmöglich zu lindern beziehungsweise es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, lassen sich bei Hämorrhoiden einige Maßnahmen zur Selbsthilfe umsetzen.

Pärchen kocht gesund zur Selbstbehandlung bei Hämorrhoiden


Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipps:

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 1: Richtig Sitzen

Was wohl die meisten zu Beginn überraschen wird: Die zwar als äußerst bequem und hygienisch empfundene Sitztoilette ist für den Stuhlgang sehr hinderlich. Die gesunde und natürliche Haltung wäre in der Hocke. Denn in dieser Position entsteht ein spitzerer Winkel, der Beckenboden ist entspannter und der Darm gerade, was die Entleerung um einiges erleichtert und beschleunigt. Im Sitzen kommt es hingegen zu einem 90-Grad-Winkel und der Darm ist durch einen schlingenförmigen Schließmuskel abgeknickt. Wenn Sie Hämorrhoiden selbst behandeln beziehungsweise gar nicht erst entstehen lassen möchten, lohnt sich also die Auseinandersetzung mit Ihrer Körperhaltung während des Stuhlgangs.

Hätten Sie es gewusst?

Hämorrhoidalleiden sind vor allem in westlichen Ländern ein Problem, weil hier eben die Sitztoilette üblich ist. In Afrika und Asien zum Beispiel werden überwiegend Steh- beziehungsweise Hocktoiletten genutzt. Hier steht der Toilettengänger mit beiden Beinen auf dem Boden und hockt über einem Klo im Boden.

Nun müssen Sie nicht bodennah in der Hocke Ihr Geschäft erledigen. Sorgen Sie lediglich dafür, dass Ihre Füße erhöht sind, also nicht mehr auf dem Boden stehen, und so die entsprechende Haltung entsteht. Erreichen lässt sich dies über das Hinzuziehen eines kleinen Podests oder Hockers unter den Füßen.

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 2: Ernährung anpassen

Bei hämorrhoidalen Beschwerden sollte auch über die Ernährung versucht werden, die Verdauung zu unterstützen und so den Stuhlgang zu erleichtern. Der Speiseplan ist im besten Fall ausgewogen und abwechslungsweich gestaltet. Ballaststoffreiche, fettarme und nicht zu scharf gewürzte Kost eignet sich besonders gut. Auf diese Weise lässt sich eine regelmäßige Darmentleerung erzielen und der Stuhl ist aufgrund der weichen Konsistenz leichter auszuscheiden. Diese Maßnahme funktioniert vorbeugend, aber auch, um bereits entstandene Hämorrhoiden selbst zu behandeln.

Empfehlung für eine ballaststoffreiche Ernährung:

  • Frühstück mit Frischkornmüsli und Vollkornbrot
  • Rohkostsalate (möglichst täglich)
  • Milchprodukte (wie Buttermilch, Quark, Joghurt und Käse)
  • viel frisches Obst und Gemüse
  • Nüsse (in Maßen, da auch reich an Fett)
  • Hülsenfrüchte (beispielweise Erbsen, Bohnen und Linsen)

Damit die aufgenommenen Ballaststoffe – vor allem Getreide, Nüsse und Hülsenfrüchte – quellen können, muss ausreichend Flüssigkeit getrunken werden. Ansonsten ist der Stuhl zu trocken und hart. Erwachsenen rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung mindestens 1,5 Liter am Tag zu trinken.1

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 3: Äußerliche Anwendungen

Sitzbäder eignen sich besonders gut, um Hämorrhoiden selbst zu behandeln und werden von Betroffenen häufig als sehr wohltuend empfunden, vor allem, wenn die Hämorrhoiden nässen. Eichenrinde wirkt sich als Badezusatz zusammenziehend (adstringierend) auf das erkrankte Gewebe aus und ist ein altbewährtes Hausmittel.

Rezept für Sitzbad mit Hamamelis oder Eichenrinde

Eine Handvoll Hamamelis (Zaubernuss) – geeignet sind Rinde und Blätter – oder Eichenrinde (beides ist in der Apotheke oder im Reformhaus erhältlich) mit einem Liter Wasser aufkochen und für 15 Minuten auf niedriger Hitze köcheln lassen. Den Sud in eine kleine Wanne geben, etwas abkühlen lassen und dann bei Körperwärme ein zehn-minütiges Sitzbad genießen.2

Gegen Juckreiz und Brennen verspricht auch die kühlende Variante des Sitzbads Linderung: Dafür setzen Sie sich in mit Eiswürfeln angereichertes Wasser. Der Kältegrad und die Dauer orientieren sich nach dem Wohlbefinden, doch ist die Zeit nicht länger als die warme Sitzbadvariante. Sie können auch Gelkissen verwenden, welche in der Apotheke oder Drogerie erhältlich sind und zuvor im Kühlschrank gelagert wurden.

Hamamelis– oder Ringelblumensalben beziehungsweise –Tinkturen hemmen die Entzündungen sowie mögliche Blutungen im Analbereich und fördern die Wundheilung. Tragen Sie hierfür einfach die jeweilige Substanz, zum Beispiel mit einem Wattebausch, auf die Hämorrhoiden auf. Kompressen bieten sich als Selbsthilfe-Maßnahme vor allem in einem bereits fortgeschrittenen Stadium an, also wenn die Verdickungen nach außen getreten sind. Sie werden auf die vergrößerten Polster gelegt, saugen mögliches Blut auf und geben oben genannte Heilmittel ab.

Aloe Vera lässt sich sowohl innerlich als auch äußerlich anwenden. Ihr Saft hilft bei Verstopfungen, denn er stimuliert den Dickdarm. Als Gel hat die Pflanze eine desinfizierende und entzündungshemmende Wirkung.

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 4: Viel Sport und Bewegung

Um vergrößerte Hämorrhoiden zu vermeiden oder bereits bestehende selbst zu behandeln, gilt es auch im Hinblick auf körperliche Betätigung einiges beachten. Eines vorweg: Regelmäßiger Sport und tägliche Bewegung werden ausdrücklich empfohlen. Vor allem Schwimmen ist ideal, denn es belastet nicht die Gefäße. Tennis, Joggen und Gewichte heben sind hingegen nicht so gut geeignet, denn beim Hüpfen, Springen und Pressen entsteht auf den Beckenboden ein zu großer Druck, was zu einer Dehnung der Blutgefäße des Hämorrhoidalpolsters führt.

Doch nicht nur die Leistungsfähigkeit der Arterien und Venen spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Hämorrhoidenbeschwerden, auch die Muskeln sollten gestärkt werden. Eine kraftvolle Beckenbodenmuskulatur hat nicht nur eine positive Wirkung auf die Haltung, sondern trägt zudem auch dazu bei, krankhafte Hämorrhoiden zu verhindern. Diese wird durch spezielle Übungen gezielt trainiert. Allgemein haben Sport und Bewegung eine förderliche Wirkung auf die Darmtätigkeit und können Verstopfungen vorbeugen.

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 5: Gesunde Analhygiene

Die richtige Analhygiene kann hämorrhoidal bedingte Symptome wie Schmerzen, Juckreiz und Brennen lindern. Doch, was heißt „richtig“?

Nach dem groben Entfernen von Stuhlresten mit Toilettenpapier, sollte der Analbereich vorsichtig gereinigt werden – am besten mit klarem, lauwarmem Wasser und einem Einmalwaschlappen. Beim Abtrocknen ist darauf zu achten, möglichst weiche Materialien zu verwenden, zum Beispiel ein Baumwollhandtuch, um Reizungen vorzubeugen.

Feuchte Reinigungstücher sind eine praktische Alternative, besonders für unterwegs. Es eignen sich vor allem Baby-Pflege-Tücher, denn diese enthalten keine Stoffe, die Allergien auslösen können. Übertriebene Hygiene mit viel Seife und Waschlotionen ist zu vermeiden, denn es führt nur zu weiteren Irritationen der Haut.

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

– Anzeige –

Posterisan akut Banner

Hämorrhoiden-Selbsthilfe-Tipp Nr. 6: Freiverkäufliche Salben

Um leichtere bis mittlere Hämorrhoiden-bedingte Beschwerden zu mildern, können Sie auch zu rezeptfreien Salben greifen, die Sie in der Apotheke erhalten. Prinzipiell sollte aber vor der Verwendung einer Hämorrhoidencreme eine ärztliche Untersuchung stattgefunden haben, damit auch nachgewiesen ist, dass ein Hämorrhoidalleiden vorliegt und nicht eine andere Erkrankung.

Die meisten Präparate enthalten eine Kombination aus schmerzstillenden und entzündungshemmenden Substanzen:

  • Hamamelis (Zaubernussgewächs): lindert den Juckreiz, das Brennen sowie Nässen und wirkt zusammenziehend (adstringierend) auf die Haut
  • Lidocain: örtlich agierendes Schmerzmittel (Lokalanästhetikum), das die Schmerzweiterleitung an den Nervenbahnen unterdrückt
  • Jojoba-Öl: ist schmerzstillend sowie feuchtigkeitsregulierend und beruhigt die sensible Afterhaut

Die Salben werden für gewöhnlich zwei- bis dreimal am Tag angewendet, soweit möglich nach dem Stuhlgang.3 Der Betroffene trägt kleine Mengen einfach mit dem bloßen Finger oder mit einem Fingerling (ein Kunststoffaufsatz für den Finger aus der Apotheke) auf die schmerzende Analregion auf.

In vielen Packungen ist zusätzlich ein Applikator enthalten, der an einen kleinen, schmalen Kegel erinnert und Löcher an den Seiten hat. Dieser wird auf die Salbentube geschraubt und dann vorsichtig in den After eingeführt. Durch Druckausübung auf die Tube gelangt die Salbe auch im Inneren des Analkanals an die vergrößerten Gefäßpolster und kann dort wirken.

Carolin Stollberg
E-Mail schreiben
Medizinredakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!